Stendal l Wer regelmäßig zu den Sitzungen des Stendaler Stadtrates und des Kreistages kommt, der weiß, was passiert, wenn der Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragestunde“ aufgerufen wird. Dann tritt mit ziemlicher Sicherheit ein Stendaler ans Mikrofon und beginnt mit den Worten „Steffen Roske mein Name ...“ Eigentlich bräuchte der 50-Jährige sich nicht mehr gesondert vorzustellen, alle wissen Bescheid, dass Steffen Roske wieder drei Fragen parat hat.

Nun will es der Stendaler künftig aber nicht mehr nur bei den Fragen aus dem Publikum belassen, sondern selbst in den Stadtrat einziehen, als Einzelbewerber. „Das mit den Fragen ist schön und gut“, sagt Roske. Er bekomme auch immer Antworten, gelegentlich direkt in der Sitzung, sonst per Post. „Aber nur mit Fragen kommt man nicht dolle weit“, findet er.

2004 schon einmal für die CDU angetreten

„Wenn ich Stadtrat bin, kann ich sicherlich mehr ausrichten“, sagt Roske, der es 2004 schon einmal auf der CDU-Liste versucht hatte. Er habe damals sogar mehr Stimmen bekommen als der spätere Wahlfälscher Holger Gebhardt, sagt Roske mit einem Grinsen. Gereicht hat es für beide nicht. Sich wieder der CDU anzuschließen, sei keine Option gewesen, sagt er. Ohnehin habe man ihn vor die Tür gesetzt, da er angeblich die Mitgliedsbeiträge nicht bezahlt habe.

„Ich spreche aber mit allen Leuten, egal zu welcher Partei sie gehören“, sagt Roske. Allerdings könne er sich derzeit mit keiner Partei identifizieren. Daher bleibt ihm lediglich die Möglichkeit, als Einzelbewerber zur Wahl anzutreten. Doch da hat der Gesetzgeber eine Hürde aufgebaut, über die diese Einzelkämpfer und auch neue Wählergruppen (siehe Info-Kasten) erst einmal kommen müssen. Sie benötigen 100 Unterstützer­unterschriften. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt Roske. Anfang Januar holte er sich die Formulare im Einwohnermeldeamt der Stadt ab.

Viele Erklärungen notwendig

Nun ist er in der Stadt unterwegs, um Leute davon zu überzeugen, dass er zur Stadtratswahl antreten darf. „Ich muss denen immer erklären, dass sie mich mit der Unterschrift nicht wählen, sondern nur unterstützen, dass ich antreten darf.“

Rund 15 Formulare hat er bisher unterschrieben bekommen. „Ich muss ein bisschen Gas geben“, sagt der gebürtige Stendaler, der in der Altstadt aufgewachsen ist und nach der Wende lange in Süd gewohnt hat. Bis zum 18. März um 18 Uhr hat er Zeit, die Unterschriften im Rathaus abzugeben.

Glernter Tiefbohrer

Gelernt hat er das Handwerk des Tiefbohrers bei „Knall-Gas“, wie er seinen früheren Betrieb, den VEB Geologische Erkundung, nennt. Nach der Wende schulte er um zum Maler und Lackierer. Nach einem Unfall wurde es beruflich schwerer, mit Hausmeistertätigkeiten hat er sich herumgeschlagen. Gerade ist er wieder auf Jobsuche. „Viele sind nicht politisch interessiert“, hat Roske bei seiner Tingeltour mit den Unterstützerzetteln festgestellt. Einige hätten Bedenken wegen des Missbrauchs ihrer Daten. Möglicherweise schwingt auch noch der Wahlskandal von 2014 mit, wo es auch um Listen und Unterschriften ging.

Der Wahlbetrug war es auch, der ihn ab Mai 2016 umtrieb, als er erstmals im Stadtrat anfing, Fragen zu stellen. „Ich hatte mich damals von meiner Freundin getrennt, da hatte ich wieder mehr Zeit für Politik“, sagt er.

Satzung musste geändert werden

Eines habe er in der gesamten Zeit schon erreicht, sagt Ros­ke mit Stolz. Die Satzung der Stadt wurde geändert. Bis dahin war die Einwohnerfragestunde nicht reglementiert. Seit einiger Zeit dürfen nur noch drei Fragen gestellt werden – und zwar an die Verwaltung. „Ich hatte auch einzelne Stadträte etwas gefragt“, sagt Roske.

„Ich sehe mich als Bindeglied der Leute, mit denen ich spreche, zur Verwaltung“, sagt er. Viele hätten das Vertrauen verloren und fühlten sich nicht ernst genommen.

Wer Steffen Roske unterstützen möchte: Tel. 01517/440?72?90