Havelberg/Stendal l Die Übernahme des von der Schließung bedrohten Krankenhauses Havelberg durch den Landkreis Stendal scheint erst einmal vom Tisch. Nach fast vierstündiger Beratung entschied sich der Kreistag am Donnerstagabend in einer Sondersitzung stattdessen, sowohl mit der jetzigen Klinikbetreiberin KMG als auch mit der landeseigenen Krankenhausgesellschaft Salus gGmbH und den Johannitern als Betreiber des Stendaler Klinikums sowie mit dem Land Sachsen-Anhalt zu verhandeln.

Ziel sei, den Standort Havelberg zu einer Portalklinik mit medizinischer Grundversorgung sowie einer eigenen Notaufnahme umzuwandeln. Außerdem soll ein Altersmedizinisches Zentrum mit stationären Betten entstehen.

Johanniter zeigen sich offen

Damit folgte die Kreistagsmehrheit – es gab nur eine Gegenstimme sowie 14 Enthaltungen – im Wesentlichen einem Antrag der Fraktion „Pro Altmark“, dem sich im Laufe des Abends auch die AfD, die Fraktion FDP/Grüne/Landwirte und die CDU anschlossen. Damit wies das Kreisparlament zugleich Empfehlungen sowohl von Landrat Patrick Puhlmann als auch von Sozial-Staatssekretärin Beate Bröcker (beide SPD) zurück: Beide hatten dem Kreistag nahegelegt, sich klar zwischen Salus und den Johannitern als künftigen Partnern zu entscheiden. Dazu hatten Vertreter beider Interessenten hinter verschlossenen Türen ihre Konzepte vorgestellt; die Johanniter zeigten sich dabei offen für eine Kooperation mit Salus.

Staatssekretärin Bröcker hatte sich zudem eindeutig für Salus ausgesprochen: Weil die Johanniter Bedingungen für ihren Einstieg stellten – das geschlossene Genthiner Krankenhaus sollte als Zweigstelle von Stendal wieder aufmachen, außerdem solle Havelberg für fünf Jahre von Kontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen befreit werden – gebe es von den Krankenkassen ein Veto. So forderten auch Linke und SPD, mit den Johannitern gar nicht erst zu sprechen, sondern das nur noch mit 37 Patientenbetten ausgestattete Krankenhaus sofort vom Kreis übernehmen und dann von Salus betreiben zu lassen.

„Pro Altmark“-Fraktionschef Nico Schulz indes warnte vor einer solchen Festlegung – und zog im Laufe der Debatte die Mehrheit auf seine Seite: Die Johanniter seien als Partner stärker als Salus, zudem werde der Krankenhaus-Standort Stendal geschwächt, wenn Mitbewerber Salus den Zuschlag für Havelberg erhalte.

Verträge laufen aus

Bei seiner nächsten Sitzung am 24. September will sich der Kreistag von Landrat Puhlmann die Verhandlungsergebnisse vorlegen lassen. Knapp eine Woche später, am 30. September, laufen die Arbeitsverträge der letzten 30 Havelberger Krankenhausmitarbeiter aus... Wie drängend das Problem für Beschäftigte, Einwohner und Urlauber in Havelberg inzwischen ist, hatten sowohl Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) als auch Betriebsratsvorsitzende Sandra Braun, vor dem Kreistag deutlich gemacht. Dass eine Entscheidung nun noch immer auf sich warten lässt, quittierte Poloski mit unverhohlener Enttäuschung. Kritik kam gestern auch von der SPD. Das Abstimmungsergebnis sei „eine Absage an die Havelberger Region“.

Unterdessen hat der bislang ranghöchste Klinik-Beschäftigte eine neue Stelle: Ingo Engelmeyer, bisher Geschäftsführer des KMG-Klinikums, ist nun Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeit (GfA) mit Sitz in Uenglingen; das teilte die Kreisverwaltung gestern mit. Die GfA kümmert sich vor allem um Langzeitarbeitslose; aktuell setzt sie 174 Menschen in 74 Projekten ein.