Stendal l Meist schlagen sie im Schutz der Dunkelheit auf Baustellen zu. Gut ausgerüstet, suchen sie sich Baufahrzeuge aus, entfernen die Tankdeckel und zapfen dann Treibstoff, bevorzugt Diesel, ab. Die Deichbaustelle bei Fischbeck entwickelte sich in den vergangenen Jahren fast schon zum Hotspot für Kriminelle, die es auf Kraftstoff abgesehen haben.

 Allerdings werden auch Pkw und Lkw, die abseits von belebten Straßen abgestellt werden, regelmäßig zu Zielen. Zuletzt in Goldbeck etwa, als die Täter erst Löcher in den Tank eines Sattelzuges bohrten und anschließend auch noch den Tankdeckel aufbrachen. Das Fahrzeug verlor 150 Liter Diesel. Eine noch vergleichsweise geringe Menge. In der westlichen Altmark erbeuteten Diebe vor einigen Jahren gar 1000 Liter, als sie sich in Miesterhorst an einem Güterzug zu schaffen machten. Manch einer scheut sogar vor viel frequentierten Ecken nicht zurück. Die Stendaler Stadtseeallee wurde bereits zum Tatort.

Zwischen 2014 und 2018 verzeichnete das Polizeirevier Stendal 378 dieser Taten. Macht durchschnittlich 94,5 Diebstähle von Kraftstoff pro Jahr. Dirk Marscheider, Pressesprecher des Polizeireviers, betont, dass es sich bei der Zahl lediglich um die angezeigten Straftaten handelt. Mit anderen Worten: Die Dunkelziffer liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit viel höher. Die Motive der Täter sind dabei vielschichtig, gibt der Polizeisprecher Auskunft. Die Deckung des Eigenbedarfs könne eine Rolle spielen, aber genauso die Beschaffungskriminalität. Ob es sich bei den Dieseldieben bevorzugt um Einzeltäter handelt oder organisierte Strukturen dahinter stecken, könne man nur schwer abschätzen, so Marscheider. Wahrscheinlich sei, dass beides zutrifft.

Um belastbare Aussagen zu treffen, „muss man aber genügend Täter stellen und die Zusammenhänge klären können“, sagt der Polizeisprecher. Der Täter habhaft zu werden, gestalte sich allerdings sehr schwierig. Nur wenige Taten werden tatsächlich aufgeklärt. Deshalb rät die Polizei, so gut wie möglich präventiv tätig zu werden. „Wachschutz, eigene Mitarbeiter, Verschlusssicherungen der Fahrzeuge, Diebstahlswarnanlagen“, zählt er mögliche Maßnahmen auf, mit denen sich Firmen schützen können.

Darüber hinaus empfiehlt der Hauptkommissar Lichtquellen und Alarmanlagen zu installieren: „Es muss laut werden und sehr hell, damit die Täter im Licht stehen und das Umfeld aufmerksam wird. Das mag bestimmt niemand.“ Einige Firmen haben sich der Problematik angenommen (siehe Infokasten), um es den Dieben schwer zu machen.