Polizeiinspektion Stendal

Kriminaloberkommissarin Judy Richter hilft den Opfern von Straftaten

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, braucht Hilfe und Unterstützung. Einen Beitrag dazu leistet Judy Richter. Sie ist die Opferschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Stendal.

Von Andreas König
Judy Richter kümmert sich als Opferschutzbeauftragte in der Polizeiinspektion Stendal um die Belange der Opfer.
Judy Richter kümmert sich als Opferschutzbeauftragte in der Polizeiinspektion Stendal um die Belange der Opfer. Foto: Andreas König

Stendal - Justiz und Gesellschaft, heißt es oft, kümmern sich mehr um die Täter als um die Opfer. Das mag übertrieben klingen. Judy Richters Anliegen ist es jedenfalls, für die Opfer da zu sein.

Die 43-Jährige ist Opferschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Stendal und damit eine von drei Beamtinnen und einem Beamten, die sich in Sachsen-Anhalt hauptamtlich um die Belange der Opfer kümmern.

„Ich komme ursprünglich von der Kriminalpolizei“, sagt Judy Richter. Daher kennt sie die Ängste, Sorgen und Probleme, mit denen Menschen ausgesetzt sind, gegen die Straftaten verübt worden sind.

Das Spektrum reicht von Eigentumsdelikten wie Diebstahl oder Einbruch über Körperverletzung bis hin zu versuchten oder vollendeten Tötungsverbrechen.

In 150 Fällen geholfen oder Hilfsangebote vermittelt

„Richtig Fahrt aufgenommen hat die Opferbetreuung ab September vergangenen Jahres“, berichtet Judy Richter. In rund 150 Fällen hat sie bisher Betroffenen geholfen oder Hilfe vermittelt.

„Relativ zu Beginn meiner Aufgabenübernahme trug sich im vergangenen Jahr ein schwerer Unfall eines Kleinkindes in Stendal zu. Ich war unmittelbar nach dem Geschehen vor Ort, habe Kontakt zu der betroffenen Familie aufgenommen, sie an entsprechende Hilfsorganisation vermittelt und auch weiteren Kontakt zur Familie gehabt“, sagt Judy Richter.

Ebenfalls tätig wird die Hamburgerin nach dem Raubüberfall auf einen Supermarkt in Stendal. „Die traumatisierten Opfer wurden von mir an eine adäquate Hilfseinrichtung vermittelt, und ich frage heute noch manchmal nach, wie es den Opfern geht“, berichtet die Opferschutzbeauftragte.

„Das System des Opferschutzes ist neu organisiert worden“, sagt Judy Richter. Vier Opferschutzbeauftragte gibt es in den vier Polizeiinspektionen Sachsen-Anhalts. Ihnen unterstellt sind jeweils Opferschutzverantwortliche. Im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Stendal gibt es acht Opferverantwortliche in den Revieren und je einen weiteren beim zentralen Kriminaldienst und dem zentralen Einsatzdienst in Gardelegen.

Betroffene sollen Mut fassen, die Täter anzuzeigen

Nicht erst seit der Pandemie nehmen Fälle häuslicher Gewalt zu. „Wichtig ist jede Form der Zusammenarbeit der Hilfseinrichtungen und Behörden bei sogenannten Hochrisikofällen von häuslicher Gewalt“, erklärt Judy Richter. Gute und vor allem schnelle Zusammenarbeit der Opferschutzbeauftragten mit den jeweiligen Interventionsstellen, anderen Ämtern und den Gerichten sei wesentlich zum Schutz der Opfer und häufig auch deren Kindern. Sie dient nicht zuletzt einer effektive Verurteilung der Täter. Ihr Credo lautet: „Niemand muss Straftaten, egal welcher Art, hinnehmen, rät die Opferschutzbeauftragte. „Schützen Sie sich selbst und ihre Kinder. Haben Sie den Mut und gehen Sie den ersten Schritt. Sobald Sie sich uns oder auch anderen Hilfsorganisationen anvertrauen, nehmen wir Sie an die Hand und führen Sie und Ihre Familie dort gemeinsam durch.“