Stendal l Am Sonntag wurde bis gegen 23.30 Uhr der fulminante Wahlsieg gefeiert, am gestrigen Vormittag und frühen Nachmittag nahm sich Patrick Puhlmann Zeit für Gespräche mit Journalisten – und dann ging es wieder hinein in den Berufsalltag. Denn noch ist der 36-Jährige Teamleiter im stationären Wohnen der Borghardt-Stiftung. Wie lange noch? Das ist eine der Fragen, die er in den nächsten Tagen beantworten möchte.

„Einen nahtlosen Übergang halte ich nicht für sinnvoll. In dieser Woche will ich mir einen Plan machen, wie es weitergeht“, sagt der Storkauer. Meint: Zwischen dem Ende seiner jetzigen Arbeit und dem Amtsantritt im Landratsamt am 19. März kommenden Jahres möchte er eine freie Übergangszeit für sich nutzten. Einerseits, um nach dem engagierten Wahlkampf der vergangenen Monate („Seit März, als der Kommunalwahlkampf begann, war mein Auto immer voller Wahlmaterial“) etwas Zeit zum Luftholen und Krafttanken zu haben, andererseits zur Vorbereitung auf seine Zeit an der Spitze der Kreisverwaltung und als Chef von rund 700 Mitarbeitern. Bis zum Jahresende wird er auf jeden Fall noch in der Borghardt-Stiftung arbeiten, selbst an einem dem Weihnachtsfeiertage übernimmt er einen Dienst.

Gewohntes in Frage stellen

Die Wochen vor dem Amtsantritt möchte er vor allem für Gespräche nutzen. „Denn der Landrat ist nur ein Teil des Puzzles“, sagt Puhlmann, der seit Mai Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag ist. Bis zum Wechsel ins Büro des Landrates wird er sein Mandat behalten. Er möchte in der Vorbereitungszeit mit den anderen Fraktionen und mit Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Dabei wird es um Themen gehen, um neue Impulse und das, was schon gut läuft und weiter so laufen soll, aber auch um die künftige Zusammenarbeit in einem neuen Job, der für den 36-jährigen Sozialdemokraten, der beruflich bisher im Bildungs- und Sozialbereich tätig war, eine ganz neue Herausforderung ist.

Der sieht er mit Freude entgegen. „Ich kann im Kopf gut Ideen zusammenbringen, die scheinbar nicht zusammenpassen“, sagt er und spricht vom Querdenken. Fragen einmal ganz anders beantworten, Lösungen da suchen, wo sie normalerweise nicht gesucht werden, Gewohntes in Frage stellen, „so gehe ich an die Sache ran“.

Seit der Kindheit treuer BVB-Fan

Wenn er jetzt wieder mehr Zeit hat, will Patrick Puhlmann gemeinsam mit seiner Frau Freunde besuchen („Das ist etwas zu kurz gekommen“), bei Spaziergängen entspannen und sich wieder öfter ans Klavier setzen. Als Drittklässler hatte er mit dem Klavierunterricht angefangen – und noch heute ist er seiner Lehrerin dankbar dafür, dass jedes Vierteljahr ein Klassenvorspiel anstand. „Das hat mir die Nervosität genommen, vor Menschen aufzutreten.“ Dabei habe er gelernt, „sich nicht verrückt machen zu lassen und die Souveränität zu behalten“.

Dass er mit seinem Wahlergebnis ordentlich Vorschusslorbeeren bekommen hat, weiß der künftige Landrat. Es sei eine „Stimmung erzeugt“ worden, „die Erwartungen weckt“. Puhlmann: „Die Leute wollen jetzt sehen, dass die Politik im Landkreis anders wird. Mit diesem Anspruch bin ich auch zur Wahl angetreten.“ Wichtig sei es, den Bürgern diese Politik zu erklären – „ein Mittel, das Politik auf allen Ebenen braucht“, so der 36-Jährige, der seit 1995 leidenschaftlicher Fan von Borussia Dortmund ist. Auch wenn er selbst nicht mehr spielt, fasziniert ihn Fußball. „Bei einigen Weltmeisterschaften habe ich es schon geschafft, mir alle Spiele anzuschauen.“