Stendal l Reger Publikumsverkehr im Zentrum der Hansestadt Stendal. Es ist Markttag. Etwas abseits vom großen Trubel vor dem Rathaus, am Eingang der Fußgängerzone, bietet die Volksstimme einen Dialog mit den beiden Landratskanditaten an. Für Carsten Wulfänger (CDU) und Patrick Puhlmann (SPD), der auch von Linke, Grüne und FDP unterstützt wird, fällt am Sonntag, 1. Dezember, zur Stichwahl die Entscheidung.

Der erste, der auf den Stand der Volksstimme zugeht, ist Oberbürgermeister Klaus Schmotz. „Nein, Fragen habe der Christdemokrat nicht, auch nicht an seinen Parteifreund. „Ich will nur mal schauen, wie es so läuft“, sagt das Stadtoberhaupt. Und – es läuft, auch wenn zunächst etwas zögerlich.

Themen wie Gartenfeuer und Wahlskandal dabei

Zu den Passanten, die direkt auf die Kandidaten zugehen, gehört Günter Heine. Er konfrontiert Patrick Puhlmann mit dem Thema Schulschließungen. Als ehemaliger Lehrer habe er in der Vergangenheit mehrfach miterleben müssen, wie Schulen geschlossen wurden, zum Beispiel in Wust und Schönhausen. Heine sagt, er sei skeptisch, dass sich daran etwas ändern werde, und nimmt sich dann die Zeit, den Argumenten des Kandidaten zuzuhören.

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Ingrid Urbanke möchte, dass mehr Schwung in die Kreispolitik komme. „Klar, es ist viel geschaffen worden im Landkreis in den zurückliegenden Jahren. „Doch für die Jugend muss mehr getan werden, sie hängt sonst nur rum“, sagt die Stendalerin. Im schnellen Schritt geht Gerhard Scheel am Stand vorbei. Er winkt ab und sagt kurz und knapp: „Brauche den Dialog nicht mehr, ich weiß, wen ich am Sonntag wähle.“

Das hat Uwe Klug bereits getan. Der Landwirt aus Volgfelde ist gerade im Briefwahllokal im Rathaus gewesen. „Am Sonntag wollen wir zum Weihnachtsmarkt nach Wismar fahren“, begründet er seine vorzeitige Stimmenabgabe, die ihm sehr wichtig sei. „Ich votieren für einen Wechsel an der Spitze des Landkreises“, sagt er und nutzt deshalb auch das Gespräch mit Patrick Puhlmann.

Helga Mewes aus Lindtorf stellt sich als großer Gartenfan vor und möchte von Puhlmann konkret wissen, wie er zum Gartenfeuer steht. Der 36-Jährige plädiert im Sinne des Umweltschutzes für ein Verbot, doch erst, „wenn wir echte Alternativen anbieten können.“ Dazu könnten Straßensammlungen und neue Ablageplätze für Grünschnitt auch auf den Dörfern gehören.

Vom Rückkehrertag bis hin zu Bushaltestellen

Wie die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis vorangetrieben werden kann, das interessiert Hans-Hermann Oesterfeld im Gespräch mit Carsten Wulfänger. Ebenso, wie der amtierende Landrat es anstellen wolle, dass die jungen Leute hier bleiben beziehungsweise zurückkehren. Der Stendaler selbst habe zwei Kinder, die fern der Heimat „leben, arbeiten und gut verdienen“. Wulfänger argumentiert mit Rückkehrertag und den Anstrengungen in der Wirtschaftsförderung.

Karin Stuyvesant aus Stendal konfrontiert den Landrat mit der knappen Wahl von vor sieben Jahren. „Was wissen Sie, was da passiert ist“, sagt die ehemalige Mitarbeiterin der Kreisverwaltung. Sie selbst sei bereits vor Jahren von der Polizei vorgeladen worden und man habe ihr einen Wahlschein mit einer gefälschten Unterschrift vorgelegt. „Ich habe auch keine Informationen. Es ist sehr unbefriedigend, dass die Staatsanwaltschaft das noch nicht abgeschlossen hat“, sagt Wulfänger.

Sich einen Eindruck verschaffen möchten sich Hannelore und Viktor Fanenbruck aus Bellingen von dem Kandidaten Puhlmann, den ihre Enkelkinder ihnen empfohlen habe. Es sei gut, dass sich die junge Generation für Politik interessiere. Für sie sei es ja gerade wichtig, dass die Kreispolitik in gute Hände kommt. Nach der Unterhaltung mit „ihrem Kandidaten“ ihr Fazit: „Wir haben einen guten Eindruck gewonnen.“

Zufrieden, wie er sagt, beendet Horst Müller das Gespräch mit Puhlmann. Er wolle sich für eine Veränderung im öffentlichen Personennahverkehr einsetzen. „Denn was bisher im Linienbusverkehr und bei Rufbussen geboten wird, ist eine Katastrophe“, schimpft der Stendaler und schlägt vor: „Am Altmark-Forum in der Hansestadt muss eine Haltestelle hin.“ Puhlmann notiert sich den Hinweis, zumal der ÖPNV auf seiner Argenda stehe.

Bevor sich Horst Stasch wie jeden Mittwoch mit Freunden in einem Kaffeehaus in Stendal trifft, nutzt der Tangermünder die Gelegenheit zum Dialog. Er ist der Meinung, nur schimpfen auf die AfD reiche in einer Auseinandersetzung mit einem politischen Gegner nicht und bringe „uns auch nicht weiter“. Dem weiteren Wortwechsel mit den Kandidaten folgte die Zusicherung: „Am Sonntag gehe ich wählen!“