Stendal l Der Fliegerhorst Faßberg in Niedersachsen war vor sieben Jahrzehnten einer der Hauptstandorte, von denen aus über die Luftbrücke Kohle nach Westberlin geflogen wurde. Die Strecke war kurz – mehr Kohle konnte transportiert werden, es wurde weniger Treibstoff für die Flugzeuge benötigt als bei Langstrecken.

Der noch heute bestehende Standort Faßberg wird darum einer der zentralen Orte sein, an denen mit Veranstaltungen an die Berliner Luftbrücke erinnert wird. Und es wird der Ort sein, von dem aus am 15. Juni viele historische Flugzeuge, die sogenannten Rosinenbomber, in Richtung Berlin starten. Auf ihrem Flug wollen sie Stendal passieren. Derzeit ist geplant, dass die Flug-Oldtimer in einer Formation über den Borsteler Flugplatz fliegen – im Tiefflug über die Landebahn und im Abstand von jeweils einer Minute. „Das gibt dann ein Bild, wie es damals bei der Luftbrücke war“, sagte Jörg Siebert, einer der Initiatoren und Vorstandsmitglieder des in Hamburg ansässigen „Fördervereins Luftbrücke Berlin 70“, der die Jubiläumsveranstaltungen organisiert.

Rund 40 historischen Flugzeugen

Für Jörg Siebert, aber auch den Vereinsvorsitzenden Thomas Keller ist Stendal kein unbekanntes Terrain. Beide waren schon mehrfach in der Altmark, nahmen an Rundkappen-Fallschirmspringer-Treffen auf dem Stendaler Flugplatz und an Veranstaltungen zum Volkstrauertag teil. Darum waren sie sehr interessiert, als der Stendaler Aero-Club und die Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel den Wunsch äußerten, ins Jubiläumsprogramm einbezogen zu werden. „Solche Ideen finden bei uns immer Gehör, wir sehen uns als Plattform dafür“, sagte Siebert.

Der Flug der Rosinenbomber von Faßberg nach Berlin am 15. Juni fällt auf den Rolandfest-Sonnabend. „Das passt sehr gut und ist ein zusätzlicher Programmpunkt“, freut sich Matthias Jahn, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft. „So eine Aktion ist doch eine tolle Werbung für Stendal, die ist einmalig und kommt nicht wieder“, fügt Aero-Club-Mitglied Michael Trösken hinzu.

Bereits am Tag zuvor, am 14. Juni, sollen ein oder zwei DC 3 und eventuell eine JU 52 in Stendal landen. Denn die Organisatoren möchten mit ihren Veranstaltungen eine „Luftbrücke zum Anfassen“ bieten.

Für den 15. Juni werden nach jetzigem Stand rund 40 Flugzeuge erwartet, die im Verband von Faßberg nach Berlin fliegen, darunter rund 20 aus den USA sowie je zwei aus Südafrika und Russland. Insgesamt werden Rosinenbomber aus 14 Ländern erwartet. Ziel soll der Flugplatz Schönhagen vor den Toren Berlins sein. Zum Jubiläumsprogramm gehören aber auch Flüge, die in der Normandie beginnen und über Wiesbaden führen. Am 15. Juni gibt es auf dem Fliegerhorst Faßberg einen Tag der Bundeswehr unter dem Motto „Die Rückkehr der Rosinenbomber“, bei dem unter anderem humanitäre Transporte thematisiert werden. In Schönhagen wird es ein Programm geben, zu dem zirka 1000 Kinder aus Berlin erwartet werden.

Der Förderverein „Luftbrücke Berlin 70“ möchte mit seinen Veranstaltungen und Jugendprojekten „neben der Erinnerung an die großartigen Leistungen der Luftbrücke vor allem ein Zeichen für Völkerverständigung setzen“, sagte Thomas Keller. Die Erinnerungsveranstaltungen finden vom 10. bis 18. Juni 2018 statt.