Stendal/Demker l Fast eineinhalb Stunden präsentierte Friedrich Mülln von Soko Tierschutz am Dienstagvormittag Bilder und Filmaufnahmen aus einem Milchviehbetrieb. Nachdem sich die Geven-Rabelink GbR gegen Müllns Vorwürfe gewehrt und behauptet hatte, die Aufnahmen würden größtenteils nicht von ihrem Gelände stammen, bekamen die anwesenden Medienvertreter ungeschnittene Filmaufnahmen zu sehen, die mit der Ortung durch ein GPS-Handy beginnen und dann die Markierung an genau der Stelle zeigen, wo der Demkeraner Betrieb ist. Mit Tageszeitungen, die in die Kamera gehalten werden, wird das Aufnahmedatum dokumentiert. Die ersten Aufnahmen sind demnach am 25. März entstanden. Am 15. März hatte der Verein erstmals Informationen über Missstände in dem Betrieb erhalten. Seinen Informanten behielt Mülln für sich, sagte aber, dass es jemand aus dem engeren Umfeld des Betriebes gewesen sei.

Gezeigt werden Kadaver, die zwischen den lebenden Kühen liegen, freistehende Rohre, die eine Verletzungsgefahr darstellen, Skelette auf dem Hofgelände und Mitarbeiter, die störrische Kühe mit einem Messer traktieren. Die Aufnahmen gehen bis in den April hinein.

Erster Anruf am 3. April

Am 3. April hat sich Mülln erstmals beim Veterinäramt gemeldet und darüber informiert, was er in den Stallungen entdeckt hatte. Er verlas bei der Pressekonferenz sein Gedächtnisprotokoll, das belegt, dass er eine sehr detaillierte Beschreibung des Betriebes und auch der Fundorte abgegeben hatte. Allerdings passierte in den folgenden Tagen zunächst nichts. „Das ist die Taktik des Landkreises, der davon ausgegangen ist, dass er das Thema aussitzen kann und so weitermachen könne wie immer“, behauptete der Tierschützer. Er hatte sich bei seinem ersten Anruf als Spaziergänger mit Hund ausgegeben.

Bei einem weiteren Anruf am 5. April gab er zunächst seine Telefonnummer preis. Nachdem bis dahin immer noch keine Kontrolle erfolgt war, meldete er sich am 9. April um 8 Uhr morgens erneut beim Veterinäramt. „Auf meine Frage, ob denn der Betrieb mittlerweile kontrolliert worden sei, wurde mir das bejaht“, schilderte er. Auf die Nachfrage, warum dies so lange gedauert habe, sei ihm gesagt worden, dass das Amt so wenige Mitarbeiter habe, außerdem erst herausgefunden werden musste, um welchen Betrieb es sich handelte.

Kontrolle schon vor 8 Uhr morgens

Laut einer Pressemitteilung des Landkreises Stendal vom 9. Mai wurde nach dem ersten anonymen Anruf folgendermaßen reagiert: „Daraufhin wurden im Veterinäramt sämtliche verfügbaren Dokumente über den Betrieb zusammengestellt, weitere Informationen eingeholt und es wurde eine außerplanmäßige, unangekündigte Kontrolle vorbereitet. Diese fand am 9. April statt. Bei dieser Prüfung waren keine Anzeichen zu erkennen, die die vorgebrachten Anschuldigungen belegen konnten.“

Bei der Pressekonferenz sprach Mülln von verlorener Zeit und bezweifelte, dass die Kontrolle tatsächlich am 9. Mai stattgefunden hatte. „Dass eine Behörde schon vor acht Uhr aktiv ist, erscheint mir löblich, aber auch unwahrscheinlich“, meinte er. So will Soko Tierschutz nicht nur den Betreiber des Demkeraner Hofes, sondern auch das Veterinäramt zur Verantwortung ziehen und hat Anzeige erstattet. „Der Landwirt hat eine Menge Mist gemacht, aber das größere Versagen liegt beim Veterinäramt“, fasste er zusammen.

Laut Staatsanwaltschaft sind die beiden Anzeigen des Tierschutzvereins die einzigen dort vorliegenden Verfahren. Weder die GbR noch der Landkreis haben rechtliche Schritte eingeleitet.