Stendal l „Unwiderlegbares Beweismaterial“ hat der Verein Soko Tierschutz für eine Pressekonferenz am Dienstag zu den Zuständen in der Milchviehanlage der Geven-Rabelink GbR angekündigt. Nach den Vorwürfen des Demkeraner Betriebes, bei den Bild- und Filmaufnahmen handele es sich um manipuliertes Material, hat sich Friedrich Mülln an die Volksstimme gewandt. „Wir haben Material, das keine Widerspruchsmöglichkeit offenlässt“, sagte er. Seit über 20 Jahren gehöre er zu dem wohl spezialisiertesten Team in Deutschland, vielleicht sogar in Europa. Weit über 100 Aufdeckungen gingen auf das Konto des Vereins, noch nie sei ein Gerichtsprozess verlorengegangen.

Und das liege eben auch daran, dass das Material sauber recherchiert sei. Es gebe keine Manipulationen. „Wenn ich so arbeiten würde, stünde ich immer mit einem Bein im Gefängnis, das lehne ich ab“, betonte er. Wenn er geahnt hätte, dass sowohl Veterinäramt als auch Betrieb die Vorgänge absolut abstreiten, hätte er gleich noch mehr Material zur Verfügung gestellt.

Auf der anderen Seite würden aber auch die Wenigsten rechtliche Schritte gegen Soko Tierschutz ergreifen. „Die wissen nämlich ganz genau, was passiert“, meinte Mülln. Es würde teuer, peinlich und am Ende verliere die Gegenseite. Außerdem seien die Kühe auch durch ihre Ohrmarken zu identifizieren.

Bilder

Der Vereinsgründer hat aber nicht nur den Betrieb, sondern auch den Landkreis Stendal im Visier. Mülln spricht von „Behördenversagen“, zweifelt an, dass die Kontrolle am 4. April nach einem Hinweis seines Vereins überhaupt stattgefunden hat. „Jedenfalls muss man sich fragen, was denn untersucht wurde, wenn die Kontrolle stattgefunden hat und warum nichts gefunden wurde“, fasst er zusammen. Er habe der Veterinärin detailliert erklärt, wo die Kadaver zu finden seien.

Landkreis wehrt sich gegen Korruptionsvorwurf

Eine weitere Kontrolle hatte am 9. Mai stattgefunden. Im Anschluss daran lud der Landkreis zu einer Pressekonferenz ein, um zu den Vorwürfen des Vereins Stellung zu nehmen. Der Zweite Beigeordnete des Landrates, Sebastian Stoll, sagte, dass die Geven-Rabelink GbR kein Vorzeigebetrieb im Landkreis sei, es allerdings aus tierschutzrechtlicher Sicht keinerlei Gründe zur Beanstandung gebe. Die Kontrolle im Mai nennt Mülln „unsinnig“, schließlich seien die Besitzer vorgewarnt gewesen, hätten genügend Zeit gehabt aufzuräumen. Wir denken, das Landratsamt Stendal hat unseren Wanderpreis, den Blinden Maulwurf für Filz und Faulheit verdient. Kadaverfarm schließen, Tierhalteverbot und bitte Kontrolleure, die Augen im Kopf haben“, heißt es auf der Internetseite von Soko Tierschutz.

Der Landkreis Stendal wehrt sich gegen den Vorwurf von Vernachlässigung oder gar Korruption. „Die veranlassten Überprüfungen wurden fachgerecht durchgeführt. Angaben, die durch den Landkreis Stendal diesbezüglich veröffentlicht wurden, entsprechen der Wahrheit“, heißt auf eine entsprechende Anfrage der Volksstimme. Von gegenteiligen Behauptungen grenze sich der Landkreis Stendal klar ab.

Verschiedene Verstöße aktenkundig

Durchaus seien in den vergangenen Jahren Verstöße registriert worden, etwa unterlassene Hinzuziehung eines Tierarztes. nicht tierärztlich überwachte Enthornung von adulten Rindern, verbesserungswürdige Klauengesundheit sowie Meldefehler in der HIT-Datenbank. Das ist ein Herkunftssicherungs- und Informationssystem für die Tierhaltung.

Erste wirtschaftliche Konsequenzen haben die Vorwürfe der Tierschützer gegen den Betrieb bereits gehabt. Die Milchwerke Mittelelbe haben die Lieferbeziehung ausgesetzt, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, behält sich das Unternehmen neben einer umgehenden Kündigung weiterführende rechtliche Schritte vor.

Ortsbürgermeisterin Petra Fischer mochte sich gegenüber der Volksstimme zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern. Sie habe keine Kenntnis von den Abläufen in der Anlage. Allerdings habe der Betrieb in der kleinen Gemeinde durchaus nicht nur Freunde. „Es gibt viele, die sich über den Güllegestank beschweren, da müsste ein bisschen mehr Rücksicht herrschen“, sagte sie. Rechtlich sei das sicherlich alles in Ordnung, aber es gehe um das Miteinander.