Stendal l Uwe Bedau, Technischer Geschäftsführer der Milchwerke Mittelelbe, spricht nicht so gern darüber, welche Produkte in seinem Haus produziert werden. Kein Geheimnis ist mittlerweile allerdings mehr, dass in Stendal zahlreiche Getränke für den britischen Markt hergestellt werden. Zu den Produkten gehören Sports Mars Milk, Starburst Strawberry Drink, Bounty Drink und Snickers Shake. So liegt die Frage nahe, ob das Stendaler Unternehmen mit Bangen dem Brexit entgegensieht.

„Der Brexit wird uns betreffen“, sagte Guy Kientz, Kaufmännischer Geschäftsführer, im Gespräch mit der Volksstimme. Wenn er komme, werde Großbritannien zu einem Drittland. „Und diese Komplexität kennen wir schon“, ist von Bange bei den Milchwerken nichts zu spüren. Immerhin gehören Abnehmer nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika, dem Nahen Osten, Asien sowie Australien und Neuseeland zu den Geschäftspartnern.

Lagerbestände aufgefüllt

Die Übergangszeit müsse überwunden werden und dafür sind bereits Vorkehrungen getroffen worden. „Wir haben mit den Partnern im Vereinigten Königreich beschlossen, dass sie ihre Lagerbestände auffüllen“, sagte Bedau. So wolle man eine Pufferzone schaffen, bis alle Rahmenbedingungen geklärt sind. Auf der anderen Seite bedeutet dies auch, dass im kommenden Monat begonnen wird, die Produktion herunterzufahren. „Kurzfristig lässt sich das kompensieren, wenn es sich allerdings über Monate erstreckt, wird es schwierig“, sagte er.

Für Drittländer gelten auch andere veterinärmedizinische Bestimmungen. Auch darüber hat es bereits Gespräche gegeben. „Der Landkreis hat signalisiert, dass er personell aufstocken wird, um im Veterinäramt darauf vorbereitet zu sein“, sagte Bedau. Immerhin würden dann Zertifikate notwendig, die in der EU nicht gebraucht werden.

18 Außenlager wurden zentralisiert

Aller möglichen Schwierigkeiten zum Trotz steht für die beiden Geschäftsführer allerdings auch fest, dass der Brexit nicht das Ende der Geschäftsbeziehungen mit den britischen Partnern bedeuten wird. Immerhin macht dieses Geschäftsfeld auch etwa zehn Prozent des Umsatzes der Milchwerke aus.

Das Unternehmen setzt ohnehin auf Erweiterung, nicht auf Reduzierung. Jüngst wurde das Nachbargrundstück von Zeitfracht erworben. Noch steht nicht genau fest, was dort geschehen soll, aber der günstige Moment wurde genutzt, nachdem der dortige Standort des Spediteurs und Logistikers geschlossen wurde.

Neue Märkte erschlossen

Anfang 2017 ist an der Heerener Straße ein neues Lager gebaut worden. Das hat allerdings weniger mit Expansion denn mit Zentralisierung und Modernisierung zu tun. „Wir hatten zuvor 18 Außenlager, die allesamt mit Personal und Technik besetzt werden mussten“, erklärte Bedau. An der neuen Lagerstätte ist es das Ziel, bis Ende dieses, Anfang kommenden Jahres vollautomatisch mit autonomen Staplern und Transportern unterwegs zu sein.

Die Milchwerke stehen auf vier Standbeinen: Getränke, Babynahrung, Kaffeeweißer/Streusüße und Milchverarbeitung für Großkunden. „Am stärksten wächst der Sektor Babynahrung“, sagte Kientz. Das habe mehrere Gründe. Zum einen seien durch eine gestiegene Kaufkraft neue Märkte wie beispielsweise China hinzugekommen, zum anderen werde offenbar weniger gestillt.

Qualität fängt beim Rohstoff an

Gerade Babynahrung unterliegt strengen hygienischen Vorschriften, die bei den Milchwerken aber ohnehin gelten. „Wir arbeiten hier praktisch unter Pharmabedingungen“, zog Bedau einen Vergleich. das mache eben die Qualität aus, die von den namhaften Großkunden geschätzt werde.

Und Qualität fängt für die Milchwerke schon beim Rohstoff an. Milch von regionalen Landwirten werde anders selektiert, sei mikrobiologisch anders beschaffen, als wenn man quer durchs Land einkaufe. Als der Demkeraner Milchviehbetrieb im vergangenen Jahr wegen des Verdachts auf Tierquälerei in die Negativschlagzeilen geraten war, wurde der Vertrag sofort gekündigt. „Animal welfare“ heißt das moderne Motto, unter dem gearbeitet wird, man könnte es mit „Tierschutz“ übersetzen. Weiter geht es mit hoher Sorgfalt in der Produktion, die übersetzt „High Care“ heißt.