In Uchtdorf soll Photovoltaik-Anlage entstehen

Mit "Gassi-Runden" ist bald Schluss

Von Rudi-Michael Wienecke

Im Norden Uchtdorfs, auf dem Gelände der ehemaligen Sandkuhle, soll eine Photovoltaik-Anlage entstehen. Während die Stadträte die entsprechenden Unterlagen bereits auf dem Tisch hatten, tappen die Uchtdorfer Ortschaftsräte noch im Dunkeln.

Uchtdorf l Vor etlichen Jahrzehnten wurde am nördlichen Ortsrand von Uchtdorf Quarzsand abgebaut. Anschließend wurde begonnen, die Grube mit Altsanden aus der Gießerei wieder zu verfüllen. Teilweise wurde sie auch als Hausmüllkippe genutzt. In den zurückliegenden Jahren eroberte sich die Natur zurück, was ihr einst genommen wurde. Bäume siedelten sich an, ein Biotop entstand und Wildtiere entdeckten das Areal für sich als Lebensraum.

Nun soll dort auf rund zehn Hektar eine Photovoltaik-Anlage entstehen. Nach dem derzeitigen Stand der Planung sind maximal 19 562 Module vorgesehen, die in 48 Reihen Strom erzeugen sollen. Scheint die Sonne intensiv, ist die Produktion von vier bis fünf Megawatt Strom möglich.

Während der jüngsten Bauausschusssitzung stellte der Planer Horst Gädke vom Institut für Umweltüberwachung Stendal den Stand der Planungen vor. Bereits im September 2013 wurde die Aufstellung des vorzeitigen vorhabenbezogenen Bebauungsplanes vom Stadtrat beschlossen. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit lag der Vorentwurf bereits aus. Samt Umweltbericht soll er nun am 8. Juli vom Stadtrat beschlossen werden. Mit einer Enthaltung gab der Bauausschuss grünes Licht.

Ortschaftsräte tappen im Dunkeln

Betrieben werden soll die Anlage durch eine Firma, die in Tangerhütte ihren Sitz haben wird. So komme die Kommune in den Genuss von Steuereinnahmen, warb Gädke für das Projekt. Außerdem müsse sich die Einheitsgemeinde, überwiegend Eigentümer der Fläche, keine Sorgen mehr um eventuelle Rückstände im Boden machen. Schließlich seien Teile der Kippe nicht ordnungsgemäß abgedeckt. Auch eine Konkurrenz zur Landwirtschaft sei nicht gegeben. Das Areal sei über lange Zeit ackerbaulich nicht nutzbar. Der Standort wäre also ideal.

Nach der Zeit des Baubeginns befragt, hielt sich Gädke bedeckt. Erst einmal müsse Planungssicherheit geschaffen werden, dann komme es darauf an, wie schnell die behördlichen Mühlen mahlen.

Während die Bauausschussmitglieder die Planungsunterlagen bereits in der Hand halten, tappen die Uchtdorfer Ortschaftsräte bezüglich des Projektes vor ihrer Haustür noch im Dunkeln, kritisierte Wolfgang März. Denn vor Ort werde das Projekt erst am 30. Juni vorgestellt. Der Ortschaftsrat hätte aber vor der Bauausschuss-Sitzung in Kenntnis gesetzt werden müssen. Bürgermeister Andreas Brohm setzte dagegen, dass es nicht in der Hoheit der Verwaltung liege, den Ortschaftsrat einzuberufen. Dies müsse der Ortsbürgermeister tun und dieser habe die Unterlagen auf dem Tisch.

Laut den Planungsunterlagen soll das Biotop erhalten werden und weitere Naturelemente sind geplant, um das Gelände ökologisch aufzuwerten. Der Genuss dieser Flora und Fauna würde den Uchtdorfern aber vorenthalten bleiben. Fakt ist nämlich, dass eine Photovoltaik-Anlage vor den Toren Uchtdorfs Einschnitte, nicht nur für die unmittelbaren Anlieger, mit sich bringen wird. Viele nutzen das Areal mit seinem Wildbewuchs für Spaziergänge. Damit wäre dann Schluss, denn die Module müssen durch einen zwei Meter hohen Zaun gesichert werden. Schlupflöcher sind nur für Kleintiere vorgesehen.

Im Süden des Areals befindet sich ein Radweg, der laut derzeitiger Planung touristisch nicht relevant sei und ebenfalls eingezäunt werden soll. Wörtlich steht in den Unterlagen: "Er dient den Einwohnern als Abkürzung und hat bis auf die typischen Gassi-Runden von Hundebesitzern keine Bedeutung für die Naherholung."