Der Museums-Ausbau

Das Museum eröffnete 1955 an der Stelle des Geburtshauses von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) in der Winckelmannstraße 36. Seit 2000 ist die 1940 gegründete Winckelmann-Gesellschaft Träger des Museums. Die Stadt ist Eigentümerin des Hauptgebäudes.

Für den Um- und Anbau des Museums sollten ursprünglich 2,3 Millionen Euro investiert werden, die vom Bund, vom Land und der Stadt aufgebracht werden. Der städtische Anteil lag bei zehn Prozent. Im September beschloss der Stadtrat, weitere 478 000 Euro Mehrkosten zu übernehmen.

Für die Neukonzeption der Ausstellung wird rund eine Million Euro investiert. Ein Betrag von rund 70 000 Euro soll aus Eigenmitteln der Gesellschaft erbracht werden. (bb)

Stendal l Die neue Winckelmann-Ausstellung soll spektakulär beginnen, das verspricht Max Kunze, der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft. Besucher werden künftig beim Rundgang als erstes mit der Ermordung Johann Joachim Winckelmanns konfrontiert werden. Dieser war am 8. Juni 1768 im italienischen Triest in einem Hotel von seinem Zimmernachbarn im Alter von 50 Jahren erstochen worden.

„Die neue Ausstellung wird sich noch mehr an der Biografie Winckelmanns orientieren und weniger am Werk“, sagt Kunze. In den vergangenen 50 Jahren sei das Museum immer weiter gewachsen, es habe sich zuletzt aus vier Häusern zusammengesetzt. Zuletzt war 2006 das Kinder- und Erlebnismuseum hinzugekommen. „Das war eine sehr gute Ergänzung, die das Museum für sehr viel mehr Besucher geöffnet hat“, sagt Kunze. Mit der Neukonzeption soll die Besucherzahl von derzeit 13.000 jährlich auf 20.000 gesteigert werden.

Multimedia ist für Kinder tabu

In der neuen Ausstellung, die etwa um ein Drittel größer sein wird als die bisherige, wird nun alles sinnvoll koordiniert, wie Kunze sagt. Diese Neuzusammenstellung sei dabei wesentlich entscheidender als die Vergrößerung. Gleichwohl wird es auch eine Reihe neuer Exponate geben. „Es wurden einige Objekte hinzu gekauft“, sagt Kunze. Auch im Depot lagert einiges, das aus Platzgründen gar nicht präsentiert werden konnte, zumal immer auch Platz für Sonderausstellungen benötigt wird.

Bilder

Eine weitere Leitidee für das Museum ist, dass multimediale Elemente nur sehr dosiert eingesetzt werden sollen. „Im neuen Familienmuseum sind sie sogar tabu“, sagt Kunze. „Die Stärke eines Museums besteht in den Objekten, die müssen wir spannend präsentieren“, sagt der 73-jährige Winckelmann-Experte, der seit 1990 die Winckelmann-Gesellschaft als Präsident leitet. „Jedes bewegte Bild lenkt ab“, sagt er. Wenn es nur noch um multimediale Elemente gehe, könne man auch „einpacken und auf Messen gehen“.

In sparsamer Dosierung solle jedoch auch Multimedia eingesetzt werden, so wird es im Zusammenhang mit dem Familienmuseum einen ausgelagerten Multimediasaal geben.

Außerdem sollen möglichst fünf interaktive Stationen aufgestellt werden, deren Inhalte von der Hochschule mitentwickelt wurden. Haken dabei ist, dass die Finanzierung nicht steht. Jedes der fünf Elemente kostet rund 40.000 Euro.

Bauarbeiten sind stark im Verzug

Als vor drei Jahren das Konzept für die neue Ausstellung den Fördermittelgebern vorgelegt worden ist, da habe es die Idee von der Hochschule noch nicht geben, sagt Kunze. Man wolle mit Hilfe von Sponsoren versuchen, die erforderlichen Mittel aufzubringen. „Wir werden im Museum erst einmal zwei Plätze für Multimedia-Stationen freihalten“, sagt Kunze. Bund und Land hatten rund eine Million Euro für die Neukonzeption der Dauerausstellung locker gemacht.

Unterdessen scheint der Zeitplan für den Um- und Erweiterungsbau mächtig ins Wanken geraten zu sein. Dass am avisierten Eröffnungstag, dem 26. Mai 2018, alles fertig ist, dafür möchte Kunze seine „Hand nicht ins Feuer legen“.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wollte beim Festakt zum 300. Geburtstag Winckelmanns bereits „kräftig die Daumen drücken, dass die Baufirmen ihre Ziele erreichen und der Winter nicht so heftig wird“. Das Land zahlt einen großen Batzen der Kosten. Auch Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) weiß vom Verzug der Bauarbeiten: „Es ist derzeit nicht einfach, Firmen zu bekommen.“ Aufgrund des Baubooms sind deren Auftragsbücher voll. Gleichzeitig treibt die Situation die Preise in die Höhe. Die Stadt Stendal ist als Eigentümer des Museums Auftraggeber für die Gewerke.

Am Eröffnungstermin soll festgehalten werden, zumal – wie schon zum 300. Geburtstag – dieser mit vielen Gästen gefeiert werden soll.