Stendal l Mit einem Klischee möchte Benjamin Ulrich aufräumen. Jazz sei eigentlich keine elitäre Musik, betont er. „Im Gegenteil, in seinen Ursprüngen in den Vereinigten Staaten war auch der Jazz Musik der einfachen Leute. Immerhin stammt er vom Blues ab.“

Der studierte Schlagzeuger muss es wissen. Seit seinem Teenager-Alter ist der 38-Jährige begeisterter Jazzer, spielte bereits als Schüler in mehreren Ensembles. Seit acht Jahren leitet er die Big Band der Stendaler Musikschule. Obgleich ist ihm bewusst, dass der Ruf als Musik für betont Bildungsbeflissene und Intellektuelle nicht ganz unberechtigt ist. „Etwas verkopft kommt Jazz besonders in Europa schon rüber“, gibt der gebürtige Berliner zu. In Amerika bestehe da ein etwas entspannterer Ansatz.

Was damit zu tun haben könnte, dass es sich um eine etwas komplexere Musikrichtung handelt. Sie verlangt den Musikern einiges ab. Nicht nur bezogen auf die rein handwerklichen Fähigkeiten, sondern auch die Anforderungen im Zusammenspiel. „Jazz entsteht ja eigentlich live auf der Bühne, wenn zwischen den verschiedenen Protagonisten etwas passiert“, erklärt Benjamin Ulrich.

Filigran mit seinem Instrument umzugehen und Noten perfekt lesen zu können, reiche nicht unbedingt aus. Die Fähigkeit, zu improvisieren, müsse man als Jazz-Musiker beherrschen. Umso mehr in einem kleinen Ensemble. „Im Falle der Big Band sind die Regeln etwas strenger. Da bleibt in dieser Hinsicht weniger Raum. Es ist Jazz mit einem höheren Anteil an festen Strukturen“, beschreibt Benjamin Ulrich den Unterschied zwischen den Formationen. Eine Big Band gleiche da eher einem Orchester, da vor allem „die Bläser viel festgelegter sind“.

Obwohl auch bei kleinerer Band-Größe mehr Regeln gelten, als man als Laie gemeinhin annehmen möchte. Was dem unbedarften Hörer eventuell als etwas chaotisch erscheint, folgt trotzdem einem gewissen Schema. Jedenfalls mache keinesfalls jeder Musiker einfach nur das, was er will, betont der Stendaler Big Band-Chef: „Ich vergleiche das gerne mit einem Bienenstock oder einem Ameisenhaufen. Von außen betrachtet, sieht es sicher unübersichtlich aus, folgt allerdings einer Logik.“

Trotzdem biete das Genre bei allen Vorgaben immer noch unglaublich viel Freiheit. Für Benjamin Ulrich der Hauptgrund, weshalb er als Jugendlicher dem Jazz verfallen ist. Er sagt dazu: „Dieser freie Ansatz übt schon eine sehr große Faszination aus. Dazu mag ich einfach den Sound mit seinem ganz eigenen Charakter. Beim Jazz hat auch das Schlagzeug seinen ganz eigenen Klang.“

Die Hansestadt sieht er in Sachen Jazz gut aufgestellt. Im Verhältnis zur Größe der Stadt tummelten sich in Stendal viele gute Musiker. Die Band sei natürlich der größte Anlaufpunkt. 25 Mitglieder hat sie. Große Probleme, alle Instrumente zu besetzen, gebe es nicht. Ein Monopolist ist die Band aber keineswegs. „Ich denke, dass es hier einige gute Bands gibt. Sie spielen auf hohem Niveau. Sowohl im Laienbereich als auch bei den Profis“, stellt Benjamin Ulrich fest.

In diesem Zusammenhang lobt er die Zusammenarbeit zwischen Musikschule und Theater der Altmark. Bei den Premierenfeiern wird den Gästen nämlich regelmäßig hochwertiger Jazz präsentiert.