Stendal l Der Flugplatz Borstel sah am Sonnabend aus wie ein großer Parkplatz für Flugzeuge des Typs C 42. Fein säuberlich wie an einer Perlenschnur aufgereiht, standen dort die Ultraleichtflugzeuge. Aus allen Himmelsrichtungen waren Teilnehmer des vom Aero-Clubs veranstalteten Treffens in den Stendaler Ortsteil geflogen. Einer von ihnen war der sich selbst als Wiederholungstäter bezeichnende Wiederholungstäter Otto Lorentz aus dem nordrhein-westfälischen Erkelenz nahe der niederländischen Grenze. Zwei Stunden und 40 Minuten brauchte er für die 455 Kilometer lange Distanz. „Das ist eigentlich das einzige Treffen, das ich im Jahr anfliege“, sagte er. Besonders daran findet er, dass es eben alles Gleichgesinnte mit denselben Maschinen sind, die in Borstel zusammenkommen.

Bewährt als ein gutmütiges Schulflugzeug

„Wir haben diesen Typ gewählt, weil es ein gutmütiges Schulflugzeug ist“, sagte Aero-Club-Chef Sieghard Geyhler, der mit der Sonne um die Wette strahlte. Das sei auch genau richtig für die rund 30 Charterer, die als Clubmitglieder das Flugzeug mieten können. „Jeder ist anders, jeder fliegt dadurch auch anders, da ist ein Flugzeug, das nicht zu kompliziert ist, genau richtig“, sagte er. Seit 15 Jahren ist der Club Besitzer einer Maschine dieses Typs, nun ist sie verkauft worden. Käufer sind Stefan und Andreas Plath aus Tangeln. Vater und Sohn erwarben im vergangenen Jahr die Fluglizenz in Borstel und sollten noch eine wichtige Rolle an dem Nachmittag spielen.

Im Mittelpunkt stand aber zunächst die neue C 42 des Aero-Clubs, die von Jörg Hannemann eingeflogen wurde. Er ist Chefentwickler und Testpilot („Das ist bei weitem mehr Papierkram als Abenteuer“) des Herstellers Comco Ikarus und hatte so eine Menge über das Fluggerät zu erzählen. „Sie ist nicht der Ferrari der Flugzeuge, eher der Golf, aber das ist wohl auch das Erfolgsgeheimnis“, sagte er. Mehr als 1500 Maschinen dieses Typs seien weltweit über den Wolken unterwegs. Neben Deutschland sind die Vereinigten Staaten, Kanada, China und vor allem Großbritannien Absatzmärkte des baden-württembergischen Unternehmens. „Wir produzieren 60 bis 80 Flugzeuge pro Jahr“, sagte er stolz. Mit der Autoproduktion sei das natürlich nicht zu vergleichen, aber von Motorflugzeugen liefen jährlich nicht einmal acht Stück vom Band.

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Er hatte auch viel Lob für den Stendaler Club übrig. „Es ist toll, dass die Stendaler die Initiative für so ein Treffen ergriffen haben und es mit so viel Engagement ausfüllen“, lobte er. Und Lob gab es auch vom Präsidenten des Landes-Luftsportverbandes, Henning Schulte. „Der Club und die Flugplatzgesellschaft haben die solideste und beste Entwicklung in Sachsen-Anhalt genommen“, ließ er Geyhler und Gesellschafts-Geschäftsführer Matthias Jahn wiederum strahlen. Immerhin war Borstel schon zweimal Austragungsort für niederländische Segelflug-Meisterschaften, viermal wurden deutsche Qualifikationsflüge dort veranstaltet und im vergangenen Jahr fand dort sogar die Deutsche Meisterschaft im Segelflug statt. Für 2017 sind die Borsteler noch im Rennen, die Entscheidung fällt in dieser Woche.

Sekt schwebte am Fallschirm ein

Dann aber ging der Blick von Geyhler, Jahn, Schulte, Hannemann und den vielen Gästen gen Himmel. Andreas Plath schwebte an einem Fallschirm Richtung Borstel. An seinem Bein klebte der Sekt für die Taufe der neuen Errungenschaft des Aero-Clubs. Er landete sicher, und mit sicherer Hand öffnete Geyhler die Flasche und taufte die C 42, die nun nicht nur für den Aero-Club, sondern auch die Hansestadt Werbung fliegen wird. Stadtwappen und Kennung SDL tragen die Altmark nun auf die Landebahnen der Welt.