Die Leitstelle

2013 legten die Landkreise Stendal und Salzwedel ihre Leitstellen, die sich in Stendal und Klötze befanden, in Stendal in der Wendstraße zusammen. Es wurden 2,6 Millionen Euro für den Ausbau investiert.

Die jährlichen Betriebskosten betragen 1,5 Millionen Euro. Pro Jahr gehen rund 100 000 Anrufe ein. Es werden von dort aus 35 000 Rettungsdiensteinsätze ausgelöst. Dazu kommen rund 2600 Feuerwehreinsätze.

Es arbeiten 20 Mitarbeiter in der Leitstelle, wochentags in einem Drei-Schichtsystem, am Wochenende in zwei Schichten. Chef der Leitstelle ist seit Ende 2016 Matthias Wollenheit.

Stendal l Im Notfall kann jede Minute, die Einsatzkräfte früher vor Ort sind, entscheidend sein. Das wissen die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle Altmark (ILS) nur zu genau. Im Rettungsdienst gibt es im Land eine gesetzliche Vorgabe einer Hilfsfrist von zwölf Minuten. Die Zeit zählt dabei ab dem Zeitpunkt, an dem der Notruf in der Leiststelle eingeht und endet mit Eintreffen der Retter am Einsatzort. In der Altmark kann diese Frist nicht immer eingehalten werden.

„Wir arbeiten daran, effizienter zu werden“, sagte Sebastian Stoll (CDU) als zuständiger Beigeordneter des Landrates am Mittwoch bei einem Besuch des Innenministers Holger Stahlknecht (CDU) in der Leiststelle in Stendal in der Wendstraße.

Neue Rettungswachen sollen enstehen

Insbesondere durch eine standardisierte Abfrage sollen wertvolle Minuten gewonnen werden. Die Disponenten in der Leitstelle sollen die eingehenden Anrufe nach einem Fragenkatalog abarbeiten. „Unser Ziel ist es, dass nach einer Minute eine Entscheidung über den Einsatz getroffen wird“, sagte Stoll. Eine neue Software ist für die standardisierte Abfrage notwendig, diese wird bald aufgespielt.

Es sollen auch weitere Rettungswachen gebaut werden, derzeit gibt es in der Altmark 16 davon. Dies sei nach einem Gutachten zur Hilfsfristerfüllung entschieden worden, sagte Stoll. Auch müsse darüber nachgedacht werden, einen Hubschrauber anzuschaffen. Innenminister Stahlknecht wusste, dass ein solcher Hubschrauber rund acht Millionen Euro kosten würde. Derzeit ist die Altmark ein weißer Fleck, was die Stationierung eines Hubschraubers angeht. Allerdings funktioniere ein Einsatz von Uelzen, Perleberg oder Magdeburg und gelegentlich sogar von Berlin aus in der Regel reibungslos, wie es aus der Leitstelle heißt.

Immer noch zwei Alarmierungssyteme

Optimierungen gebe es schon jetzt durch eine georeferenzierte Alarmierung. Dass heißt, die Disponenten in der Leitstelle können auf dem Bildschirm erkennen, wo sich das nächstgelegene freie Fahrzeug befindet. Problem ist derzeit noch, dass dabei nicht landkreisübergreifend gearbeitet werden kann. Es gibt noch unterschiedliche Alarmierungssysteme, die von der Zeit vor der Zusammenlegung der Leitstellen in den Landkreisen Salzwedel und Stendal herrühren.

Eine schnellere Alarmierung erhoffen sich die Veranwortlichen auch durch die Erneuerung des digitalen Funknetzes. „Da wird uns eine Anbindung ans Glasfasernetz helfen“, sagte Stoll.

Die Zusammenlegung der Leitstellen im Jahre 2013 habe sich als richtig erwiesen, sagte der Salzwedeler Landrat Michael Ziche (CDU) gestern beim Ministerbesuch. „Wir sparen mehrere hunderttausend Euro im Jahr“, sagte er. Allein die verpflichtende Doppelbesetzung in der Leiststelle könne in einer größeren Einheit kostengünstiger dargestellt werden. Die Integrierte Leitstelle sei politisch nicht ganz einfach durchzusetzen gewesen, sagte der Landrat. Mittlerweile seien aber auch die „Kinderkrankheiten“ beseitigt, die es beim Anlauf der Leitstelle gegeben hatte. Es hatte massiven Unmut der Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen und auch Verfahren vor dem Arbeitsgericht gegeben.

In Sachsen-Anhalt gibt es noch zwölf Leistellen. Tendenziell werden es weniger. Erst vor zwei Wochen war eine unabhängige Kommission in Stendal, die sich über die vorhandene Infrastruktur informierte und die eine Empfehlung für den Landtag erarbeiten wird, sagte Leitstellenleiter Matthias Wollenheit.

Neuwagen sind 2018 mit e-Call versehen

Ein Thema mit dem sich die Disponenten der Leitstelle ab 2018 verstärkt werden beschäftigen müssen, ist das sogenannte e-Call-System, das bei Neuwagen ab dem kommenden Jahr gesetzlich vorgeschrieben ist. „Über das System werden Notrufe von einem Auto automatisch gesendet, wenn dieses beispielsweise ganz abrupt zum Stehen kommt“, erläuterte Sebastian Stoll. In der Leitstelle ist in einem solchen Fall nicht nur der Standort des Fahrzeuges erkennbar, sondern es gibt weitere Informationen, wie zum Beispiel, wie viele Menschen in dem Auto angeschnallt sind. Die Disponenten können im Fahrzeug anrufen und sich nach der Situation erkundigen.

Das Notrufsystem funktioniert bereits jetzt schon, ein entsprechender Notruf sei in der Stendaler Leitstelle bislang allerdings noch nicht eingegangen, sagte Wollenheit. Man müsse abwarten, wie intensiv die Beschäftigung mit dem e-Call künftig werde, sagt Stoll. Wenn dies einen größeren Teil der Arbeit in der Leiststelle ausmache, müsse reagiert werden.

Brandmeldeanlagen bringen Probleme

Welche Probleme automatische Alarmierungssysteme ausmachen, kann bei den Brandmeldeanlagen gesehen werden. Viele Einsätze der Feuerwehr gehen mittlerweile ins Leere, weil sie durch automatische Alarmierung zustande kommen. Am Ende sind die Notrufe durch harmlosen Qualm oder andere Einflüsse ausgelöst. „Bei Feuermeldern wird oft am falschen Ende gespart“, sagte Stendaler Landrat Carsten Wulfänger (CDU).

Er konnte darauf verweisen, dass die Feuerwehren im Landkreis Stendal seit kurzem anderweitig entlastet werden. Bei der Beseitigung von Ölspuren ist die Kreisstraßenmeisterei zuständig. Auch über Bereitschaftsdienste werde dies abgesichert, so Wulfänger.