Stendal l Für manche ist er der Sportlehrer der Nation, für andere ein mitreißender Moderator, aber für wohl fast alle war er einfach „Adi“: Gerhard Adolph. 333-mal lief seine Sendung „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser“ im Fernsehen der DDR, wurde Anfang der 90er eingestellt. Rund 16 Jahre später kam es zu einer Begegnung, die für die Wiederbelebung der Sendung im klassischen Sinne sorgen sollte.

„Ich habe Adi 2006 beim Spiel von Saudi-Arabien gegen Australien im Rahmen der Fußball-WM der geistig Behinderten in Stendal erstmals getroffen“, erzählte Andreas Bredow, Geschäftsführer des Offenen Kanals Stendal. Die beiden kamen miteinander ins Gespräch und bald schon entstand die Idee, die Sendung im Stendaler Fernsehen zu produzieren. Und zwar so wie zu DDR-Zeiten. Das heißt, es treten die Schulen verschiedener Städte in einer Halle gegeneinander an. Zu jener Zeit hatte Adi an „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser“ angelehnte Veranstaltungen geleitet, manchmal im Freien, manchmal traten verschiedener Schulen einer Stadt in der Halle gegeneinander an.

Wiederauflage auf Offenem Kanal

Etwa um die Jahreswende 2007/2008 sprach Bredow den damaligen Geschäftsführer des Kreissportbundes, Siegfried Wille, an, ob er nicht Lust hätte, gemeinsam mit dem Offenen Kanal die Sendung zu machen. Wille hatte Lust, und so kam es 2008 zur Premiere des Fernsehklassikers auf dem Offenen Kanal. Aufgezeichnet wurde sonntags ab 10 Uhr, zu der Zeit lief der Wettkampf im DDR-Fernsehen.

Im Sommer sangen Kinder der Grundschule Nord die Erkennungsmelodie und den Titel „Familiensport ist angesagt“ ein. „Adi durfte übrigens seine eigenen Lieder aus urheberrechtlichen Gründen nicht singen“, erklärte Bredow. Im November gingen fünf Vorrunden, unter anderem in Sandau, Havelberg und Stendal, schließlich das Finale in Seehausen über die Bühne. Die Hallen waren krachend voll, die Atmosphäre spitze. „Wir hatten immer eine Mordsstimmung“, erinnerte sich Bredow.

Freundschaft mit Bewunderung

Für den Offenen Kanal war das Projekt auch eine Herausforderung. Mit sechs bis acht Kameras war er vor Ort, acht bis zwölf Leute daran beteiligt. Die mussten schon früh auf den Beinen sein. Um 5 Uhr aufstehen, um bis 7, 7.30 Uhr am Drehort zu sein. „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser“ war für das Stendaler Fernsehen auch ein Ausbildungsprojekt, ähnlich wie das Rolandfest.

Für den Erfolg des Formats macht Bredow in erster Linie Adi verantwortlich. Er habe sofort die Sympathien der Kinder und des Publikums gewonnen. Bredow weiß das aus erster Quelle, seine Tochter war auch Einlaufkind bei Adi. Er schaffte es auf lockere Art, Kinder zur Disziplin zu bringen, etwa mit seinem Spruch: „Wer bei fünf nicht sitzt, wird von der Jury abgeknutscht“. „Da saßen die Kinder natürlich spätestens bei vier“, meinte Bredow schmunzelnd. Allein schon, dass Adi eben Adi war und nicht Herr Adolph, habe gleich für ein persönliches Verhältnis gesorgt. Und der Humor sei immer wieder gut angekommen. Der zeigte sich an Worterfindungen wie Gumminastik oder auch an den T-Shirts für die Helfer, die dann laut Aufdruck „Oberstopper“, „Aufbauer“ oder auch „Vorturner“ waren.

Über die Jahre entstand zwischen Bredow und Adi eine Freundschaft, eine Freundschaft, zu der auch Bewunderung gehört. „Es war schon toll, mit welchem Engagement er sich da reingehängt hat“, lobte Bredow. Adi habe auch noch Engagements als Synchron-sprecher für Animationsfilme gehabt, war einmal mitten in der Nacht nach einem Termin an der Nordseeküste in die Altmark zur Sendung gefahren. Dass er müde war, habe man ihm ein bisschen angesehen, aber überhaupt nicht angemerkt.

Nur einen einzigen Termin verpasst

Nur ein einziges Mal sei Adi nicht dabeigewesen. Das war 2012. Er erschien einfach nicht am Wettkampfort, hatte nicht abgesagt. Siegfried Wille sprang als Moderator ein. Erst später kam heraus, dass Adi zu jenem Zeitpunkt im Krankenhaus lag – mit einer Lebensmittelvergiftung, an der er fast drei Wochen lang laborierte.

„Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen“, heißt es. Adi wollte zumindest seine Sendung beenden, so lange er es noch entscheiden konnte, nicht musste. Mittlerweile ist auch er 81 Jahre alt. Das letzte Finale fand wiederum in Seehausen statt. Nach 333 Sendungen im DDR-Fernsehen waren 22 im Offenen Kanal Stendal gefolgt. Zehn Jahre dauerte die Zusammenarbeit an, produziert wurde alle zwei Jahre. „Es war ein komisches Gefühl, zur letzten Sendung zu fahren“, sagte Bredow, für den so auch ein Stück Kindheit seinen Abschluss gefunden hat.

Wie bekannt Adi war, zeigt sich auch an einer Anekdote, die Bredow zum Besten gab. Bei einem Staatsbesuch habe Vladimir Putin Kanzlerin Merkel gefragt, was denn Adi mache. Die Sendung war auch in der Sowjetunion ausgestrahlt worden. Merkel musste passen, „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser“ war ihr auch nicht so vertraut. Als Pfarrerstochter saß sie sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und nicht vor dem Fernseher. Etwas wehmütig denkt Bredow an die Sendungen mit Gerhard „Adi“ Adolph zurück: „Wir sind stolz, dass wir das mit ihm machen durften.“