Stendal l Michael Trösken kann sich gut an die Zeit vor gut fünf Jahren erinnern, als der Stendaler Oldtimer-Stammtisch seine Ideen für die Nordwall-Halle öffentlich machte. „Da haben viele erst gesagt: ,Das schaffen die nie‘“, fasste er die Skepsis zusammen, die den Freunden historischer Fahrzeuge entgegenschlug. „Dann haben wir aber alle hinter uns gebracht, auch die Mehrheit des Stadtrates“, sagt der 1. Vorsitzende des Vereins. Der nämlich musste 2012 gegründet werden, damit sich die Oldtimer-Freunde überhaupt erst für die Übernahme der leerstehenden ehemaligen Reit- und später Sporthalle bewerben konnten. Am Ende gab es den Zuschlag für das Projekt.

Und heute, fünf Jahre später, wird es keiner mehr bestreiten: Sie haben es geschafft! Doch noch immer gibt es einiges zu tun. Das, was in den Wintermonaten geschaffen worden ist, konnten sich die Besucher der Freiluftsaison-Eröffnung am Sonntag anschauen. Unter anderem gibt es jetzt eine Behindertentoilette, die Küche wurde mit neuem Fußbodenbelag und einer Küchenzeile ausgestattet. „Es ist ganz gut, dass unter den Vereinsmitglieder fast jedes Handwerk vertreten ist“, freut sich Michael Trösken, denn so kann vieles in Eigenleistung erbracht werden.

Dach der Werkstatt erhöht

Auch das, was die Mitglieder der Nordwall Classic Garage gerade in Arbeit haben: den Ausbau der Werkstatt. „Wir sind gerade dabei, die Dachkonstruktion etwas zu ändern“, erklärt der Vereinschef. Aus der bisherigen Decke wurde ein Stück entfernt, der Teil darüber wird erhöht. Dadurch kann bald eine Hebebühne in der Werkstatt genutzt werden. Die Vereinsmitglieder planen, eine Art Schauwerkstatt einzurichten, damit die Besucher auch einmal einen Blick unter so einen Oldtimer werfen können. Und Besucher gibt es viele. Nicht nur bei den Tagen der offenen Tür, bei thematischen Veranstaltungen mit bekannten Rennsportlern oder zur Heimatgeschichte, auch dazwischen melden sich viele Schulklassen, Vereine oder Familien zu einer Führung an.

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Eine thematische Veranstaltung soll es in diesem Jahr zum 50. Geburtstag des NSU-Ro 80 – das Ro steht für Rotationskolben – geben. Das Auto, mit einem Wankelmotor ausgestattet, lief 1967 in Neckars­ulm (davon ist der Firmenname NSU abgeleitet) erstmals vom Band. In der Classic Garage steht eines der Modelle.

Eine eigene Feier für den fünften Vereinsgeburtstag ist derzeit nicht geplant – der Veranstaltungsplan der Oldtimer-Freunde ist auch so schon gut gefüllt. Am 13. Mai zum Beispiel richtet der Verein zusammen mit dem ADAC Niedersachen/Sachsen-Anhalt die dritte Sachsen-Anhalt-Motorrad-Classic aus, zu der mehr als 100 Starter erwartet werden. Start soll auf dem Marktplatz sein, Ziel auf dem Schützenplatz.

Am Sonntag wurde aber erst einmal in geselliger Runde in die neue Freiluft-Saison gestartet. Das schöne Wetter nutzten befreunde Oltimer-Stammtische aus Berlin und Magdeburg zum Ausflug. Die Magdeburger hatten sich für eine Strecke über Wolmirstedt, Zielitz, Uchtdorf, Weißewarte, Demker und Heeren entschieden. Eine Stunde und 45 Minuten haben sie gebraucht für die nach eigener Einschätzung „sehr schöne Strecke“. Bei Kaffee und Kuchen, von den Stendaler Vereinsfrauen gebacken, kamen die Oldtimer-Liebhaber ins Fachsimpeln, das bei ihnen Benzingespräche heißt.