Stendal l Fast 80.000 Fahrzeuge waren im vergangenen Jahr im Landkreis Stendal zugelassen. Ganz genau waren es 78.950, 62.596 davon Pkw, 6806 Lastwagen und 9548 andere Fahrzeuge, die zugelassen werden müssen. Bei weitem nicht alle rollen dabei mit einem SDL-Kennzeichen durch die Gegend. „Die Zulassungen von Fahrzeugen mit HV- oder OBG-Kennzeichen nehmen zu“, sagte Michael Müller vom Straßenverkehrsamt Stendal.

Während dies vom Lokalpatriotismus geprägt ist, hat ein anderes Kennzeichen mit der Liebe zum Automobil zu tun: das H-Kennzeichen. Ein Fahrzeug gilt als Oldtimer, wenn es von der Technischen Prüfstelle als Kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut eingestuft wurde und mindestens 30 Jahre alt ist.

Oldtimer hat Vorteile

Vorteile eines Oldtimers mit H-Kennzeichen oder roten 07-Dauerkennzeichen sind in erster Linie die Steuern, da hier nur eine Pauschale als Steuersatz berechnet wird. Fahrzeughalter mit einem H-Kennzeichen, können zu jeder Zeit ihr Fahrzeug nutzen, die 07- Kennzeichen wiederum dürfen nur für bestimmte Zwecke wie Überführung, Vorführung oder zur Probefahrt genutzt werden.

Der Vorteil eines 07-Kennzeichens wiederum ist, dass mehrere Oldtimer auf ein Kennzeichen angemeldet werden können, aber immer nur eins gefahren werden kann. Von diesen Regelungen machen auch die Museen wie das Blaulichtmuseum in Beuster und das Landesfeuerwehrmuseum Stendal und andere Betreiber, beispielsweise die Stendaler Nordwall-Classic-Garage, Gebrauch.

339 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen

Insgesamt sind im Landkreis Stendal 339 Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen unterwegs. Dazu gehören Autos der Marken Porsche, Spartan, Jaguar und Buick. Und auch zahlreiche Fahrzeuge aus DDR-Zeiten wie der Wartburg von Horst Guse aus Osterburg sind dabei.

Der Wartburg 353W de luxe wurde 1976 im VEB Automobil-Werk Eisenach gebaut. Er hat einen Hubraum von knapp einem Liter mit einer Leistung von 50 PS. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern lag er deutlich über dem Tempolimit von 100 auf DDR-Autobahnen. Zu seinen Sonderausstattungen gehören das Stahlschiebedach und die Knüppelschaltung.

Stolz auf Schmuckstück

Nicht schon zu DDR-Zeiten, sondern erst 2013 kam der Wagen zur Familie Guse. „Ich habe ihn von einem ehemaligen Lehrer gekauft, der in der Tat zwischen 1976 und 2013 nur dieses eine Auto hatte“, erzählte Guse im Gespräch mit der Volksstimme. Als er den Wagen übernahm, hatte er gerade einmal 65.000 Kilometer auf der Uhr. „Für die lange Zeit ist das doch gar nichts“.

Dem gut gepflegten Wartburg wurden die letzten Altersschwächen ausgetrieben, und seitdem ist Guse auch mit ihm unterwegs. „Wir vom Oldtimerstammtisch Calberwisch und der Nordwall-Classic-Garage sind kein Museum, sondern stolz darauf, dass wir uns mit diesen Schmuckstücken auf der Straße bewegen“, erklärte er.

Ausfahrt zum Oldtimertreffen

Die nächste größere Fahrt führt schon am morgigen Sonnabend ins rund 120 Kilometer entfernte Ummendorf im Bördekreis. Dort findet ein Treffen historischer Fahrzeuge statt. Dort wird Guses Wagen sicherlich einmal mehr Objekt bewundernder Blicke sein. „Das W im 353W steht für Weiterentwicklung“, sagte er. Das bedeutete bei dem Modell unter anderem auch Sportsitze.

Horst Guse ist bei weitem nicht der einzige begeisterte Fahrer eines DDR-Fahrzeugs. Davon sind noch zahlreiche im Landkreis Stendal unterwegs. Neben Guses sind es noch 40 weitere Wagen der Marke Wartburg, außerdem sind noch 230 Trabbis unterwegs. Volkswagen ist mit 7905 Fahrzeugen die meistzugelassene Marke. Auf dem zweiten Platz folgt Daimler (unter anderem Mercedes und Smart) mit 2073 Fahrzeugen vor Skoda (2025) und Audi (1514).

Exoten im Landkreis

Und es gibt Exoten im Landkreis, für die einiges Geld investiert werden musste. Deren Besitzer sind aber eher nicht für ein Gespräch mit der Zeitung zu gewinnen. Nur ein einziger Rolls Royce ist im Landkreis zugelassen. Von den italienischen Nobelmarken Maserati und Ferrari gibt es jeweils zwei und von Lamborghini drei.