Stendal l „Ist das eine coole Socke.“ Michael Trösken ist am Montagvormittag im Gespräch mit der Volksstimme immer noch begeistert von der Begegnung mit Heidi Hetzer. Der Vorsitzende des Vereins Nordwall Classic Garage traf zusammen mit einigen Mitgliedern und Frank Barby die Weltreisende auf ihrem letzten Stück der Tour Richtung Berlin. „Frank Barby ist zwar nicht Mitglied, aber unserem Verein verbunden, er hat auch das Treffen eingefädelt“

Zwei Jahre und sieben Monate war die ehemalige Rallyefahrerin und Opel-Händlerin rund um die Welt unterwegs. Einige Beifahrer mussten wegen Querelen ausgewechselt werden, treuer Wegbegleiter blieb ihr Hudson, Baujahr 1930 und damit sogar sieben Jahre älter als seine Fahrerin. Technische Probleme behob die gelernte Kfz-Mechanikerin zumeist selbst.

Unkompliziert und ohen Allüren

„Als wir sie am Sonnabend in Burg abgeholt haben, war sie sauer, dass sie sich kurz zuvor einen Kratzer in den Kotflügel gefahren hat“, erzählt Trösken. Hetzer habe in die Büsche gemusst und sei dann an die Leitplanke geraten. Hetzer habe dann aber einfach den Kofferraum geöffnet, eine Spraydose herausgeholt und die Sache war erledigt. „So ist sie eben ganz unkompliziert und völlig ohne Allüren“, ist diese Episode fürTrösken Hetzer-typisch.

Von Burg aus ging es weiter nach Genthin und dann nach Dunkelforth, wo eine Kaffeepause eingelegt wurde. Dort konnte die Berlinerin nach Herzenslust befragt werden. „Sie hat sich richtig viel Zeit für uns genommen, und dabei so manche Anekdote erzählt“, schildert Trösken. Zu den Episoden ihrer Weltreise gehörte, dass sie in Chile vor dem Haus von Margot Honecker stand. Die habe aber nicht geöffnet, später hätten ihr Honeckers Tochter und Schwiegersohn klargemacht, dass sie an solchen Besuchen keinerlei Interesse hätten.

Beeindruckt vom Durchhaltevermögen

Trösken und die anderen Teilnehmer der Kaffeerunde beeindruckte nicht nur Hetzers Unkompliziertheit, sondern vor allem auch der Mut, den sie aufgebracht hat, um diese Mission in Angriff zu nehmen, und das Durchhaltevermögen, das sie nie aufgeben ließ. „Ich habe sie gefragt, ob sie so eine Tour noch einmal unternehmen würde“, sagt Trösken. Ja, habe sie geantwortet, allerdings mit einem modernen Auto. Als nächstes habe sie allerdings eine Tour durch Afrika auf dem Programm, vom Norden bis zur Südspitze.

Zunächst einmal wurde sie nach Ziesar und zur Autobahn gebracht. Am Sonntag wurde die Weltenbummlerin in ihrer Heimatstadt zunächst auf dem Messegelände unterm Funkturm, dann am Brandenburger Tor und schließlich vor dem Olympiastadion begrüßt. Am 27. Juli 2014 hatte sie Berlin verlassen. Bis zu ihrer Rückkehr am 12. März legte sie insgesamt 84 000 Kilometer in Europa, Asien, Australien, Amerika und Afrika zurück. Am 20. Juni feiert Hetzer ihren 80. Geburtstag.