Lockdown

Optimismus statt Trübsal

Seit Anfang November ruht der Kulturbetrieb. Die Schauspielerin Kathrin Berg aus Stendal erzählt, wie sie die Situation bewältigt.

Von Antonius Wollmann

Stendal l In belastenden Situationen gibt es zwei Möglichkeiten, um sich mit den Verhältnissen zu arrangieren. Entweder man resigniert, hadert und schiebt einen Berg schlechter Laune vor sich her. Oder man weigert sich schlicht, sich von den Unbilden da draußen die Stimmung verhageln zu lassen. Was natürlich viel leichter gesagt als getan ist. Kathrin Berg hat sich trotzdem für die zweite Variante entschieden: Optimismus statt Trübsal. Und das obwohl die Schauspielerin des Ensembles des Theaters der Altmark zu all jenen gehört, die ihren Beruf nicht ausüben dürfen.

Seit November sind die Theater in Sachsen-Anhalt geschlossen. Waren zunächst noch Proben möglich, fielen auch diese in der Zwischenzeit dem Lockdown zum Opfer. Sollte es die pandemische Lage zulassen, könnten wenigstens sie Ende Februar wieder aufgenommen werden. Seit Mittwoch besteht aber Klarheit darüber, dass mindestens bis zum 31. März keine Stücke aufgeführt werden. Leise Hoffnung besteht auf eine Besserung nach Ostern.

Als sie in ihrem auffälligen blauen Mantel einen Latte Macchiato bestellt und anschließend bei einem Spaziergang durchs winterliche Stendal - bei Wahrung des Corona-Abstandes – von ihrer Situation erzählt, wirkt die 36-Jährige alles andere als niedergeschlagen. Ein wenig nachdenklich vielleicht, aber gut gelaunt. So sehr es die Gesamtsituation zulässt. Die sei natürlich alles andere als zufriedenstellend. Und dennoch nicht das Ende der Welt. „Nein, in ein Loch bin ich bisher noch nicht gefallen, obwohl ich ein Stück weit zur Untätigkeit verurteilt bin“, sagt die gebürtige Dresdnerin. Den Grund schiebt sie gleich hinterher: „Ich jammere nicht so gerne rum. Mal davon abgesehen bin ich als angestellte Schauspielerin in einer komfortablen Situation.“ Einige ihrer Freunde arbeiten als Freie. Nicht auftreten zu können und damit kein Einkommen zu haben, treffe diese ungleich härter. „Ich empfinde es deshalb als ein wenig anmaßend, wenn ich mich zu sehr beschweren würde“, sagt sie ganz pragmatisch.

Dieser Pragmatismus hilft ihr in ihrem Alltag, der ganz anders ist als gewohnt. Eine Leerstelle muss gefüllt werden. Keine leichte Aufgabe. Langeweile kommt dennoch nicht auf. „Es ist ja nicht so, dass ich nichts zu tun hätte. Meine Tage kann ich gut ausfüllen. Es fühlt sich nicht monoton an“, sagt Kathrin Berg.

Doch was macht man als Schauspielerin, wenn man nicht auftreten kann? Körperlich fit bleiben müsse sie zum Beispiel. Ihr Beruf fordere ihr physisch viel ab. Die Schauspielerei ist eben nicht allein geistige Arbeit. Ansonsten bemühe sie sich, ihre Routine beizubehalten: „Ich wiederhole regelmäßig die Stücke, die wir momentan nicht spielen können. Dazu zählt ‚Das Schicksal stellt mich auf eine Nadelspitze‘ und mein Liederabend ‚Im Theater ist nichts los‘.“

Nebenbei taucht sie bereits in die Stücke der kommenden Spielzeit ein, macht sich mit den zukünftigen Rollen vertraut. Die Textbücher hat sie vor kurzem erhalten. Sie möchte möglichst gut vorbereitet sein auf die Zeit nach dem Lockdown. Auf dem Programm wird auch eine Operette stehen. Inklusive einer Arie. „Die singe ich hin und wieder. Da muss ich nur auf die Uhrzeit aufpassen, damit ich meine Nachbarn nicht störe“, erzählt die junge Frau.

Bei all der Zuversicht, die Kathrin Berg ausstrahlt, kann sie trotzdem nicht verhehlen, dass ihr gewisse Aspekte ihres Berufs fehlen. Die Spannung zum Beispiel, die entsteht, wenn sie auf der Bühne steht. Wenn sie dann merkt, dass ihr Spiel etwas im Publikum auslöst. Oder sich im Vorfeld der Aufführungen mit den Ensemble-Kollegen auszutauschen.

So sehr man sich also mit den Verhältnissen arrangieren kann, bleibt doch die Erkenntnis: Seinen Beruf endlich wieder ausüben zu dürfen, ist am Ende unersetzlich.