Stendal/Seehausen l Heimo Arlt steht am Straßenrand der B 189. Mit dem Fernglas macht der Polizeihauptmeister einen Lkw aus. Er hebt die Kelle, der Brummifahrer biegt ab. Es wird nun eng auf dem Rastplatz in der Nähe von Seehausen, „doch für die Fahrer ist das Ranggieren auf engsten Raum Alltag“, sagt Joachim Albrecht. Der Polizeirat leitet die Kontrolle, mit der sich die Polizeiinsspektion Stendal an dem bundesweiten Aktionstag beteiligt. Unterstützung erhalten die Polizisten von der Bundesanstalt für Güterverkehr, kurz BAG genannt.

Die Kontrollen laufen jedes Mal nach dem gleichen Schema ab. Zuerst überprüft werden alle Papiere, dann wird die elektronische Fahrerkarte ausgelesen, bevor sich die Beamten der Fahrzeugtechnik und Ladung widmen. „Alles bestens“, sagt Polizeihauptmeister Ralf Borstell mit dem Blick auf Geschwindigkeit und Einhaltung der Fahrtzeiten von Torsten Kaschube.

Katzenaugen fehl am Platz

Der Berliner, seit der Wende Brummifahrer, ringt sich ein Lächeln ab. Er habe nämlich wenig Verständnis für die Kontrolle, die ihm nur Zeit koste. „Die Aktion ist im Radio angekündigt“, hadert der 50-Jährige. Er könne wetten, dass 70 Prozent der Fahrer deshalb das Tempo drosseln und die Ladung einmal mehr sichern als sonst. Nach fast 40 Minuten sitzt Torsten Kaschube wieder auf dem Bock, um 15 Euro ärmer. Am Mitnahmestapler, der an der Rückfront des Lkw-Gespanns befestigt ist, hätten anstatt der Katzenaugen rote Dreiecke gemusst. „Das Geld hol ich mir vom Chef wieder“, sagt Kaschube.

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Während er die Strafe sofort bezahlt, chauffiert die Polizei einen polnischen Kraftfahrer zum nächsten Bankautomat. 30 Euro sind für die Nichteinhaltung der Lenkzeit fällig. Wie der BAG-Beamte Michael Leitmont erklärt, habe er die erlaubten viereinhalb Stunden etwas überschritten. „Bisschen Pech“, sagt der Pole, der bekundet, stolz darauf zu sein, sich stets an vorgeschriebene Geschwindigkeiten zu halten. In dieser Hinsicht stehe er mit seinen Söhnen im Wettbewerb, die in Schweden und in den USA als Trucker tätig sind.

Versäumnis wird teuer

Den Geschichten am Rande hört Janet Dall aufmerksam zu. Die Polizeihauptmeisterin ist für die Prävention verantwortlich. Sie verteilt Infomaterial, darunter auch in polnischer Sprache, und bietet eine Tasse Kaffee an. Wer möchte. Der gerade eingefahrene Finne lehnt dankend ab, die Verständig gelingt auf Englisch. Zu beanstanden gibt es fast nichts. Nur die Holzlatten, die im Laderaum liegen, muss der Finne an den Seitenplanken befestigen und einen verdrehten Gurt gerade ziehen. Dann darf der wortkarge Skandinavier vom Hof, wie Ralf Borstell ihm mit einem Wink zu verstehen. Im Nachschauen sagt der Beamte: „Man muss auch Mensch sein.“

Verständnis für die Kontrolle zeigt Nico Fritz beim Stopp auf dem Rastplatz. „Es müsste viel mehr solcher Kontrollen geben“, sagt der Osterburger. Er fahre seit sechseinhalb Jahren Lkw und sei bislang noch nie kontrolliert worden. Während die Sicherung der großen Säcke, die mit Getreide gefüllt sind, von den Beamten gelobt wird, gibt es hinsichtlich des Nachweises von Lenk- und Ruhezeiten Probleme. Es stellt sich heraus, dass das Kontrollgerät im Lkw vor Antritt der Fahrt nicht scharf geschaltet wurde. „Und das wird richtig teuer“, so Joachim Albrecht, denn der Mann sei gar nicht berechtigt gewesen, den Laster zu fahren.

Albrecht und seine Kollegen habe die Aktion in Seehausen gezeigt, dass Kontrollen sein müssen. Im Zeitraum von 7 bis 13 Uhr werden bei 33 überprüften Lkw, davon 17 mit ausländischem Kennzeichen, 21 Verstöße registriert, 13 bei der Einhaltung der Geschwindigkeit von 60 km/h.