Bittkau l Von einem ganz persönlichen Trauma spricht Künstler Benno Zöllner, der in der Berliner Charité als Kunsttherapeut arbeitet. Den Auslöser für sein Trauma beschreibt er so: „Letztens ist mein Bruder Klaus fast an des ehemaligen Dorfpolizisten Bruno Thiels Ecke totgefahren worden. Wenn er mit dem Auto nicht auf den Bürgersteig ausgewichen wäre, dann wäre ich jetzt bruder- und das Dorf bestatterlos“. Klaus Zöllner ist Tischler und Bestatter in Bittkau.

Das wollte Bruder Benno nun nicht einfach so hinnehmen, zumal er seit längerem auch von anderen Dorfbewohnern höre, wie sehr diese sich über die rasenden Biomüllfahrzeuge auf dem Weg zur Kompostieranlage in Polte ärgern. Sowohl an der Engstelle „des ehemaligen Dorfpolizisten“, wie Benno Zöllner sie nennt, als auch am Ortseingang aus Richtung Grieben gelten eigentlich 30 km/h, weniger als 70 werde aber selten von den großen, schweren Fahrzeugen gefahren, so Benno Zöllner.

Zöllners "1A-Kannibalendorf"

„Sie haben noch nicht verstanden, in welche Gefahr sie sich in Bittkau – immerhin noch bewohnt von vielen Autofahrern, auch in den Seitenstraßen, also fachmännisch beäugt – begeben. Immerhin war Bittkau mal ein 1A-Kannibalendorf“, führt er weiter aus. Das mit den Kannibalen ist so eine typische Benno-Zöllner-Geschichte. Die erzählt er gern vorbeifahrenden Radtouristen, wenn er vor seinem blauen Haus in der Elbstraße sitzt. Viele stiegen dann gerne ab und kämen mit ihm ins Gespräch, erzählt er. „Ich sage dann immer: Ich habe noch einige stramme Radlerwaden in meiner Kühltruhe“, berichtet er lachend. Wer an der Flaschenpoststation in Bittkau Halt macht, bekommt immer Geschichten zu hören oder entwickelt sie im Gespräch mit Benno Zöllner selber. Wenn dann die eigene Nachricht per Elbe auf die Reise nach Honululu oder andere phantastische Destinationen geschickt wird, werden viele wieder ein bisschen zum Kind.

Phantasie hat Benno Zöllner auch, wenn es um die rasenden Müllautos geht: „Vielleicht haben die Fahrer ihre Playstation innerlich noch nicht verlassen oder sie verwechseln die Thälmannstraße mit der guten alten Avus oder dem Nürburgring“, mutmaßt er. Und er spricht davon, dass der eine oder andere womöglich bald Videos von den Rasern machen könnte, wenn diese sich nicht an die Tempo-30-Zonen, aber auch nicht an die reguläre Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h im Ort hielten. „Den Helden der Landstraße wird’s gedankt, indem kein Vogel hinterhergezeigt wird, sondern Kindern mit Blumen winken“, sagt Benno Zöllner.