Stendal l Das Ehepaar kann seine Entrüstung kaum verbergen. Ungerecht behandelt fühlen sich die beiden, die nicht mit Namen in der Zeitung stehen wollen. Ihr Zorn entzündet sich an einer Entscheidung des Stadtentwicklungsausschusses vom Januar. Immer wieder zeigt der Mann wütend auf den entsprechenden Zeitungsartikel, den er ausgeschnitten hat.

Konkret geht es um einen Antrag, eine Beleuchtungsanlage entlang des Fahrradweges neben der Arneburger Straße zwischen Birkenweg und Tannensiedlung zu installieren. Gestellt haben den Antrag die Bewohner eben jener kleinen Kolonie am nordöstlichen Rand der Stadt. Doch das städtische Gremium lehnte ab. Weder Stadtverwaltung noch die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses sahen Notwendigkeit, in der Sache tätig zu werden.

Stadt Stendal nicht zuständig

Die Arneburger Straße sei eine Landesstraße und falle nicht in die Zuständigkeit der Hansestadt Stendal so ein Argument der Stadtverwaltung. Außerdem würden die Ausgaben in keinem Verhältnis zum Ertrag stehen. Formelle Einwände führte Ausschussmitglied Joachim Röxe (Die Linke) an. Er bemängelte, dass der Antrag von außen gestellt worden war, und nicht wie üblich von den Faktionen oder der Verwaltung. Dem solle man einen Riegel vorschieben, empfahl der Lokalpolitiker.

Bei den Betroffenen kommen diese Erklärungen nicht gut an. Aus ihrer Sicht seien sie alles andere als überzeugend, bemängelt das Ehepaar. Viele Radfahrer hätten ein mulmiges Gefühl, wenn sie alleine in der Dunkelheit auf dem Radweg unterwegs sind. Schließlich befinde man sich außerhalb der Stadt, fahre am Wald vorbei. Was aber fast genauso schwer wiegt wie der Sicherheitsaspekt: Sie fühlen sich nicht ernst genommen und aufgrund ihrer Randlage vernachlässigt.

Dass sie Stendaler zweiter Klasse seien, nur weil ihre Häuser vor dem Ortseingangsschild stehen, lautet der Vorwurf. Vor allem lasten sie der Verwaltung an, mit zweierlei Maß zu messen. Denn zwischen Stendal und Borstel habe man sich sehr wohl für eine Beleuchtung des dortigen Radweges entschieden.

Stadtsprecher weist Kritik zurück

Die Kritik könne man im Rathaus nicht wirklich nachvollziehen, beantwortet Armin Fischbach von der Pressestelle der Stadt eine entsprechende Anfrage der Volksstimme. Man nehme sich der Belange aller Bürgerinnen und Bürger in gebotener Weise an, sagt Fischbach. Er schränkt aber ein: „Wir können schlicht nicht jeden Wunsch erfüllen, so sehr er aus der einen Perspektive auch nachvollziehbar sein mag.“

Berücksichtige man die Gegebenheiten, die entstehenden Bau- und Planungskosten und die in diesem Falle nicht bestehende Beleuchtungspflicht, könne die Stadtverwaltung der Installation einer Straßenbeleuchtung an dieser Stelle nicht zustimmen.

Den Vergleich mit dem Radweg nach Borstel empfindet Fischbach als ungeeignet. In dem eigenständigen Ortsteil lebten 522 Menschen. Die Tannensiedlung bestehe hingegen je nach Zählweise aus zehn bis 15 Hausnummern. Davon abgesehen sei der angedachte Abschnitt vom Birkenweg zur Siedlung viel kürzer als die Strecke von Stendal nach Borstel. „Unterm Strich muss festgehalten werden, dass das Aufwand-Nutzen-Verhältnis der beiden Maßnahmen eben nicht gleich ist“, argumentiert Fischbach.