Bismark l Was haben der Naturwissenschaftler Manfred von Ardenne, der Komiker Eberhard Cohrs und der einstige DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl gemeinsam? Sie besaßen in den 1950/60er Jahren einen Wartburg 313 Sport. Der Bismarker Frank Wohlfahrt fährt heute noch diesen „schönsten europäischen Pkw“.„Als Abonnent des Magazins ,Oldtimer Markt‘ habe ich schon immer nach Wartburgs Ausschau gehalten“, erzählt Frank Wohlfahrt (57). „Im Jahr 2007 stieß ich dann auf einen Wartburg 313 Sport als Restaurierungsobjekt.“ Der Besitzer stammte aus dem Brandenburgischen. „Ich war der Erste, der angerufen hat“, erinnert sich Wohlfahrt. „Am nächsten Tag stand ich mit Geld und Hänger vor seiner Tür.“

Der erste Eindruck von dem Wartburg 313 (Baujahr 1958) war alles andere als erbaulich. „Das Fahrzeug war Schrott“, stellt Frank Wohlfahrt unmissverständlich fest. „Es war der teuerste Schrott, den wir uns bis heute angeschafft haben“, sind sich die Eheleute Ilka und Frank Wohlfahrt sicher. Fest stand für Frank Wohlfahrt vor zwölf Jahren aber auch: „Dieses Auto wird gekauft, egal in welchem Zustand.“ Der Wartburg 313 Sport ist ein begehrter Oldtimer. Eine Rarität. Und das nicht nur, weil von ihm zwischen 1957 und 1960 gerade einmal 469 Stück gebaut wurden.

Kfz-Schlosser in Eisennach gelernt

Das Hobby des Bismarkers Frank Wohlfahrt sind Oldtimer. Dabei hat es ihm aus gutem Grund der Wartburg besonders angetan. Der gebürtige Magdeburger verbrachte die Schulzeit in Sangerhausen. Danach lernte er im Automobilwerk Eisenach den Beruf des Kfz-Schlossers. Der Volkseigene Betrieb (VEB) Automobilwerk Eisenach produzierte ab 1955 den Wartburg.

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Nach der Lehre im thüringischen Eisenach führte der Weg von Frank Wohlfahrt nach Bismark. Hier war Großvater Wilhelm Bölter der Betriebsleiter einer Autowerkstatt, die sich an der Büster Straße befand. Wohlfahrt fand hier eine Anstellung. Siegfried Bölter, der Onkel von Frank Wohlfahrt, betreibt heute noch eine Kfz-Werkstatt an der Stendaler Straße.

Restaurierung dauerte drei Jahre

Zurück zum Schrott-Wartburg. Nach dem Kauf sammelte Frank Wohlfahrt zunächst zwei, drei Jahre lang Teile für den Wartburg 313 Sport. Es folgten weitere drei Jahre der Restaurierung. „Das Auto musste komplett auseinandergeschnitten werden“, erinnert sich Wohlfahrt. Bei den Arbeiten stellte er zudem fest, dass das Fahrzeug mehrere Unfälle hatte. „Zwei Drittel der Karosserie sind neu“, so der Bismarker Oldtimer-Freund. „Ich habe fast alles selbst gemacht.“

Die einzelnen Original-Teile des Wartburg 313 Sport sind teuer und schwer zu bekommen. „Die Preise kann man mit Mercedes vergleichen“, erzählt Frank Wohlfahrt. Der Bismarker hatte schon einige Wartburg-Oldtimer. Aktuell gehören ihm noch eine Limousine 311 (Baujahr 1958) und ein Wartburg 353 (Baujahr 1985). Mit seinem Wartburg Sport besitzt er aber eine absolute Rarität, die vor gut 60 Jahren weltweit für Furore sorgte. Auf der Imported-Car-Show 1958 in New York wurde der Wartburg 313 als „Schönster europäischer Pkw“ prämiert.

Der Wartburg 313 wurde von 1957 bis 1960 vom Automobilwerk Eisenach hergestellt. „Das Fahrzeug war für die Führungsschichten in der DDR gedacht“, erzählt Frank Wohlfahrt. „Damit sie im Land bleiben.“ Zudem sorgte der flotte Wartburg für Devisen in der Staatskasse.

Nur 469 Autos gebaut

Wie viele von den insgesamt 469 gebauten Wartburg 313 Sport heute noch auf den Straßen zu finden sind, weiß niemand. „Ich frage da immer mal wieder nach, auch bei Experten, dazu kann aber keiner etwas sagen“, so Frank Wohlfahrt. Der Bismarker geht von 150 Fahrzeugen aus. „Auf jeden Fall gibt es noch etliche Restaurierungsobjekte“, erklärt Wohlfahrt.

Seit 15, 20 Jahren beteiligen sich Ilka und Frank Wohlfahrt an Oldtimer-Rallyes und –Treffs in Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Am Anfang des Jahres planen wir, an welchen fünf oder sechs Ausfahrten wir teilnehmen“, so Frank Wohlfahrt.

Zum Heimweh-Treff nach Thüringen

Am kommenden Wochenende steht für die Eheleute Wohlfahrt eine besondere Ausfahrt auf dem Programm. Mit dem Wartburg 313 Sport geht es in dessen Heimat zum so genannten „Heimweh“-Treff nach Eisenach. An dem internationalen Wartburgfahrertreffen nehmen die Bismarker zum ersten Mal teil. „Darauf bin ich schon sehr gespannt“, sieht man Frank Wohlfahrt die Vorfreude an.

Jeweils am letzten August-Wochenende führt der Weg nach Magdeburg in den Elbauenpark zum großen OMMMA-Treffen. An dem Ost Mobil Meeting Magdeburg (OMMMA) dürfen nur Fahrzeuge teilnehmen, die im Bereich des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) gebaut wurden. Der RGW bestand von 1949 bis 1991 und war eine Organisation der sozialistischen Staaten.

Aber egal bei welchem Oldtimer-Treff, welcher Wartburg-Ausfahrt oder bei welcher Rallye die Bismarker Ilka und Frank Wohlfahrt mit ihrem Wartburg 313 Sport teilnehmen – sie werden für Aufsehen sorgen. Denn sie fahren den „schönsten, europäischen Pkw“.