Ferchland l Am frühen Dienstagmorgen standen auf beiden Seiten der Elbe noch einige, die mit der Fähre auf die andere Seite wollten, und sie alle wurden enttäuscht. „Es ist so traurig. Ich kann nicht zum Fähranleger kommen. Wir wurden veräppelt“, machte Ursula Lüde aus Ferchland aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. Sie war nicht die Einzige vor Ort. Da gab es am frühen Morgen einige Autofahrer auf beiden Elbseiten, die mit der Fähre zu ihrer Arbeitsstätte fahren wollten. „Wieso fährt die Fähre heute nicht mehr? Es hieß doch, mit dem 30. Juni wird sie stillgelegt. Da kann ich doch nicht heute schon nicht mehr fahren. Es gab doch keine Information dazu“, zeigte sich eine Autofahrerin, die nach Grieben übersetzen wollte, entrüstet.

„Die Fähre hat ein Fährzeugnis bis zum 30. Juni 2020 und muss bis heute Abend daher aus den Bundeswasserstraßen entfernt werden. Wir haben dank der Hilfe eines Kreistagsmitgliedes des Jerichower Landes die Möglichkeit erhalten, die Fähre zum Industriehafen nach Magdeburg zu verschiffen. Er stellt auch den dafür notwendigen Kapitän. Die Fahrt dauert zirka zehn Stunden, was deutlich macht, dass die Fähre heute nicht mehr fahren konnte“, erklärte Nicole Golz (parteilos), Bürgermeisterin der Gemeinde Elbe-Parey, gestern auf Anfrage der Volksstimme.

Letzter Tag im Fährbetrieb

Die entsprechende Information an die Medien sei am Montagnachmittag ergangen. Einige haben sie am Dienstagmorgen erhalten, andere gar nicht. Auch Radiostationen mussten sich mit ihrer Meldung, dass die Fähre am Dienstag den letzten Tag in Betrieb sei, revidieren.

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Erbost zeigte sich auch Andrea Schumann aus dem Vogtland, die ihren Urlaub zum wiederholten Mal in Ferchland verbringt. „Wir haben die Fähre während unseres Urlaubs hier ständig genutzt. Zum Beispiel, um mit den Fahrrädern auf der anderen Elbseite die Region zu erkunden.“ Ob sie bei ihrem nächsten Urlaub wieder Station in Ferchland machen wird, ließ sie offen.

Erster und letzter Eintrag ins Fährbuch

Ein schmerzlicher Tag war es auch für Rentnerin Jutta Schröder aus Ferchland. Sie gehörte mit zu denen, die vor 22 Jahren die erste Fahrt mitgemacht hatten. Sie wollte auch die letzte Fahrt noch einmal genießen. Doch dazu kam es nicht mehr. „Ich hatte am Montag bei den Fährleuten noch nachgefragt, wann die letzte Fahrt ist. Da hieß es, man fahre am Dienstag noch bis sieben Uhr. Ich war dann um 6.30 Uhr da. Aber die Fähre lag am Anleger“, berichtete sie.

Wenn sie schon nicht die letzte Fahrt machen durfte, wollte sie wenigstens den letzten Eintrag in das Gästebuch der Fähre vornehmen. Sie schrieb um 9.30 Uhr in das Gästebuch: „Leider ist das vorerst die letzte Fahrt seit 1998. Soll es das wirklich gewesen sein? Die Fähre gehört nun mal zu unserer Elbe. Wir kämpfen weiter ...“ Jutta Schröder war vor 22 Jahren auch diejenige, die den ersten Eintrag in das Gästebuch geschrieben hatte. Damals schrieb sie: „Als alte Elb- röwer begrüßen wir das neue Team der Fähre und wünschen stets gute Fahrt.“

Einige Ferchländer hatten gestern Morgen sogar ihren Aufenthalt ins Freie verlegt, um vom Steilhang aus die Abfahrt des Fährschiffes in Richtung Industriehafen Magdeburg nicht zu verpassen. Und auch auf der anderen Seite wurde der Abtransport mit unguten Gefühlen beobachtet.

Proteste halfen nicht

Nach den Protesten der vergangenen Wochen auf beiden Elbseiten, die am Entschluss, stillzulegen, nichts ändern konnten, ist die Enttäuschung groß. „Es ist unfassbar, was da passiert“, kommentiert Stadtratsmitglied Christoph Plötze (CDU) aus Grieben über Facebook. Und auch Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte (WG Altmark-Elbe) ist fassungslos. „Das war doch ein abgekartetes Spiel“, sagt sie der Volksstimme gegenüber mit Blick auf den in der Vorwoche kurzfristig ins Gespräch gebrachten privaten Investor, der am Freitag kurzfristig sein Angebot zurückgezogen hatte (Volksstimme berichtete).

Dieser hätte durchaus eine Verlängerung des Fährenzeugnisses erreichen können, erklärte Bürgermeisterin Nicole Golz auf Nachfrage. Eine einfache Verlängerung aber hätte es nicht gegeben, macht sie klar und weist die Kritik Rita Plattes zurück, die von einer automatischen Verlängerung des Fährzeugnisses gesprochen hatte.

„Wenn nicht beabsichtigt ist, die Revision durchzuführen, kann ich auch nicht das Fährzeugnis verlängern lassen. Wenn ich eine Prüfung beantrage, muss ich diese auch durchführen.“ Die Fährleute wurden übernommen oder hätten bereits eine neue Anstellung gefunden, erklärt sie.

Der Bundestagsabgeordnete und Stendaler Kreisvorsitzende Marcus Faber (FDP), der vor einer guten Woche zu den wenigen Politikern bei einer Kundgebung in Ferchland gehört hatte, fordert eine dauerhafte Sicherung des Fährbetriebes und schlägt gemeinsam mit dem FDP-Kreisvorsitzenden im Jerichower Land, Allard von Arnim, vor „die Kosten zwischen beiden anliegenden Gemeinden und Landkreisen aufzuteilen sowie das Land mit einzubeziehen“.

Politik will andere Lösungen suchen

Nach dem Aus des Fährbetriebes wollen sich nun die Anrainer gemeinsam für eine nachhaltige Elb-Querung einsetzen. Landrat Steffen Burchhardt, Jerichower Land, teilt in einer gemeinsamen Presseerklärung der Bürgermeister Nicole Golz (EG Elbe-Parey), Andreas Brohm (EG Stadt Tangerhütte) und Harald Bothe (EG Stadt Jerichow) sowie der beiden Landräte Patrick Puhlmann (Stendal) und Steffen Burchhardt (Jerichower Land) mit: „ Auch wenn der Fährbetrieb jetzt eingestellt wird, ist das Thema noch nicht vom Tisch. Wir suchen gemeinsam nach einer dauerhaft tragfähigen Lösung.“ So sollen andere technische Lösungen, wie beispielsweise eine Gierfähre, geprüft werden, die auch bei Niedrigwasser fahren könnte. Mit Hilfe eines Gutachtens soll auch die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten geprüft werden.