Stendal l Eine heftige Debatte wegen der deutlich gestiegenen Kosten für den Grundschul-Neubau am Haferbreiter Weg? Fehlanzeige im Finanzausschuss. Der stimmte der Entwurfsfassung und der aktualisierten Kostenberechnung problemlos zu.

Wenn die Entwurfsplanung für den Schulneubau und die aktualisierte Kostenberechnung – diese sieht aktuell Gesamtkosten von rund 7,4 Milionen Euro vor – am 2. Dezember den Stadtrat passieren, soll es mit dem Großvorhaben zügig weitergehen. „Unser Ziel ist, dass noch im Dezember der Bauantrag eingereicht wird“, sagte Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung, während der Finanzausschusssitzung. Bis Jahresende soll zudem der Fördergeldantrag über knapp 906.000 Euro aus dem Programm „Verbesserung der Schulinfrastruktur“ gestellt werden. Ein Förderantrag über rund 135.000 Euro aus dem Programm „Digitalpakt“ soll im kommenden Frühjahr folgen.

Der Plan sehe vor, 2020 mit dem Bau zu beginnen, gerechnet werde mit 12 bis 15 Monaten Bauzeit, so Westrum. Offiziell ist noch immer geplant, die neue Grundschule, die ein Ersatzneubau für die Petrikirchhof-Grundschule ist, zum Schuljahr 2021/22 zu eröffnen. Entstehen wird ein zweigeschossiges, langgezogenes Gebäude, das komplett barrierefrei ist.

Bilder

Gebäude könnte etwas kleiner werden

Es wird eine 199 Quadratmeter große Aula mit einer lichten Höhe von knapp sechs Metern geben, die gleichzeitig als Speiseraum genutzt werden soll, dazu Fachunterrichts- und Klassenräume. Zwischen zwei Räumen gibt es jeweils einen Verbindungsraum, der unter anderem für Gruppenarbeit genutzt werden kann. Für jeweils zwei Räume plus Verbinder gibt es eine Art Vorraum für die Garderobe. „Das ist eine großartige Idee, so bleiben die Flure frei“, freut sich SPD-Stadträtin Rita Antusch. Einige der Schulräume werden am Nachmittag vom Hort genutzt.

Auch wenn die Planung im Wesentlichen steht, gibt es noch einige offene Punkte – die sich positiv auf die Kosten auswirken könnten. Unter anderem wird derzeit geprüft, ob die Breite der Schultreppe um einen Meter reduziert werden könnte. Ein weiterer Vorschlag: Die Gesamtbaulänge des Gebäudes um 4,50 Meter zu reduzieren. Das ließe sich umsetzen, ohne die Raummindestanforderungen zu unterschreiten. Eine weitere Überlegung ist, direkt im Eingangsbereich eine zusätzliche Toilette zu installieren, die die Schüler vom Außengelände her schnell erreichen.

„Wir können mit dem, was jetzt geplant ist, gut leben. Das ist gut handhabbar“, sagte Ines Albrecht, Leiterin der Petrikirchhof-Grundschule, die zusammen mit Hortleiterin Anke Wetzel von Anfang an in die Planung einbezogen wurde. „Wir konnten Wünsche und Bedenken äußern“, lobte Ines Albrecht die Zusammenarbeit. Dabei habe sie mitbekommen, welche Zwänge bei so einem Vorhaben bestehen und dass das, was rauskommt, „Kompromisse sind“.

Mit 3,2 Millionen Euro gestartet

Während der Finanzausschusssitzung stellten Vertreter der Verwaltung und der projektsteuernden Firma Saleg nicht nur den Bau vor, sondern auch die Kosten. Mit 3,2 Millionen Euro als Vorgabe war in den Architektenwettbewerb gestartet worden. Der Sieger­entwurf lag bei 3,8 Millionen Euro Gesamtkosten, der Mittelwert aller eingereichten Beiträge sogar bei vier Millionen Euro. Im Zuge der Detailplanungen wurde unter anderem der Bereich zwischen Grundschule und Sporthalle noch einbezogen, wo 60 Stellplätze geschaffen werden.

Korrekturen nach oben beim sogenannten Baukostenindex-Regionalfaktor – ein Multiplikator, der die Baukosten in verschiedenen Regionen vergleicht –, bereits gestiegene Preise im Bausektor und perspektivisch weiter steigende Preise, die Einbeziehung der EDV-Ausstattung und der Einbaumöblierung, die von den Bauwerkskosten abhängigen und damit steigenden Honorare für Architekten und Ingeniere – Amtsleiter Georg Wilhelm Westrum listete einige Punkte auf, um die auf derzeit 7,4 Millionen Euro gestiegenen Bruttogesamtkosten zu begründen.

Auch nach dem Anstieg seien die Kosten immer noch günstiger als die Sanierung der Petrikirchhof-Grundschule, sagte Westrum mit Verweis auf eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Ein Ergebnis, das Peter Sobotta (Freie Stadträte Stendal) nicht überrascht. Er formulierte es als Frage: „Das Fördergeld gibt es nur für einen Ersatzneubau. Darum muss das Ergebnis so sein?“ Amtsleiter Westrum: „Ja.“