Aufführungen in Schulen – und einmal öffentlich

Das neue Klassenzimmerstück des TdA „The Weight of Water“ (deutscher Titel: „Die Sprache des Wassers“) basiert auf Sarah Crossans vielfach preisgekröntem, hochaktuellem Jugendroman. Die junge britische Autorin schärft mit ihrer Geschichte den Blick für die Situation aller, die sich in einem neuen, fremden Land zurechtfinden müssen.

Erzählt wird die Geschichte der Austauschschülerin Kasienka aus England, die ein Schuljahr in der Altmark verbringt. Im Englischunterricht sollen die Schüler ein Referat über ihr Hobby halten. Kasienka erzählt über das Schwimmen, das ihr schon oft in schwierigen Zeiten Halt gegeben hat. Es ist noch gar nicht lange her, dass das Mädchen mit seiner Mutter von Polen nach England ausgewandert ist. Heute, 15-jährig, erzählt Kasienka ihren Mitschülern davon, wie schwierig es war, sich einzuleben, ständig von dem Gefühl geplagt, dass man immer irgendwie falsch ist…

„The Weight of Water“ wird in englischer Sprache gespielt und ist für Schüler ab Klasse 8 geeignet. Zur Vorbereitung stellt das TdA eine Materialmappe mit Informationen zum Stück, Textauszügen und Vokabelteil zur Verfügung. Im Anschluss an das Stück findet eine 45-minütige Nachbereitung (auf Deutsch) statt.

Interessierte Lehrer können sich unter gastspiel@tda-stendal.de oder 03931/63  57  15 melden.

Am Donnerstag, 1. Dezember, findet die einzige öffentliche Aufführung von „The Weight of Water“ statt: um 19.30 Uhr im TPZ (Theaterpädagogisches Zentrum des TdA). Sie richtet sich auch an Erwachsene.

Karten dafür sind erhältlich unter www.tda-stendal.de, unter Tel. 03931/63  57  77 oder direkt an der Theaterkasse.

Stendal l Beim Lesen der Inhaltsbeschreibung des neuen Klassenzimmerstücks des TdA bekommt man womöglich den Eindruck, hier werde eine tränenrührige, erzieherische Geschichte erzählt. Und mancher denkt vielleicht: ‚Ach ja, schon wieder so eine Migranten-geschichte...‘ Simone Fulir, die Darstellerin der 15-jährigen Austauschschülerin Kasienka, sieht „The Weight of Water“ aber eher so: „Es ist eine Teenager-Geschichte, die für diese Altersklasse aktuell und interessant ist. Es gibt nachdenkliche Szenen, aber auch sehr witzige. Ich glaube, jeder Jugendliche findet sich darin wieder, weil es um Probleme geht, die man auch hat, wenn man nicht in einem anderen Land ist, und man sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen würde.“

Reaktionen ganz direkt

Für Schauspieler haben die Klassenzimmerstücke womöglich etwas von Lehrer-sein an sich: Sie stehen allein da vorn, schauen in eine mehr oder minder träge oder interessierte Menge, versuchen an den Gesichtern, in den Augen irgendeine Form von Reaktion zu entdecken und sich danach auszurichten. „Das ist für mich aber auch das Besondere, und das Spannende“, sagt Fulir. „Zwar bin ich ganz auf mich allein gestellt, muss viel konzentrierter sein, aber ich habe auch mehr Freiheiten. Denn ich kann individuell auf mein Publikum eingehen, kann spontan etwas ausprobieren, man bekommt die Reaktionen direkt.“

Sie habe durch ihre bisherigen Solo-Auftritte in Klassenzimmerstücken wie auch in Monolog-Stücken mittlerweile ein Gespür dafür entwickelt, „was ich tun kann, um sie mit ins Boot zu holen oder wieder zu ‚wecken‘. Man muss jedes Mal wieder neu gucken, wie kriegt man sie, wie kommt man an den Einzelnen ran?“ Außerdem sei jede Klasse anders. „Und wenn es einem Schüler partout nicht gefällt, er sich nicht berühren lassen möchte, dann ist es eben so.“

Schüler kamen sprachlich gut mit

In der Nachbesprechung zur Premiere im Hildebrand-Gymnasium jedenfalls habe sich gezeigt, dass die Schüler sich sehr gut inhaltlich vorbereitet hatten und auch sprachlich gut mitkamen. Schließlich wird „The Weight of Water“ auf Englisch aufgeführt. Fulirs Eindruck: „Die Schüler konnten sich in die Situation des Mädchens gut hineinversetzen: dass man irgendwo neu ist und keinen Anschluss findet und eigentlich am liebsten nur so sein will wie alle anderen.“

Das Gefühl, fremd zu sein, nicht dazuzugehören, kennt die Schauspielerin Simone Fulir zwar auch, aber in vergleichsweise harmlosem Ausmaß. „Ich wurde nie gemobbt oder ähnliches.“ Aber als sie etwas länger als ein Jahr für Schauspiel-Workshops in New York war, merkte sie, dass man als Nicht-Muttersprachler doch ein wenig im Abseits steht. „Smalltalk ist kein Problem, aber richtig Freundschaften schließen und tiefe Gespräche führen... Immer hat man das Gefühl, man ist dümmer als die anderen, nur weil man sich nicht so ausdrücken kann wie in der eigenen Sprache.“

Kulturell hingegen sei ihr, gerade auch im Zusammensein mit den anderen Schauspielern aller möglichen Nationalitäten, nie befremdlich zumute gewesen. „Ich hatte eher den Eindruck, letztlich empfinden doch alle Menschen gleich.“