Stendal l Zwei holländische Meisterschaften, drei Qualifikationswettkämpfe für die Deutschen Meisterschaften, in diesem Jahr die dritte Deutsche Meisterschaft – die Saat der engagierten und sichtbar erfolgreichen Arbeit des Stendaler Aero-Clubs in Zusammenarbeit mit der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel mbH ist aufgegangen. Dass bei mehr als 1200 Luftsportvereinen in Deutschland immer wieder nationale und mit der Segelflug-WM im kommenden Jahr auch internationale Meisterschaften nach Stendal vergeben werden, findet der Aero-Club-Vorsitzende Sieghard Geyhler „eine tolle Wertschätzung, die wir uns erarbeitet haben“. Die sich der Verein erarbeitet hat, mit seinen rund 120 Mitgliedern der größte im Luftsportverband Sachsen-Anhalt.

Punkten kann der Stendaler Flugplatz zudem mit einer fast zwei Kilometer langen Start- und Landebahn, einem Zeltplatz und der Unterstützung der Gesellschafter, zu denen neben dem Aero-Club der Landkreis Stendal und die Hansestadt Stendal gehören. Gemeinsam wurde in die Infra­struktur investiert, zuletzt in die Verbesserung des Wlan-Angebotes auf dem gesamten Platz.

Christoph Barniske ist sportlicher Leiter

Seit 1996 betreibt der Stendaler Flugsportverein eine intensive Segelflug-Abteilung. Einer, der als Schüler dort das Segelfliegen gelernt hat, ist Christoph Barniske. Er wird nicht nur während der Deutschen Meisterschaft im Juli als sportlicher Leiter fungieren, sondern 2020 auch bei der Weltmeisterschaft. Die Wettkampfleitung übernimmt wieder Henning Schulte, Präsident des Landesluftsportverbandes. Ausrichter der Meisterschaft ist der Stendaler Aero-Club, Veranstalter die Bundeskommission Segelflug im Deutschen Aero-Club.

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Offiziell eröffnet wird die Deutsche Meisterschaft am Montag, 8. Juli, dem ersten Wertungstag. Die Teilnehmer reisen aber schon früher an, denn vom 3. bis 6. Juli sind Trainingsflüge möglich, für den 6. Juli ist eine große Willkommens­party geplant und für den 7. Juli ein Pflichtbriefing für alle Starter, Helfer und Piloten der Schleppflugzeuge. Beim täglichen morgendlichen Briefing – in diesem Jahr wegen der ausländischen Teilnehmer schon in englischer Sprache – gibt es Informationen zu den Wettkampfaufgaben und zum Wetter.

90 Teams starten

Erwartet werden etwa 90 Teams, die in zwei Klassen starten: Offene Klasse und Doppelsitzer. Zudem können Sportler in einem WM-Trainingswettbewerb in der 18-Meter-Klasse starten. Denn nicht nur für die Organisatoren ist diese DM die Generalprobe für die Segelflug-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, sondern auch für einige der Teilnehmer. Darum starten Teams aus Japan, Polen, Dänemark, Rumänien, Italien, Tschechien, Schweden, den Niederlanden und der Schweiz. Für die Starter aus Deutschland geht es bei der Meisterschaft um einen Platz in der Nationalmannschaft, die dann 2020 an der WM teilnimmt.

„Wir sind gut vorbereitet“, sagt Sieghard Geyhler. Mit finanzieller Hilfe aus dem Sportstätten-Förderprogramm – Land, Landkreis und Kreissportbund haben sich beteiligt – ist das etwa 30 Hektar große Segelfluggelände saniert und zum Teil neu erstellt worden. Unebenheiten wurden beseitigt, der Unrat abgesammelt, Rasen nachgesät. „Jetzt können wir das gesamte Areal nutzen“, freut sich der Aero-Club-Vorsitzende. Es wurden neue Fahnenmasten aufgestellt. Im nächsten Jahr sollen dort die Fahnen der teilnehmenden Nationen wehen, in diesem werden es die der Bundesländer sein.

Eröffnungsfeier auf dem Marktplatz

Zur Weltmeisterschaft wird es ein deutlich umfangreicheres Programm geben, zu dem eine Eröffnungsfeier – geplant ist diese auf dem Stendaler Marktplatz – ebenso gehört wie ein öffentlicher Flugtag, eventuell Vorträge und Kulturveranstaltung.

Etwa 50 Helfer aus den eigenen Vereinsreihen werden bei der DM für einen reibungslosen Ablauf sorgen – bei der Versorgung, beim täglichen Wiegen der Segelflugzeuge, beim Start, im Wettkampfbüro oder abends am Bierwagen. „Wir schaffen es mit eigener Kraft“, freut sich Sieghard Geyhler über die mit den Jahren gestiegene Bereitschaft zur Mithilfe.

Etwa 50 Helfer sind dabei

Und er betont auch gern, dass die Deutsche Meisterschaft und im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor sind. Denn es werden Pensions- und Hotelzimmer belegt, die Teams kaufen in Lebensmittelgeschäften oder beim Bummel durch die Innenstadt ein, nutzen den morgendlichen Brötchenservice eines Stendaler Bäckers, der mit seinem Verkaufswagen zum Flugplatz kommt.

Sie besuchen an Tagen ohne Flugwetter zum Beispiel Museen, gehen mit der mitgereisten Familie ins Freibad oder nehmen an Stadtführungen teil, genießen die Stendaler Gastronomie. Da zu den Teams meist zwei bis drei Leute gehören, werden etwa 300 Teilnehmer und Gäste zur DM erwartet.