Stendal l Läuft man als Tourist oder Neuling abends durch Stendal, fällt auf, dass das Tangermünder Tor am Ende der Schadewachten beleuchtet wird. Ein sehr schöner Anblick im doch sonst so tristen November. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass eine Stadt ein Wahrzeichen beleuchtet. Schließlich handelt es sich hierbei um das älteste Torgebäude einer Stadtbefestigung in Norddeutschland.

Seit Mai 2019 werde das Tor das ganze Jahr über beleuchtet. Die Schaltzeiten hingen vom Sonnenauf- und Sonnenuntergang ab, teilt Pressesprecher Armin Fischbach mit. Die Kaschade Stiftung ist der Initator gewesen. Das Tangermünder Tor erstrahlt nun seit eineinhalb Jahren durch 42 LED-Leuchten. Das Projekt kostete damals 27 000 Euro.

Soweit so gut. Streift man aber in der Dunkelheit weiter durch Stendal und hofft, dass noch andere Sehenswürdigkeiten beleuchtet werden, wird man enttäuscht. Weder der Dom, noch das Uenglinger Tor stechen aus der Dunkelheit hervor.

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Kein einheitliches Konzept

Es gebe kein einheitliches Beleuchtungskonzept, sondern das Tangermünder Tor sei eher als kleines optisches Highlight im Stadtbild gedacht, begründet Fischbach. Weiter führt er aus: „Wir sind auch nicht der Ansicht, dass jedes Gestaltungselement auf jedes Bauwerk und jede Sehenswürdigkeit übertragen werden muss.“ Die Besonderheit der Beleuchtung solle einem Bauwerk zugutekomme und es dadurch von anderen Sehenswürdigkeiten abheben, antwortet Armin Fischbach weiter.

Die Frage, ob noch weitere Bauwerke künftig beleuchtet werden sollen, verneint der Pressesprecher allerdings. So bleibt das Tangermünder Tor wohl vorerst die einzige Sehenswürdigkeit Stendals, die in der Dunkelheit sofort ins Auge springt.

Kommentar von Leonie Dreier: Taschenlampe als Retter der Not

Es ist aus touristischer Sicht nicht nachvollziehbar, dass nur das Tangermünder Tor als einziges Wahrzeichen der Stadt beleuchtet wird. Wenn dem Uenglinger Tor diese Ehre auch zugute käme, würde dadurch eine passende Einheit entstehen. Aber auch der Dom sollte nicht vernachlässigt werden. Andere Städte tun das auch. Aber in Stendal stolpert der Fremde in völliger Dunkelheit an den Bauwerken vorbei und muss sich die Wahrzeichen mit Taschlampe selbst anstrahlen, wenn er sie sehen möchte.