Stendal l Gute Karten auf der Hand zu haben, ist natürlich die Grundbedingung. Doch allein damit ist ein Skatspiel noch nicht gewonnen. „Man muss das Spiel lesen“, sagt Heinz-Jörg Feuerschütz und meint damit, aus dem Reizen Hinweise herauszuhören, welche Karten die beiden anderen Spieler am Tisch haben könnten.

Erfahrungen helfen dabei, aber auch regelmäßiges Training. Der Stendaler trainiert jeden Tag, spielt gegen sich selbst, übt so das Mitzählen – eben das Lesen des Spieles. Davon möchte der 69-Jährige, der Ende des Monats seinen runden Geburtstag feiert, auch bei den Deutschen Meisterschaften profitieren. Er nimmt sogar an zweien teil.

Für die eine, die vom 15. bis 16. Juni in Würzburg vom Deutschen Skatverband ausgetragen wird, hat sich Heinz-Jörg Feuerschütz mit einem dritten Platz bei der Einzel-Landesmeisterschaft bei den Senioren qualifiziert, die Anfang April in Ebendorf bei Magdeburg ausgetragen worden war.

In Würzburg hat der Stendaler sogar einen ganz wichtigen Auftritt: „Dort wird mir eine besondere Ehre zuteil. Ich darf beim Einmarsch der einzelnen Bundesländer als Fahnenträger die Delegation aus Sachsen-Anhalt anführen.“ Sachsen-Anhalt, sagt der 69-Jährige, „ist stark im Skatspiel. Ein relativ kleines Bundesland, aber sehr effektiv.“ Es gibt im Landesverband 37 eingetragene Vereine.

Immer freitags wird im Verein gespielt

Mit dabei ist Heinz-Jörg Feuerschütz schon bei den offenen internationalen Deutschen Skat-Meisterschaften, die vom 29. Mai bis 2. Juni in Magdeburg von der Internationalen Skatvereinigung ausgetragen werden. Dafür muss man sich zwar nicht qualifizieren, aber wegen der begrenzten Teilnehmerzahl bekommt auch nicht jeder eine Startberechtigung.

Der Stendaler hat seine seit Wochen in der Tasche. Für ihn sind beide Teilnahmen schon ein Gewinn. „Egal, wie die Ergebnisse ausfallen, für mich persönlich ist es ein erfolgreiches Jahr voller sportlicher Höhepunkte“, sagt der Skatspieler.

Während er schon mehrfach auf Landesebene bei Meisterschaften gespielt hat, ist die DM-Teilnahme eine Premiere. „Da geht man mit einem größeren Respekt heran, es wird eine Herausforderung werden“, gesteht der Stendaler, der schon in der Jugend gern, aber unregelmäßig Skat gespielt hat.

Viele Jahre später hat er von Bekannten gehört, dass es in Stendal den sehr aktiven Verein „Lustige Buben“ gibt. Dessen Mitglieder treffen sich immer Freitagabend ab 18 im Hotel „Stadt Stendal“.

Ganz selbstbewusst ging Heinz-Jörg Feuerschütz zu einem der Treffen. „Ich habe gedacht: Mensch, ich kann doch spielen. Dann habe ich aber recht schnell gemerkt, dass Skatspielen nicht wie Radfahren ist“, erinnert er sich an die Anfänge als „lustiger Bube“. Einmal gelernt und dann beherrscht man das Spiel – falsch gedacht, dafür muss noch viel mehr gelernt und vor allem gespielt werden.

Mittlerweile sind viele Jahre ins Land gezogen, Heinz-Jörg Feuerschütz ist seit 2014 Vorsitzender des vor etwa 45 Jahren von Siegfried Seifarth gegründeten und aktuell 23 Mitglieder starken Vereins. Sei­farth und Ralf Jeberin sind seine Stellvertreter an der Vereinsspitze. Die „Lustigen Buben“ spielen in der Landesliga, nehmen regelmäßig als Mannschaft an Turnieren teil, einige Mitglieder sind Starter bei Meisterschaften.

Heinz-Jörg Feuerschütz hat mit seinem Ergebnis bei der Landesmeisterschaft in Ebendorf das Skatsportabzeichen in Bronze bekommen. „Für einen Laien ist das schon sehr gut“, sagt der Stendaler, der nicht nur Pokale, Urkunden und anderes als Erinnerung an Turniere und Meisterschaften sammelt, sondern auch die eigens dafür gedruckten Spiele.

Ob das Blatt mit 32 Karten ein französisches oder ein deutsches ist, ist für Heinz-Jörg Feuerschütz kein Thema. „Von den klaren Spielregeln einmal abgesehen, sollte es eigentlich egal sein, welches Blatt auf dem Tisch liegt. Ein guter Spieler schafft es mit beiden.“ Für ihn ist bei aller Konkurrenz die Fairness und der Respekt den anderen Spielern gegenüber wichtiger.

Altdeutsches Kulturgut und ein Denksport

Was er sich wünscht, ist Spielernachwuchs: „Skat ist ein altdeutsches Kulturgut und sollte auch von der heutigen Jugend gepflegt werden.“ Leider hafte dem 1813 von Bürgern und Edelleuten in Altenburg erfundenen Spiel das Image „vom angetrunkenen, nach Hause torkelnden Zocker an.

Das entspricht aber nicht der Realität“, sagt Feuerschütz. „Skat ist ein Denksport, der Konzentration und Kombinationsfähigkeiten verlangt.“ Wer etwas erreichen möchte, müsse genauso trainieren wie in anderen Sportarten. „Man muss immer klar und fit im Kopf sein.“

Mit Optimismus und der Hoffnung, das notwendige Quentchen Glück auf seiner Seite zu haben, geht Heinz-Jörg Feuerschütz bei den DM an den Start. Schon jetzt freut er sich darauf, dass sich die besten Spieler Deutschlands mit einem „Gut Blatt“ begrüßen.