Auch das noch nachgefragt...

Wohnt im Hause Golly auch ein Haustier?

Ja, ein Hund, ein Parson Russel Terrier

 

Gibt es bei all den Lebewesen im Tiergarten ein Lieblings­tier?

Bis zu meiner Schwangerschaft waren es die Raubkatzen, aber das ist auch schon 29 Jahre her. Jetzt sind es die kleineren Tiere, vor allem die Affen.

 

Haben Sie eines der Tiere daheim aufziehen müssen?

Ja, einen kleinen Luchs. Die Mutter hatte das Junge liegen gelassen. Ich dachte erst, es wäre tot, unter dem Pullover, mit der Körperwärme, wurde es dann aber wieder munterer. Wir haben ihn Lex getauft. Anfangs musste er alle zwei Stunden gefüttert werden. Ein Vierteljahr habe ich mich um Lex gekümmert, später kam er in die Filmtierschule von Joe Bodemann. Seither stehen wir unregelmäßig in Kontakt.

Stendal l Ich muss schon sagen: Beim Blick hinter die Kulissen lässt sich Anke Golly nicht lumpen – und startet unsere Gemeinschaftsschicht gleich mit den großen Tieren. Es geht zu den Schwarzbären Bödefeld und Paule, danach zu Tigerdame Tania. Nun ja, ehrlicherweise muss ich sagen: Ich starte meine Schicht nach kurzer Arbeitsschutzbelehrung bei Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze um 8.15 Uhr, da hat Anke Golly in ihrem Revier die erste Runde ihres Acht-Stunden-Tages schon geschafft. Im Sommer geht es morgens um 7 Uhr los, Dienstschluss ist 15.30 Uhr. Im Wechsel ist jeder mit einem langen Tag dran, dann bleibt der Kollege bis abends als Absperrdienst. Alle drei Wochenenden steht ein Dienst an.

Für Fleischfresser ist sonntags Diättag

Und schon geht’s los. Zu Bären und Tigerin begleitet uns Kollegin Ellen Furchheim. Denn dort gilt die Regel: immer zu zweit. Zuerst schauen wir bei den Brüdern Paule und Bödefeld nach dem Rechten. Aus einem Eimer fischt Anke Golly für jeden ein paar tote Küken. Die haben’s gut, denke ich, so ein Leckerli am Morgen. Das hat einen praktischen Hintergrund, erklärt mir die Zootierpflegerin: „Dann kennen sie das, wenn wir ihnen Medikamente oder eine Wurmkur verabreichen müssen.“ Ansonsten bekommen die Bären dreimal pro Woche eine Hauptmahlzeit aus Obst und Gemüse.

Bären sind gefährlicher als Tiger

Auch wenn Anke Golly berichtet, dass beide Bären „vom Charakter her ganz ruhig und anders als Braunbären sind“, bleibt doch die Feststellung: Die so gemächlich-gemütlich anzuschauenden Bärenburschen Paule und Bödefeld sind die gefährlichsten Tiere im Stendaler Tiergarten. „Sie stehen noch über dem Tiger“, sagt die 53-Jährige – eine passende Überleitung, denn genau dorthin führt uns der straff durchgetaktete Arbeitsablauf jetzt. Die Sibirische Tigerin Tania ist noch in einem Innengehege, schaut reserviert-skeptisch zu uns rüber. Nachdem alle Schieber geschlossen sind und die Sicherheit überprüft ist, machen sich Anke Golly und Ellen Furchheim ans Reinigen des Schlafbereiches. Ganz zum Schluss legt Ellen Furchheim ein rund acht Kilogramm schweres Stück Fleisch auf den Holzboden, am Abend vorher aus der Tiefkühltruhe genommen. „Das gibt es aber erst abends. Dann weiß Tania, dass es etwas zu Fressen gibt und geht schneller rein.“ Am Sonntag sieht das schon anders aus, denn sonntags ist für alle Fleischfresser im Tiergarten Diättag.

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Obst schneiden für die Affen

Bloß gut, dass wir keine Fleischfresser sind, dürften sich die Affen denken – denn für sie gibt es täglich eine ordentliche Portion Obst und Gemüse. Das natürlich geschnippelt werden muss – heute mal von mir, in der Regel helfen hier die Tierpfleger-Azubis aus dem Berufsbildungswerk Stendal. In der Futterküche des Affenhauses stellt mir Anke Golly mehrere leere Plastikschüsseln hin, gibt mir ein Messer und ein Brettchen, stellte in anderen Schüsseln eine Mischung aus Birnen, Tomaten, Äpfeln, Zucchini und Paprika zusammen – und fürs Affenklischee noch Bananen.

Während wir so nebeneinander fleißig schneiden, erzählt Anke Golly, dass sie ihre zweijährige Ausbildung zur Zootierpflegerin im Magdeburger Zoo absolviert hat, dass sie seit 1986 im Stendaler Tiergarten arbeitet und dass sie schon immer diesen Beruf ausüben wollte. Eine kleine „Mitschuld“ daran trage eine Tante, die im Veterinäramt gearbeitet hat, erzählt die Stendalerin.

Die fertigen Portionen kommen in den Kühlschrank. Sie sind das Futter für die größeren Affen für den nächsten Tag, für die Paviane, Bartaffen und Kapuzineraffen zum Beispiel. Auf deren Speiseplan stehen auch Hüttenkäse, Quark und Jogurt oder Haferflocken.

Reinigung im Affenstall

Die kleineren Affen kommen jetzt an die Reihe – und ich mit meiner nächsten Tagesaufgabe. Ich helfe Anke Golly beim Reinigen des Innengeheges der Totenkopfäffchen. Die sind draußen im dichten Grün gut beschäftigt, während ich damit beginne, mit einem Wischmopp die Heizkörper zu reinigen. Danach nehme ich Spachtel und Lappen und reinige gründlich alle Sitzflächen. Anke Golly reinigt die Boden, fegt den Kot und Abfall zusammen.

„Hygiene ist in den Gehegen sehr wichtig“, betont sie. Darum müsse täglich intensiv gereinigt werden. „Der größte Teil unserer Arbeit ist Futter schnippeln und Putzen“, sagt die Zootierpflegerin, die dennoch mit keinem anderen Beruf tauschen möchte. Am Ende müssen die Gitterfenster wieder sicher verschlossen werden – mit Karabinern, damit die geschickten Äffchen sie nicht aufbekommen. Dann öffnet Anke Golly die Klappe nach draußen – und schon traut sich der Mutigste der Totenkopfäffchen hinein, um ganz schnell wieder zu verschwinden. Gleich bekommen sie ihr Futter und dazu Tee. „Das Wasser hier ist zu hart, das ist für die kleinen Affen nicht so gut“, erklärt die Fachfrau und greift nach einem kleinen Plastikbehälter. Den nehmen wir mit ins Gehege der Rotbauchtamarine, eine Art der Krallenaffen.

Mehlwurm-Snack für die Rotbauchtamarine

Die kommen gleich angeklettert, denn den Behälter kennen sie ganz genau. Und vor allem seinen Inhalt: leckere Mehlwürmer für zwischendurch. So ein Lockmittel ist auch in ernsteren Situationen ein probates Notfallmittel. Vor einigen Jahren, als die Totenkopfäffchen noch in ihrem alten Gehege lebten, war eines der Tiere gestohlen und ausgesetzt worden. „Mit der Dose konnten wir es wieder anlocken. Wegen des Stresses ist das Äffchen aber leider gestorben“, erzählt Anke Golly.

Bevor wir das Gehege der Rotbauchtamarine verlassen, greift sie noch routiniert zu Handfeger und Kehrblech und fegt vor dem Zuhause der WG-Mitbewohner, Köhler-Schildkröten, das Stroh zusammen. Die nächste Station ist etwas, das sich Anke Golly – und heute ihrem „Kollegen“ – zwischendurch einfach mal gönnt: ein Kurzbesuch bei den Waschbären Freitag, Robinson und Caruso. Mit der Flasche aufgezogen, lassen sich die Wildtiere auf den Arm nehmen. Das Trio genießt die Streicheleinheit. Anke Golly auch: „Die Tiere geben die Liebe zurück.“ Danke für dieses schöne Schlusswort.

Mit diesem Teil endet die Sommerserie.