Stendal l „Darf ich noch einen?“, fragt Arne Lietz, als die Mitarbeiterin von Edeka Dorbritz die Kasse schließen möchte. Der Europaabgeordnete der SPD befindet sich derzeit auf den letzten Zügen seiner dreiwöchigen Sommertour durch Sachsen-Anhalt und machte gestern in Stendal halt.

Er startete seinen Besuch in der Supermarkt-Filiale am Schadewachten, um sich über Regionaliät, Nachhaltigkeit und Fair Trade mit den Einzelhändlern zu unterhalten. Nebenbei kassierte Lietz auch noch für den guten Zweck: Die Einnahmen während der rund halbstündigen Aktion kamen der Borghardt-Stiftung zugute, die für das Geld eine Schaukel für Rollstuhlfahrer anschaffen möchte.

Den Kassiervorgang hat Lietz schnell verinnerlicht. „Gar nicht schlecht für das erste Mal“, attestieren ihm die Mitarbeiter des Marktes. Auch wenn der gebürtige Güstrower bereits auf Erfahrungen im Einzelhandel zurückgreifen kann – er hat früher in einem Buchladen gearbeitet und während seiner Sommertour bereits ein kleines Praktikum in einer Tankstelle absolviert – unterschätzen sollte man die Arbeit an der Kasse nicht.

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Mitarbeiterin nach Straßburg eingeladen

„Das Kassensystem ist gar nicht mal so unkompliziert. Und dann sind da ja auch noch die Kunden, die viele verschiedene Sachen abfragen und mit denen man interagieren muss“, sagt Julian Böcker, Sprecher der Edeka, der extra aus Brüssel angereist ist.

Er war es auch, der Lietz vorgeschlagen hatte, auf seiner Sommertour mal in einem Markt vorbeizuschauen. Vorsichtshalber hat Bianka Dorbritz, Leiterin der Filiale am Schadewachten, dem Quereinsteiger mit Simone Hunger eine langjährige Mitarbeiterin zur Seite gestellt. Mit ihr unterhält sich der Europaabgeordnete immer wieder angeregt – und lädt sie kurzerhand zu einem Besuch in Straßburg ein. „Ich habe Sie bei Ihrer Arbeit besucht, dann besuchen Sie mich einfach bei meiner.“

Die Begegnung mit Menschen liegt Lietz. Scherzend unterhält er sich mit den Einkaufenden, ist stets hilfsbereit. „Sie machen das sehr gut, schön langsam. Vor allem für Ältere wie mich ist das toll, da kann ich schön einpacken“, lobt Karin Behrend lachend den SPD-Mann.

Kunden befürworten Aktion

Zwar wissen die meisten Kunden nicht, wer sie da gerade abkassiert, doch sie begrüßen die Aktion. „Für den guten Zweck ist das immer super. Und man bekommt die, die da so weit weg sitzen, auch mal zu Gesicht“, sagt Rilana Kruse. Lediglich eine der Befragten konnte das Gesicht zuordnen – die kam allerdings aus den eigenen Reihen: SPD-Kollegin Margaret Pardo-Puhlmann. Sie kaufte ebenfalls fleißig ein, um die Spende für die Borghardt-Stiftung zu unterstützen.

Auf die Frage, wie hoch Lietz die Einnahmen schätzt, antwortet er prompt: „342 Euro und 15 Cent.“ Damit verschätzte er sich um knapp 100 Euro: 440,36 Euro waren es insgesamt. Damit liege er gar nicht mal so schlecht für den ersten Tag, zumal er auch keinen Kassierfehler machte, lobt Bianka Dobritz. Sie rundete die Spende noch auf 500 Euro auf. „So viel haben wir auch fürs Tierheim gespendet, das ist schon in Ordnung so“, sagt sie.

Elimar Brandt, Vorstand der Stiftung, freut sich sehr über die Aktion: „Europa muss uns nahekommen. Das geht nur durch Menschen, die wie er hierher zu uns kommen.“