Stendal l Dienstwagenwechsel im Durchschnitt innerhalb von sieben Monaten, ein fast 80.000 Euro teurer, aber nutzloser Weinkeller und das Aushebeln nahezu jeglicher Kontrollinstanzen bei der Vergabe von Bauaufträgen – mit diesen Verfehlungen begründete Richter Christian Hachtmann vom Stendaler Landgericht am Dienstagmorgen sein Urteil nach einem dreijährigen Verhandlungsmarathon. Insgesamt hat die Kreissparkasse Stendal gegenüber ihrem Ex-Chef einen Schadensersatzanspruch von 302.298,40 Euro.

So sieht Christian Hachtmann einen Schaden von rund 128.000 Euro, weil Dieter Burmeister zehn Dienstwagen viel zu früh und mit zu hohem Wertverlust gewechselt habe. Angemessen sei eine Frist von drei Jahren. Beim Weinkeller, der für die meisten Schlagzeilen gesorgt hatte, sei dieses Ermessen nicht gegeben, betonte der Christian Hachtmann: „Dies diente nicht dem Wohle der Sparkasse, sondern war eigennützig motiviert." Dem heute 68-jährigen Dieter Burmeister sei dies auch „bewusst gewesen", unterstrich Christian Hachtmann.

Urteil ist nur Teilerfolg für Sparkasse

Im Baubereich habe Dieter Burmeister beim zuständigen Abteilungsleiter das Vier-Augen-Prinzip außer Kraft gesetzt und nicht einmal Pflichtkontrollen veranlasst, so Christian Hachtmann. Überhöhte Abrechnungen, nutzlose Gutachter- und Wartungsaufträge summieren sich hier auf 99.000 Euro.

Kellergeheimnis gelüftet

Stendal (mr/ta). Der Prozessreigen im Sparkassen-Skandal erlebte am Dienstag einen besonderen Moment: die Besichtigung des Weinkellers. Er liegt hinter zwei Stahltüren in den Katakomben.

  • Im Keller der Stendaler Kreissparkasse befindet sich der Weinkeller von Ex-Chef Dieter Burmeister.

    Im Keller der Stendaler Kreissparkasse befindet sich der Weinkeller von Ex-Chef Dieter Burmeis...
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Auch Sektflaschen gehörten zum Repertoire im Weinkeller.

    Auch Sektflaschen gehörten zum Repertoire im Weinkeller.
    Quelle: Marc Rath

  • Richterin Elisabeth Nortmann nahm nüchtern eine Bestandsaufnahme mit ihrem Diktiergerät vor.

    Richterin Elisabeth Nortmann nahm nüchtern eine Bestandsaufnahme mit ihrem Diktiergerät vor.
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Die Schrankwand ist mit Gläsern gut gefüllt.

    Die Schrankwand ist mit Gläsern gut gefüllt.
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • "Lager AV R 733" stand auf der Kellertür. Doch dahinter verbarg sich der geheime Weinkeller vo...
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Im Keller der Stendaler Kreissparkasse befindet sich der geheime Weinkeller von Ex-Chef Dieter Burmeister.

    Im Keller der Stendaler Kreissparkasse befindet sich der geheime Weinkeller von Ex-Chef Dieter...
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Korkenzieher, Teelichthalter und ein Aschenbecher - im geheimen Weinkeller von Ex- Kreissparkassenchef Dieter Burmeister könnte theoretisch jederzeit mit der Gemütlichkeit begonnen werden.

    Korkenzieher, Teelichthalter und ein Aschenbecher - im geheimen Weinkeller von Ex- Kreisspa...
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Hier gibt es jede Menge Auswahl. Der Wein soll jetzt versteigert werden.

    Hier gibt es jede Menge Auswahl. Der Wein soll jetzt versteigert werden.
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Eine kleine Weinauslese aus dem geheimen Weinkeller.

    Eine kleine Weinauslese aus dem geheimen Weinkeller.
    Quelle: Marc Rath

  • Auch technisch war an alles gedacht.

    Auch technisch war an alles gedacht.
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Für Überflieger: Die himmelblaue Decke des Raumes ist mit einem Pegasus und zahlreichen Wolken verziert.

    Für Überflieger: Die himmelblaue Decke des Raumes ist mit einem Pegasus und zahl...
    Quelle: Wolfgang Biermann

  • Der geheime Weinkeller von Ex-Kreissparkassenchef Dieter Burmeister.

    Der geheime Weinkeller von Ex-Kreissparkassenchef Dieter Burmeister.
    Quelle: Wolfgang Biermann

Das Urteil ist indes nur ein Teilerfolg für die Sparkasse. Deren Forderungen lagen bei etwas der doppelten Summe. Richter Christian Hachtmann kritisierte zudem, dass die Sparkasse eine Reihe von Vorwürfen nur abstrakt geschildert hatte. Daher muss Dieter Burmeister nur 35 Prozent der Kosten des Verfahrens tragen.