Stendal l Eigentlich, so hieß es am Montag noch aus dem Stendaler Rathaus, sollte die Rathenower Straße bereits für jeglichen Verkehr gesperrt sein, weil Großbaustelle. Dass sie es (noch) nicht ist, hängt mit den bereits laufenden Sanierungsarbeiten an und in den Kanalschächten der Abwasserleitung zusammen. Die Spezialisten werden dafür noch bis zum Wochenende brauchen, war vor Ort zu erfahren. Die Vollsperrung verschiebe sich bis zum Montag. Dann sei die Rathenower Straße aber wirklich dicht, denn ab 19. Juni werde die Fahrbahn gefräst.

Eineinhalb Jahre bis zur Fertigstellung

Trotz allem: An dem Ziel, die Straße bis zum November 2019 komplett, also im Bereich zwischen Ostwall und der Einmündung in die Karlstraße, saniert zu haben, lässt die Stadt, lässt deren Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum nicht rütteln. Aus gutem Grund. Dem ursprünglichen Plan hinkt das Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Stadtwerken und Abwassergesellschaft Stendal um Monate hinterher.

Im März hätte der Baustart vollzogen werden sollen, doch das Ergebnis der ersten Ausschreibung mit dem Anspruch, alle Leistungen von einer Firma erbringen zu lassen, lag finanziell um bis zu 50 Prozent über dem Planansatz. Unakzeptabel für die Stadt, deren Kostenanteil sich auf nicht mehr als 1,4 Millionen Euro belaufen sollte. Ergo gab es eine neuerliche, zweite Ausschreibung, die auch kleineren Firmen die Chance eröffnete, Leistungen aus dem Gesamtpaket zu erbringen.

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Besagtes Paket besteht zu erst einmal aus dem Tiefbau. Sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen im Unterbau der Straße (Schmutzwasser, Regenwasser, Trinkwasser und Strom) müssen saniert beziehungsweise erneuert werden. Dafür wurde die Straße in zwei Bauabschnitte unterteilt. Im ersten, der auf Höhe Commerzbank beginnt und an der Einmündung Ostwall endet, geht es am kommenden Montag los. Bis zum November 2018 soll der Tiefbau hier abgeschlossen sein und dieser Straßenabschnitt provisorisch soweit hergestellt werden, dass er zumindest für die Anwohner nutzbar ist.

Nahtloser Übergang

Im Frühjahr 2019 beginnt im Bauabschnitt 1 der eigentliche Straßenbau. Zeitgleich sollen im Bauabschnitt 2 (Commerzbank vorbei am Sperlingsberg bis zur Einfahrt Karlstraße) die Tiefbauer ihre Arbeit erledigen und damit zum Juni 2019 fertig sein, damit die Straßenbauer dann mit der Gestaltung der Fahrbahn und Nebenanlagen nahtlos aus Bauabschnitt 1 in Bauabschnitt 2 wechseln können. Apropos Gestaltung:

Bäume werden auch nach der Sanierung in der Rathenower Straße – außer den bereits vorhandenen des Baumtores – nicht wachsen. Sowohl Bauamtsleiter Westrum als auch die Projektleiterin Tiefbau, Ingelore Dopslaff, beteuern, dass Bäume oder anderes Grün entlang der Straße in die Planungen eingeflossen wären, wenn sich denn ein Platz für sie gefunden hätte. Doch den gebe es schlichtweg nicht, weil im Unterbau der Straße Leitung an Leitung liege und ein Überpflanzen derselben nicht möglich sei. Dass dafür zudem auf einige der insgesamt 27 Stellflächen für parkende Autos verzichtet werden müsste, sei auch ein, aber nicht der entscheidende Grund für den Verzicht auf Straßengrün.

Auf noch etwas – und zwar ganz bewusst – wird in der sanierten Rathenower Straße verzichtet: auf Barrieren wie Hochborde. Zwischen der sechs Meter breiten Fahrbahn und den Seitenbereichen wird es im 1. Bauabschnitt maximal drei Zentimeter hohe Rundborde geben, flach genug, um für Rollstuhlfahrer kein Hindernis darzustellen, und hoch genug, um Regenwasser abzuleiten und um von Taststöcken Sehbehinderter wahrgenommen zu werden.

Im zweiten Bauabschnitt wird auf der Fahrbahn-Nordseite im Verkehrsgebiet Sperlingsberg völlig auf diesen Bord verzichtet. Optisch, auch von der Art der Pflasterung her, wird so die Verbindung zum Sperlingsberg geschaffen.

Optisch keine Grenze mehr zum Sperlingsberg

Auf den Gehwegen werden beidseits Platten zu zwei Meter breiten Laufbändern verlegt, die von Kleinpflaster links und rechts begrenzt werden. Dadurch ergibt sich auf beiden Straßenseiten eine Gesamtwegbreite von mehr als drei Metern. An sie schließen sich ebenfalls beidseits der Straße (erster Bauabschnitt) Parkstreifen, sprich Pkw-Stellflächen an. In unmittelbarer Nähe zum Sperlingsberg wird links und rechts ein Behindertenparkplatz eingerichtet, die Bushaltestelle weiter Richtung Sperlingsberg verlegt.

Auf dem zweiten Bauabschnitt, dort also, wo die Rathenower Straße in den Schadewachten übergeht, wird es gegenüber der Einmündung Karlstraße eine Freifläche für die Außengastronomie geben. Endtermin für den Abschluss der Bauarbeiten soll der November 2019 sein, damit 2020/2021 die Sanierung des Schadewach- ten anschließen kann.