Stendal l In Stendal geboren und im Tangerhütter Ortsteil Schönwalde aufgewachsen, kennt Anne Allmrodt die östliche Altmark fast auswendig. Vor allem wisse sie, was das Zusammenleben auf dem Dorf so auszeichnet. „Ich konnte erleben, dass ein Dorf auch Familie bedeuten kann. Die Menschen interessieren und kümmern sich umeinander“, fasst die 28-Jährige, die an der Universität Bamberg am Institut für Geografie arbeitet, zusammen.

In der Berichterstattung von Politik und Wissenschaft finde dies aber ihrer Ansicht nach zu wenig Beachtung, stellt sie fest. Stattdessen werde verstärkt auf die Nachteile ländlicher Räume hingewiesen. Die Stichwörter kennt sie nur zu genau: Strukturschwäche, Abgehängtsein, Perspektivlosigkeit. „Studien sind veröffentlicht worden, die den Landkreis Stendal als Schlusslicht in Sachen Zukunftschancen beschreiben“, fasst sie die negativen Befunde zusammen.

Zu viel negative Berichterstattung

Dieser eklatante Gegensatz zwischen dem eigenen Erleben und den wenig schmeichelhaften Zustandsbeschreibungen veranlasste sie, das Thema in ihren eigenen Forschungen aufzunehmen. Deshalb widmet sie sich seit einiger Zeit in ihrer Doktorarbeit der Frage, inwieweit die oft attestierte Perspektivlosigkeit sich auf das dörfliche Zusammenleben in den Ortsteilen von Stendal und Tangerhütte niederschlägt.

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Insbesondere konzentriert sie sich dabei auf Orte, an denen Menschen zusammenkommen. „Dorfgenaue Untersuchungen darüber, welche verschiedenen Treffpunkte es in Dörfern eigentlich gibt und wie diese genutzt werden, bilden nach wie vor eine Forschungslücke, die ich nun durch mein Projekt etwas verkleinern will“, erklärt die gebürtige Altmärkerin ihren Ansatz.

Dabei stellt Anne Allmrodt einerseits die naheliegenden Fragen: Wo liegen die Treffpunkte in den Dörfern ganz genau? Handelt es sich beispielsweise um Dorfgemeinschaftshäuser oder Feuerwehrstützpunkte? Darüber hinaus verfolgt die Doktorandin einen weiteren Schwerpunkt, der sich ein wenig schwerer fassen lässt. Sie möchte nämlich den Zusammenhalt der Menschen in den Dörfern insgesamt untersuchen. Am ehesten lässt sich dieser Teil mit der emotionalen und sozialen Komponente des Zusammenlebens beschreiben.

Gemeinschaft auf dem Dorf

„Zusammenhalt ist in meiner Arbeit definiert durch den Begriff ‚Gemeinschaft‘. Ein wichtiges Kriterium ist hierbei das generelle Vertrauen zueinander“, erklärt die Forscherin die Theorie. Um zu belastbaren Ergebnissen zu kommen, plant sie, die Einwohner der Stendaler und Tangerhütter Ortsteile zu befragen. Dies wird einerseits ganz klassisch mit einem gedruckten Fragebogen passieren oder im Internet. „Der Online-Fragebogen wird über verschiedene digitale Kanäle wie soziale Medien und die Internetseiten der Einheitsgemeinden geteilt und ist über einen Link ganz einfach erreichbar“, erklärt Anne Allmrodt. Die gedruckten Bögen sollen mindestens zehn Prozent der Einwohner der Ortsteile erreichen.

Bisher jedenfalls würde die Resonanz auf das Projekt überwiegend positiv ausfallen. Dafür sei die Doktorandin sehr dankbar: „Nur durch die Mithilfe der Einwohner wird diese Studie erst möglich.“