Stendal l Der Intendant des Theaters der Altmark (TdA), Alexander Netschajew, wird Stendal verlassen. Wie er am Donnerstag mitteilte, habe er seinen Vertrag fristgemäß zum Ende der Spielzeit 2017/2018 gekündigt. „Aus familiären Gründen“, wie es in einer ersten schriftlichen Begründung hieß und wie Netschajew später der Volksstimme auch am Telefon bestätigte. „Ich möchte mir mehr Zeit nehmen für meine Lebensgefährtin und unsere Kinder, werde darum ein Sabbatjahr einlegen.“ Und er betonte in diesem Zuge, dass die Kündigung „keine Entscheidung gegen Stendal oder gegen das Theater, sondern für die Menschen, die mir nahestehen“, sei.

Dass er dennoch erst im vorigen Sommer seine Vertragsverlängerung bis 2022 unterzeichnet habe, habe daran gelegen, dass der Entschluss, wegzugehen, „erst peu à peu gereift“ sei. Die schon vollzogene Verlängerung sei für ihn aber „Bestätigung meines Engagements, dem des Ensembles sowie dem der gesamten Belegschaft des TdA“. Die Entscheidung habe er nun innerhalb der eineinhalbjährigen Kündigungsfrist getroffen. „Ich wollte einen sauberen Schnitt und nicht aus einem laufenden Vertrag rausflüchten.“

"War eine anspruchsvolle Aufgabe"

Etwa 70 Mitarbeiter und Schauspieler des Theaters erfuhren gestern Nachmittag in einer Betriebsversammlung von seiner Kündigung und seinen Gründen. „Es war ein sehr schönes Gespräch und es freut mich, dass man es eher traurig zur Kenntnis nimmt und anscheinend nicht unter innerem Jubel“, sagte Netschajew anschließend der Volksstimme.

Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) bedauere die Kündigung zwar, denn Netschajew habe „hervorragende Arbeit geleistet“. Er sehe es aber ebenso als „Normalität für Menschen, zu neuen Ufern aufzubrechen“. Die neuen Ufer liegen für Alexander Netschajew, 47 Jahre alt und gebürtig aus Berlin, nun in Bayern. Beruflich schmiede er noch keine Pläne, „die Spielzeit 2018/19 gehört meiner Familie“.

Netschajew war 2012 aus Landsberg nach Stendal gekommen. Die künstlerische und geschäftliche Leitung des TdA und das Haus „zukunftsfähig aufzustellen, war in den vergangenen fünf Jahren eine gleichermaßen anspruchsvolle wie auch erfüllende Aufgabe meines beruflichen Werdegangs“, begründete er.

Stellenplan gestärkt

Erreicht habe er in dieser Zeit, dass „Stellenplan und Verwaltungsstruktur des Theaters deutlich gestärkt wurden. Zudem wurde in den vergangenen Jahren begonnen, mit Landes- und kommunalen Mitteln den Investitionsstau abzubauen. So wurde ein Theaterbus angeschafft (2012), die Steuerung der Obermaschinerie erneuert (2015), ein IT-Netzwerk aufgebaut sowie die komplette Brandmeldeanlage (2016) ausgetauscht.“

Künstlerisch konnten die Sparten „Junges TdA“ und Bürgerbühne etabliert und ausgebaut werden. „Der Zuspruch bei Publikum und Kritik manifestiert sich sowohl in Rekordeinnahmen von über 650  000 Euro im Ticket- und Gastspielverkauf im Haushaltsjahr 2016 als auch in der Verleihung des Theaterpreises des Bundes 2015 durch Staatsministerin Monika Grütters.“

Er freue sich, „sagen zu können, dass ich meiner Nachfolgerin beziehungsweise meinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus werde übergeben können“. Dieser Nachfolger wird nun gesucht.

Im Juli fällt Entscheidung

Und das soll nach Auskunft der Rathaus-Pressestelle so vonstatten gehen: „In den nächsten Tagen erfolgt zunächst nach entsprechender Vorbereitung eine interne Ausschreibung. Anschließend, falls erforderlich, wird eine externe, bundesweite Ausschreibung veröffentlicht. Parallel dazu wird die Findungskommission gemäß der Theaterverträge gebildet. Beteiligt werden die Fraktionen des Stadtrates, das Kultusministerium des Landes, der Landkreis Stendal, der Deutsche Bühnenverein, die Personalvertretung und der Oberbürgermeister.“

Nach Ende der Bewerbungsfrist erfolgt im Mai die Sichtung der Bewerbungen und im Juni die Vorstellung der geeigneten Bewerber. Durch die Findungskommission werden bis Ende Juni zwei bis vier Bewerber dem Hauptausschuss des Stadtrates zur Entscheidung vorgeschlagen. Im Juli 2017 soll die Entscheidung über die neue Intendanz getroffen werden.