Stendal l „Lasst uns ruhig noch ein wenig plaudern. Dafür sind wir ja hier“, sagte Alexander Frank Zieglarski, als Claudia Klupsch vom Theaterförderverein befürchtete, sich in der Interviewrunde „zu verquatschen“ und dass die Darbietungen des Mimen zu kurz kommen könnten.

Und Zieglarski, der vor mehr als zwei Jahrzehnten zu den Gründungsmitgliedern des Jugendclubs des Theaters der Altmark (TdA) gehörte, wusste einiges zu erzählen: vom Start seiner Bühnenlaufbahn, von der Theaterschule, seinen Engagements und Rollen, aber auch von der Leere, die einen Künstler sein Arbeit hinterfragen lässt.

Eine frühe Bekanntschaft mit dem Theaterleben war programmiert, zeichnete seine Mutter doch für die Requisite im TdA verantwortlich. Im Theaterjugendclub stand er erstmals auf der Bühne: Im Stück „Auf der Mauer, auf der Lauer“ steckte er in einem Katzenkostüm. Dennoch war die Schauspieler-Karriere da noch weit entfernt. „Nach dem Abi hat ich keinen Plan“, erzählte er im Theatercafé. Um den Fragen am heimischen Abendbrotstisch zu entgehen, sei er nach Berlin gegangen und habe mit der Band „Kerosin“ erfolgreich Musik gemacht. Als die Gruppe sich auflöste und er wieder ein stückweit planlos war, schlug ihm ein Bekannter vor, Schauspieler zu werden.

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Im österreichischen Linz besuchte Zieglarski die Schauspielschule und dürfte da seinen Silvesterauftritt in „Der Lebkuchenmann“ nicht vergessen. Das war eine Doppelvorstellung, „und weil Silvester war, haben wir Studenten uns gesagt, da trinken war mal einen“, erinnerte er sich und schob nach: „Die zweite Auftritt war schon echt grenzwertig.“

Erinnerungen an „Blues Brothers“

Solche Kapriolen gab es dann am Landestheater Detmold wohl nicht. Dafür anspruchsvolle und schöne Rollen wie in Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ und Goethes „Werther“. Zum 2000. Jahrestag der Schlacht im Teutoburger Wald zwischen germanischen Stämmen und römischen Legionen im Jahre 9 spielte Zieglarski dann den Hermann in „Die Hermannsschlacht“. „Da durfte ich Frau Merkel unterhalten. Sie kam mit einem Hubschrauber zur Aufführung“, erzählte der Schauspieler, der inzwischen 40 Jahre alt und Familienvater ist.

Auf Detmold folgte Greifswald, wo Zieglarski in der sechsten Spielzeit am Theater Vorpommern auf der Bühne steht. So in „Arsen und Spitzenhäubchen“ und aktuell in der Titelrolle in „Faust. Ein Fragment“. Von Klupsch nach seiner schönsten Rolle in der Greifswalder Zeit befragt, überlegte Zieglarski nicht lange: die „Blues Brothers“. Er begründete: „Tolle Musik, stets ein volles Haus.“ Und dann war da noch die Platte aus den 1980er Jahren mit den Hits der „Blues Brothers“, die ein begeisterter Zuschauer ihm nach einer Aufführung als Geschenk auf die Bühne brachte.

Begeistert waren auch die Zuschauer im Theatercafé, darunter Verwandte und Freunde. Schließlich plauderte Zieglarski nicht nur lebendig, freimütig und zumeist humorvoll, sondern wartete auch mit Programmausschnitten auf. Bei einer Szene aus „Die Mitschuldigen“, einer Komödie von Goethe, untersuchte er den Inhalt der Handtasche einer Besucherin, dann las er eine Geschichte aus Horst Evers „Gefühltes Wissen“ und erinnerte bei einem Blues, begleitet vom TdA-Theaterpädagogen Robert Grzywotz – „Wir kennen uns seit 33 Jahren“ – an seine musikalische Vergangenheit.

Das Schreiben als neue Passion?

„Menschlich“, kommentierte Klupsch, als der Gast des Theaterfördervereins bei „Ein Volksfeind“ von Ibsen stockte. „Ich habe einen Hänger. Das passiert auch“, entschuldigte er sich und erntete ein „Alles gut“ einer Zuschauerin.

Fast zum Ende des Abends wartete Zieglarski, der trotz Schauspielerei, inzwischen auch Regieführung, Schreiben und Familie täglich sechs Stunden Schlaf findet, mit einer Leseprobe aus einer Geschichte auf, die aus seiner eigenen Feder stammt: „Dickes Fell – Bärenfalle“. In der skurillen Geschichte erzählt er von der Resignation eines Mannes bei der Suche nach einer Frau und dessen Faszination am Tod. Das Stück soll übrigens im Juni in Greifswald seine Premiere erleben.

Für Zieglarski neigt sich damit offensichtlich seine Zeit am Theater Vorpommern dem Ende entgegen. „Ich brauche eine Pause, fühle, dass mein Akku leer ist“, begründete er. Ohne Enttäuschung in der Stimme. Wohin die Reise gehe, wisse er noch nicht. Dass auf der Bühne stehen, reize ihn nicht mehr so sehr, aber: „Vielleicht schreibe ich mehr.“