Hintergrund

Im Mai dieses Jahres musste der Tourismusverein Insolvenz anmelden. Das Land hatte Fördermittel in Höhe von 70 000 Euro nicht ausgezahlt, weil es den Verein als „Unternehmen in Schwierigkeiten“ einstufte. Die Verantwortlichen um den Vereinsvorsitzenden und Salzwedeler Landrat Michael Ziche (CDU) sahen dies anders. Es habe keine Veränderungen im Finanzgebaren gegeben, nur eine Neubewertung durch die Landesinvestionsbank. Dem Verein, der zum Ende des Jahres aufgelöst werden soll, gehören rund 70 Mitglieder an – Kommunen und auch private Unternehmer.

Zum 1. Januar 2019 soll eine neue Organisation geschaffen werden, die die touristische Vermarktung der Altmark betreibt. Es soll ein Zweckverband gegründet werden, der von den beiden Landkreisen Stendal und Salzwedel sowie den Kommunen getragen werden. Private Mitglieder sollen über einen Förderverein angeschlossen werden. Die Kommunen sollen pro Einwohner einen Beitrag von 53 Cent bezahlen.

Stendal l In der Stendaler Stadtpolitik gibt es eine große Skepsis gegenüber einem neu zu gründenden Tourismus-Zweckverband. Im Hauptausschuss wurde ein Beitritt mit sechs Nein-Stimmen abgelehnt, die drei Vertreter der Fraktion Linke/Grüne stimmten dafür. Der bisher agierende Tourismusverband musste im Mai Insolvenz anmelden, nachdem es Unstimmigkeiten mit dem Land über Fördermittel gab. Eine endgültige Entscheidung zum Beitritt der Stadt soll im Stadtrat am 15. Oktober gefällt werden.

„Wir sehen den Mehrwert für die Stadt als gering an“, sagte Hardy Peter Güssau. Der Fraktionsvorsitzende von CDU/Landgemeinden sieht eine geplante üppige Personalausstattung bei dem Zweckverband, der zum 1. Januar 2019 seine Arbeit aufnehmen soll. Neben einem Geschäftsführer sollen vier Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Tangermünde arbeiten. „Das Konzept überzeugt mich nicht. Da bekommen wir dann ein paar neue Broschüren“, sagte Güssau. Dafür müsse die Stadt dann in zehn Jahren insgesamt 250.000 Euro bezahlen. Die Stadt müsse sowieso schon ein hohe Kreisumlage zahlen, da sei das nicht richtig angelegtes Geld, zumal „wieder Strukturen neben schon bestehenden Strukturen“ geschaffen würden. Er wies darauf hin, dass die Stadt eine Touristinfo betreibe.

Frage nach Insolvenz des alten Vereins bleibt

„Die Stadt kann sich selbst vermarkten“, findet auch Herbert Wollmann, der Fraktionsvorsitzende von SPD, FDP, Piraten und Ortsteile. „Wir kriegen da wieder was vorgesetzt, das wir nicht kennen. Wollmann kritisierte die „sehr oberflächlichen Beschreibungen“ der Aufgaben des Zweckverbandes. Und außerdem: „Bis jetzt wissen wir noch nicht mal genau, warum der alte Verein pleite gegangen ist.“

Nicole Laupsien vom Veranstaltungsmanagement der Stadt berichtete, dass in der Stendaler Tourist-Info hinsichtlich Broschüren „nur noch improvisiert“ werde. Teilweise würden Informationen für interessierte Gäste aus dem Internet ausgedruckt. Der stellvertretende Oberbürgermeister Axel Kleefeldt (CDU) verwies darauf, dass es beim Zweckverband um die touristische Vermarktung der gesamten Altmark gehe. „Das soll eine Marke werden. Es geht nicht um ein paar weitere Flyer“, sagte Kleefeldt.

Verband wird auf jeden Fall gegründet

Michaela Otto von der Kämmerei des Landkreises hatte den Hauptausschussmitgliedern, den Stand zur Neugründung des Zweckverbandes erläutert. „Der Verband wird gegründet, auch wenn Stendal nicht dabei ist“, sagte sie. In fast allen Kommunen der Altmark sei der Beitritt befürwortet worden. Auch die beiden Kreistage in Stendal und Salzwedel haben dem schon zugestimmt.

„Ich kann mir einen solchen Verband ohne Stendal nicht vorstellen“, sagte Joachim Röxe, der Fraktionsvorsitzende Linke/Grüne. „Es gibt mehr Chancen als Nachteile. Allein die Möglichkeit, an Fördermittel zu kommen, muss man dabei bedenken“, sagte er. Güssau sah dagegen, dass Stendal immer der große Zahlmeister sei. „Das sehen wir doch beim Theater, da machen andere sich aus dem Staub.“

Zur finanziellen Ausstattung sagt Landkreis-Mitarbeiterin Michaela Otto, dass bei der Gründung des Zweckverbandes darauf geachtet werde, dass der Verband nicht zu sehr von Fördergeld abhängig sei. Stendal hat jährlich 21.523,30 Euro eingeplant.