Jedes Jahr ein Findungsprozess, der gern von der Kritik der Christen beeinflusst werden darf

"Traditionskrippenspielgibt\'snichtmituns"

Von Anke Hoffmeister

Am Heiligen Abend werden die Besucher der ersten Christvesper in St. Stephan wieder mit einem Krippenspiel überrascht - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn jedes Jahr hat die Junge Gemeinde eine neue Idee, um die Weihnachtsbotschaft zu vermitteln.

Tangermünde l Jedes Jahr stehen die Mitglieder der Jungen Gemeinde von St. Stephan vor der gleichen Frage: Wie bringen wir die Weihnachtsgeschichte rüber, damit wir möglichst viele Menschen unserer Gemeinde erreichen? "Wir sind besorgt bei dem, was wir tun", sagt Matthias Schulz. Er gehört sozusagen zur Stammbesatzung des Krippenspiel-Teams, ebenso wie Stefan Kolata und Christian Sadel. Und diese Sorge ist nicht ganz unbegründet. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Besucher zur ersten Christvesper am Heiligen Abend abgenommen. Ob es tatsächlich an dem liegt, was die Junge Gemeinde hier auf die Beine stellt, ist nicht bewiesen.

"Gern hören wir uns konstruktive Kritik an."

Matthias Schulz

Denn auf eine Resonanz aus den Zuschauerreihen warteten die Jungen Christen bisher vergeblich. Wie auch soll die Junge Gemeinde wissen, was der großen Gemeinde am Heiligen Abend zur Christvesper mit Krippenspiel nicht gefällt, wenn keiner der Kritiker an sie herantritt."Nie haben wir einen direkten Rücklauf erlebt. Dabei würden wir uns konstruktive Kritik herzlich gern anhören", gesteht Matthias Schulz.

Eines wissen die jungen Tangermünder um den Drehbuchautor für das jährliche Krippenspiel, Christian Sadel, genau: "Wir wollen niemals das Silvester-Dinner- for-one-Niveau erreichen. Die ganz normale Weihnachtsgeschichte wird es mit uns hier nicht geben." Seit mindestens zehn Jahren spielen sie am Heiligen Abend nicht mehr die traditionelle Geschichte. Immer finden sich Maria und Josef mit den Engeln und Hirten in einer anderen Zeit wieder. Und das ist bemerkenswert.

In vielen gemeinsamen Stunden machen sich die Köpfe um Christian Sadel Gedanken darüber, wie sie die Botschaft der Weihnacht neu verpacken können. Dabei wollen sie die Besucher der Christvesper mitnehmen, ihnen die Augen dafür öffnen, dass Miteinander und Menschlichkeit nicht nur zu dieser einen Zeit im Jahr gefragt ist. "Lieb und nett, aber bestimmt möchten wir mit unseren Geschichten darauf hinweisen, wie man die Botschaft Weihnachten auch verstehen kann", berichtet Matthias Schulz.

13 junge Christen, hauptsächlich eine Stammbesetzung, die seit einigen Jahren gemeinsam in den Kirchengängen von St. Stephan am Heiligen Abend auftritt, proben seit dem 30. Oktober an jedem Sonntag in dem Gotteshaus. Noch sind die meisten mit ihren Texten in der Hand unterwegs. Lediglich Meike Knirsch, sie hat in diesem Jahr die Hauptrolle übertragen bekommen, kann einen Großteil ihres umfangreichen Textes bereits auswendig und spielt mit viel Spaß sowie großem Können.

"Niemand soll in Weihnachts-Hypnose fallen."

Wenn die Junge Gemeinde am Heiligen Abend mit dem Krippenspiel vor die Gemeinde tritt, dann will sie eines auf keinen Fall: "Niemand soll in Weihnachts-Hypnose fallen", lautet der Anspruch, den Matthias Schulz und alle anderen an ihr Stück stellen.

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder Josef und Maria, die Hirten und all die anderen Figuren aus der Weihnachtsgeschichte. Doch auch in diesem Jahr wird das Ganze wieder aus einer völlig anderen Sicht erzählt - interessant, bemerkenswert und zum Nachdenken anregend.