Stendal l Die nördliche Breite Straße sowie der Marktplatz sollen an den kommenden verkaufsoffenen Adventssonntagen für den Autoverkehr von 10 bis 20 Uhr gesperrt werden. Mit diesem Vorschlag wenden sich die 23-jährige Alina Albrecht und die 27-jährige Isabella Lang an die Stadtverwaltung. Beide sind Mitglieder der Fridays for Future-Bewegung in Stendal.

Die Stadtverwaltung halte es durchaus für möglich, diese Bereiche für den Verkehr zu sperren, teilt Stadtsprecher Armin Fischbach auf Anfrage mit. „Die Sperrung wäre einfach durchzusetzen und es müssten nur wenige Interessenkonflikte mit den Anwohnern geklärt werden“, sagt er. Jedoch ist Fischbach skeptisch, ob sich dieses Prozedere schon direkt zum nächsten Adventssonntag umsetzten lässt.

„Der Oberbürgermeister und die Fachämter werden sich zu diesem Vorschlag schnellstmöglich verständigen“, versichert der Pressesprecher. Dies bedarf jedoch Zeit und kollidiert mit der letzten Stadtratssitzung des Jahres 2020 am vergangenen Montag.

Stadt findet Idee nicht abwegig

„Die Sitzung wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, diese Idee vorab im Stadtrat zu diskutieren“, sagt Fischbach. Daher wünsche sich die Stadtverwaltung, dass sie den Vorschlag schon früher auf den Tisch bekommen hätte, „um dieser nicht abwegigen Idee, die gebührende Aufmerksamkeit widmen zu können.“

Wie kommen die Mitglieder der Bewegung überhaupt auf die Idee einer Sperrung? Vorbild sei die Stadt London, die am vergangenen und an den beiden kommenden Sonnabenden ihre Haupteinkaufsstraße „Regent Street“ für Autos und Busse sperrt. Somit haben die Besucher mehr Platz, um bei den Weihnachtseinkäufen die Abstandsregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie einzuhalten. „Wenn London es schafft, die Hauptstraße zu sperren, warum sollte das Stendal nicht schaffen?“, fragt Isabella Lang.

Die Stendaler Klima-Aktivisten verfolgen das gleiche Ziel wie jene in der britischen Hauptstadt. „Wir wollen den Fußgängern mehr Raum geben“, erläutert die Psychologie-Studentin den Grundgedanken. Die Einhaltung der Anstandsregeln sollen den Besuchern ein höheres Sicherheitsgefühl vermitteln, sodass stressfrei eingekauft werden kann. Eine Sperrung könnte nicht nur die Umsätze der Geschäfte in der nördlichen Breiten Straße erhöhen, sondern auch die Umweltbelastung innerhalb der Stadt verringern, sagt Isabella Lang.

Neben der Einhaltung der Abstandsregeln wollen die Mitglieder von Fridays for Future den dazu gewonnenen Platz für vereinzelte Weihnachtsstände zur Verfügung stellen. Der diesjährige Ausfall des Weihnachtsmarkts solle dadurch für die Standbetreiber abgemildert werden, erklärt die junge Frau.

Kein Parkchaoes befürchtet

Einerseits biete der Vorschlag mehr Platz für die Besucher, andererseits aber würde er weniger Parkmöglichkeiten für Auswärtige bedeuten. „Es wird kein Parkchaos geben“, ist Isabella Lang überzeugt. Die Straßen in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt, wie die Hallstraße oder der Supermarkt-Parkplatz am Südwall könnten in dieser Zeit genutzt werden, schlägt sie vor.

Für die 27-Jährige wäre die Idee trotz der kurzen Vorbereitungszeit durchaus umsetzbar. „Es kommt auf die Stadt an“, sagt sie.

Kommentar von Leonie Dreier zur autofreien Innenstadt:
Der Vorschlag der Aktivisten der Klima-Bewegung bringt die angestrebte Verkehrswende in Gang. Sie wollen nicht nur die Städte vom Autoverkehr befreien, sondern auch dem Einzelhandel helfen. Es spricht absolut nichts dagegen, dass die Stadt sich mit dem Vorschlag eingehend auseinandersetzt. Auch wenn sich die Idee für die kommenden Sonntage so kurzfristig nicht realisieren lässt, sollte die Stadt im kommenden Jahr den Vorschlag in die Tat umsetzen.

Damit könnte Stendal eine Vorreiter-Rolle in Sachsen-Anhalt einnehmen. Andere Städte des Landes kommen dann vielleicht auch auf die Idee. Dann kann man von Klimaschutz sprechen. Eine Stadt muss aber anfangen und nicht warten bis die Bundesregierung irgendwann merkt, dass die Zeit davon rennt und der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist.