Stendal l Was eigentlich eine herzerwärmende Geschichte für Tierliebhaber werden sollte, wandelte sich im Mai 2019 schnell zum Drama: Ein Giraffenbaby kam nach großer Medien-Aufmerksamkeit tot zur Welt, ein Teil des Vorfalls wurde sogar im Internet übertragen. Noch in der Nacht darauf starb auch Femke, seine Mutter.

Nach solchen tödlichen Wendungen gehen Geschichten wie diese für gewöhnlich in Stendal weiter. Hier steht der Fachbereich Veterinärmedizin des Landesamtes für Verbraucherschutz (kurz LAV), zu dessen Aufgaben gehört, die Todesursachen von Tieren im ganzen Bundesland zu klären.

Dazu gehören wilde, Haus- und Nutztiere oder Zoo-Exemplare wie Femke und ihr namenloses Kalb. Prominente Fälle wie letzterer landen aber nur etwa ein- oder zweimal im Jahr hier, sagt Pathologin Elisabeth van der Grinten. Dafür bekommt sie durchaus Tiere wie zum Beispiel Rennpferde auf den Seziertisch, was dann wiederum in Fachkreisen für Aufmerksamkeit sorgt.

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Ursachen herausfinden, Konsequenzen abschätze

Besonders für Zoos ist es wichtig, die Todesursachen ihrer Tiere zu klären. Wegen der Seltenheit der Tiere und wegen ihres Werts können übertragbare Krankheiten katastrophale Folgen nach sich ziehen. Gleiches gilt bei Nutztieren, die in Massen gehalten werden und unter denen sich Erreger schnell verbreiten können.

Daher sind Umstände und mögliche Folgen der Tode ein wichtiger Teil der Untersuchungen, die dabei jedes noch so kleine Detail berücksichtigen. So sollen möglichst alle Aspekte der Fälle aufgeklärt und ihre Auswirkungen genau eingeschätzt werden.

Femke etwa schien bei der ersten Betrachtung an einem Gebärmutterriss verendet zu sein, wie sich aber herausstellte, litt sie an einer Blutanämie. Dabei handelt es sich um eine Armut an roten Blutkörperchen, was die Versorgung mit Sauerstoff erschwert und an den Kräften eines Tieres zehrt.

Dadurch konnte sich auch Femkes Kalb nicht richtig entwickeln. Bei seiner Geburt wies es mit etwa 35 Kilo nur etwa die Hälfte des Gewichtes auf, das sonst üblich ist.

Die Anstrengung der stundenlangen Geburt nahm Femke schließlich ihre letzte Kraft. Was die Blutanämie verursacht hat, wird noch erforscht.

Den aktuellen Befunden ging eine ausführliche Obduktion voraus, in einer Halle, die mit Umfang und Werkzeug im Notfall auch für besonders große Patienten ausgelegt ist. Die Kadaver werden für gewöhnlich von einer geeigneten Transportfirma zum LAV gebracht – oder vom Zoo selbst, sollte das Tier zu groß sein, etwa bei Elefanten.

Vielzahl von Werkzeugen

Für diese und andere hohe Gewichtsklassen steht ein Lastenkran bereit, der häufig auch als Operationstisch herhalten muss – in Fällen, bei denen das anatomische Zerlegen des Tieres im Hängen besser funktioniert. Dafür steht eine Vielzahl von Werkzeugen zur Verfügung, angefangen mit handlichen Geräten bis hin zu diamantbeschichteten Sägen für besonders saubere Schnitte.

Der ganze Prozess muss ausführlich dokumentiert werden - unter anderem, da die Befunde bei Verdacht auf Totschlag, Tierquälerei und anderen Vergehen relevant sind. In diesen Fällen ist auch eine Dokumentation mit Fotos nötig.

Van  der Grinten zeigt dafür ein Beispiel eines Schweins, bei dem eine nicht ordnungsgemäße Tötung vermutet wurde. In diesem Fall konnte die Vermutung aber nicht bestätigt werden: „Für uns ist das immer die schönste Nachricht.“

Von den Tieren selbst bleibt hinterher bis auf Gewebeproben in den Kühlräumen nichts übrig - Proben, die zur weiteren Analyse gebraucht werden. Alles andere wird fachgerecht entsorgt.

Ansonsten bestünde die Gefahr, dass Viren und andere Stoffe über die Kadaver an die Außenwelt gelangen. Daher sei höchste Vorsicht und eine genaue Kontrolle der Hygiene wichtig. Haustiere können unter Umständen noch eingeäschert und ihren Besitzern mitgegeben werden, doch in jedem Fall gilt: „Was einmal hier drin war, kommt so nicht wieder raus.“