Stendal l Wegen Raubes einer Handtasche hat das Amtsgericht Stendal einen 37-jährigen Stendaler zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Gleichwohl er einschlägig vorbestraft ist, sich deshalb im Maßregelvollzug befand und zur Tatzeit – am 28. Januar dieses Jahres – seine letzte Bewährung noch nicht erlassen war, hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Petra Ludwig die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Für fünf Jahre – die längst mögliche Dauer.

Der Angeklagte aus einem Stendaler Ortsteil hatte zugegeben, einer Seniorin, die unweit seines Zuhauses lebt, in deren Wohnung geschubst und anschließend die Handtasche geraubt zu haben. Zuvor hatte er sie um eine Spende fürs Tierheim Gardelegen gebeten und auch zwei Euro erhalten. Er hätte „kein Geld für Essen“ gehabt und sei in akuter Geldnot gewesen, versuchte er seine Motivlage zu erklären. Das Geld vom Sozialamt sei alle gewesen. Seine Mutter, die ihm hätte aushelfen können, sei anderenorts in einer längeren Reha-Maßnahme gewesen.

Spontane Tat bei Rentnerin

Er hätte gehört, dass das Tierheim Gardelegen ehrenamtliche Spendenhelfer suche. Da sei ihm die Idee gekommen, Spenden zu sammeln. Allerdings hätte er von vornherein vorgehabt, diese für sich zu verwenden. Der Raub sei spontan passiert, als er die Handtasche gesehen und die Seniorin geschubst hätte, um an die Tasche mit 66 Euro Bargeld zu gelangen. Zudem befanden sich Papiere darin.

Dass er sich für sein Vorhaben eine ihm bekannte Rentnerin aus der Nachbarschaft ausgesucht habe und so schon kurz nach der Tat gestellt werden konnte, sei „aberwitzig“ und seiner „mittelgradigen Intelligenzminderung“ geschuldet, bescheinigte Gerichtspsychiater Dr. Egbert Held dem Angeklagten. Er kenne ihn seit Jahren und attestierte ihm volle Steuerungsfähigkeit.

Vom kriminellen Umfeld losgesagt

Im juristischen Sinn ist er somit voll schuldfähig. Wegen mehrfachen Handtaschenraubes und gefährlicher Körperverletzung war der 37-Jährige fünf Jahre im Maßregelvollzug. Nach der Entlassung hat er gemäß Gutachten eine „erstaunliche Entwicklung“ gemacht. So hätten Alkohol und kriminelles Umfeld bei den Taten früher eine entscheidende Rolle gespielt. Von Beidem habe er sich nach der Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie losgesagt und gehe seit kurzem sogar einer Arbeit nach.

Die von Dr. Held bescheinigte gute Sozialprognose gab denn auch für Staatsanwalt und Gericht den Ausschlag, noch einmal Bewährung auszusprechen. Zuvor hatte sich der 37-Jährige im Gericht beim Opfer entschuldigt. „Halten Sie sich künftig von alten Damen mit Handtasche fern“, gab Richterin Ludwig ihm mit auf den Weg.