Stendal l Dass Edith Braun, seit ihrem Rauswurf aus der SPD im Mai 2014 und ihrem Austritt aus der SPD-Kreistagsfraktion 2015 nun, zum Ende der laufenden Legislaturperiode und vor den Kommunalwahlen 2019 ihren Rückzug aus der Kommunal- politik verkünden würde, damit hatte wohl niemand wirklich gerechnet. Am wenigsten die Lüderitzerin selbst.

Obwohl sie kein Problem damit hat, zuzugeben, dass der SPD-Parteiausschluss eine schmerzliche Erfahrung war. Ich war Gründungsmitglied nach der Wende, war 25 Jahr in der SPD, da tat das schon weh.“ Doch ihre Art Kommunalpolitik zu machen, habe sich nie nach einem Parteibuch gerichtet, sondern sich an den Menschen orientiert, für deren Interessen sie sich einsetze, wenn nötig auch für manchen in der eigenen Partei unbequem. Aus diesem Grund sei sie zu den 2014er Stadtratswahlen in Tangerhütte auch mit der Wählergemeinschaft Lüderitz angetreten und nicht für ihre damalige Partei, die SPD – mit den bekannten Konsequenzen.

Wollte nie in die CDU

„Vielleicht hat ja der eine oder andere damit gerechnet, dass ich danach in die CDU eintrete, aber das hatte ich nie vor. Obwohl ich immer sehr gute Kontakte zu den CDU-Kreistagsmitgliedern hatte, auch auf der menschlichen Ebene“, sagte Edith Braun gestern im Gespräch mit der Volksstimme, als sie bestätigte, zu den Kreistagswahlen am 26. Mai auf der offenen Liste „Pro Altmark“ antreten zu wollen.

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Das Bündnis, das der Osterburger Bürgermeister Nico Schulz und dessen Seehausener Amtskollege Rüdiger Kloth (beide CDU) Ende November 2018 mit Blick auf die Kreistagswahl 2019 aus der Taufe hoben, gefalle ihr, und dessen Ziele seien auch die ihren. „Ich habe lange überlegt, ob ich nicht als Einzelkandidatin für den Kreistags antreten sollte. Aber dann kamen die beiden mit ‚Pro Altmark‘. Die Haltung von Rüdiger Kloth und Nico Schulz gefällt mir. Nicht immer alles schlucken, auch mal dagegen angehen, wenn es die Sache erfordert. Ich bin da ähnlich. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann beiße ich mich daran fest und kämpfe dafür.“

Immer noch Lust darauf

Vieles, was heute von „Berufspolitikern“ gemacht werde, sei ihr „zu fern von der Realität und zu unkonkret.“ Das habe sie immer wieder erfahren. Kommunalpolitik, wie sie es verstehe, funktioniere anders. „Das ist ein Geben und Nehmen. Ich gebe viel, weil ich auch als Ortsbürgermeisterin ganz nah dran bin an den Leuten, weil ich weiß, was sie wollen und auch brauchen. Auf der anderen Seite bekomme ich aber viel von den Menschen zurück. Darum will ich weiter Kommunalpolitik machen. Ich habe immer noch Spaß daran und Lust darauf.“

Hinzu käme, dass ihr der Gedanke, wie in den Tangerhütter Stadtrat nun auch in den Kreistag mit einer Wählergemeinschaft einzuziehen, sehr sympathisch gewesen sei.

„Für den Kreistag ist das neu. Eine weitere demokratische Kraft, unabhängig von den Parteien. Ich meine, wir müssen da was Neues wagen, und da bin ich gern dabei, auch um der AfD etwas entgegenzusetzen. Das motiviert mich zusätzlich.“ Was die kommunalpolitischen Themen angeht, sieht Braun sich sehr nah an dem, wofür sich Nico Schulz und Rüdiger Kloth einsetzen. „Sie sind, wie ich, beide auch Bürgermeister, machen Kommunalpolitik vor Ort. Wenn es zum Beispiel darum geht, dass keine weiteren Schulen geschlossen werden, wir unsere Straßen erhalten oder freiwillige Aufgaben wie die Vereinsförderung weiterführen wollen. Das sind alles Themen, die auch mich bewegen.“

Schulz: Eine Bereicherung

Bei den beiden Protagonisten von „Pro Altmark“ hat die Lüderitzerin demnach offene Türen eingerannt. Nico Schulz sieht das ebenfalls pragmatisch. „Wir sind nun mal Bürgermeister und als solche Interessenvertreter der Gemeinden. Wir haben uns also mit ‚Pro Altmark‘ ganz bewusst für einen parteiunabhängigen Zusammenschluss entschieden. Und da ist Edith Braun eine Bereicherung für uns.“

Ob ihnen die angestrebte Parteiunabhängigkeit bei der Kreistagswahl ähnlich wie Edith Braun vor fünf Jahren auf die Füße fallen könnte, will Schulz nicht kommentieren. „Wir sind Mitglieder der CDU“, sagt er auch für Mitstreiter Rüdiger Kloth. „Von unserer Seite gibt es da keine anderen Bestrebungen. Wie die CDU das sieht, müssen wir abwarten.“