Stendal l Es ist ein ganz besonderes Leuchten, auf das uns Pastor Ulrich Paulsen aufmerksam gemacht hat. Es ist dezent, ein wenig versteckt auch, und vor allem: keineswegs um seiner selbst willen oder gar zum Auftrumpfen da. Das adventliche Funkeln an der Rückseite des Evangelischen Hospizes in der Wendstraße verbreitet im winterlichen Dunkel nicht nur einen warmen, hellen Schein, sondern ganz subtil auch eine Botschaft. Das erfahren wir im Gespräch mit Ulrich Paulsen, aber insbesondere mit einer Mieterin des Hauses.

Neben Elke Lindstedt müssten eigentlich noch drei weitere Frauen sitzen und erzählen, sagt sie selbst, denn schließlich seien sie es zu viert, die sich darum kümmern, dass es aus den Fenstern und vor allem von den Balkonen her leuchtet. Jede der vier hat dabei ihr Spezialgebiet, Elke Lindstedt zum Beispiel kümmert sich um alles Elektrische. Dabei hilft, dass „wir alle befreundet sind, man kann von einer Wohnung in die andere durchgehen“.

Licht bringt Wärme

Die leuchtende Adventsausstattung, die nicht wild und bunt blinkt, sondern Konturen betont und einzelne Blickpunkte schafft, verändert sich kaum von Jahr zu Jahr, „aber es geht ja auch immer mal was kaputt, dann wird was Neues gekauft“. Den Herrnhuter Stern jedoch, den hat Elke Lindstedt schon sehr lange. „Es ist ganz bewusst ein Herrnhuter Stern und ganz bewusst ein gelber“, fängt sie an zu erzählen. „Ich lese jeden Tag die Herrnhuter Losung, und das Gelb steht dafür, Jesus Christus als Juden zu sehen.“ Der gelbe Stern erinnere also, er sei Mahnung und Freude auf das Ereignis der Geburt Jesu gleichermaßen.

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Paulsen, der sowohl Krankenhausseelsorger ist als auch Geschäftsführer des Hospizes, findet es im Übrigen gut, dass die vier Frauen sich entschieden haben, über dem Hospiz zu wohnen. Für Elke Lindstedt gab es da keinerlei Bedenken, sie wollte sogar unbedingt gern hier wohnen. „Ich habe bis zur Rente vor fünf Jahren im Johanniter-Krankenhaus gearbeitet, da war mir das Hospiz immer nahe. Ich hatte nur eine Bedingung: Ich wollte gern mit meiner langjährigen Freundin im selben Haus wohnen, wir kennen uns seit 50 Jahren. Und es war ein Glücksfall, dass wirklich zwei Wohnungen frei waren.“ Sie haben sich gut eingelebt, pflegen Kontakte in der Nachbarschaft, sind regelmäßig bei Veranstaltungen im Mutterhaussaal.

Hospiz ist kein dunkler Ort

Doch nicht nur aus den oberen Etagen der Wendstraße 13 glimmt und schimmert es weihnachtlich, auch aus der eigentlichen Hospiz-Etage strömt gelb-weißes und rötliches Licht, sei es ein Schwibbogen hier oder ein Herrnhuter Stern da. Auch im Raum der Stille und nebenan beim Ambulanten Hospizdienst gehen über den Köpfen rotleuchtende Sterne auf. So werden Mitarbeiter und Bewohner auch im täglichen Hiersein immer von einer sie umgebenden hellen Freude begleitet. Und dies alles ohne Übertreibung, auf sehr zurückhaltende Weise.

Vor allem aber der Schein nach außen ist es, der den Hospizmitarbeitern und den vier Frauen von oben am Herzen liegt: „So sehen die Anwohner ringsum, dass das Hospiz kein dunkler Ort ist, sondern einer, der Wärme und Licht ausstrahlt, es ist mir wichtig, das zu zeigen“, sagt Ulrich Paulsen. Und Elke Lindstedt führt den Gedanken fort: „Das Licht bringt Wärme und Weisung, es öffnet die Augen und die Herzen.“

Gerade auch in Bezug auf die hospizliche Arbeit, bei der sterbenskranke Menschen in ihren letzten Wochen oder Monaten begleitet werden, hat Licht eine starke symbolische Kraft, wie Pfarrer Paulsen erklärt: „Wir glauben, dass nicht Dunkel am Ende herrscht, sondern Licht, das durch den Tod trägt. Hin zum ewigen Licht.“ Und so ist es selbstverständlich, dass auch außerhalb der Adventszeit immer irgendwo ein Licht in den Räumen des Hospizes leuchtet und eine tröstliche Gewissheit ausstrahlt.

Wer sich das Adventsleuchten am Hospiz gern ansehen möchte, muss dazu in die Verbindung zwischen Wend- und Brau­hausstraße abbiegen, dann in die Karl-Wernecke-Straße und selbige bis zum kleinen Rondell am Ende entlanggehen – schon eröffnet sich einem der Lichterschmuck.