Stendal l Gleich im Januar 2017 platzte am Rande des Wahlfälschungsprozesses eine Bombe: Die Staatsanwaltschaft bestätigte damals Volksstimme-Recherchen, dass gegen den inzwischen 44-jährigen Stendaler wegen Versicherungsbetrugs ermittelt wird. Mitarbeiter von dessen privater Krankenversicherung waren durch Volksstimme-Berichte auf ihren Kunden aufmerksam geworden – und nahmen die von Gebhardt eingereichten Rechnungen unter die Lupe.

Schaden: 100.000 Euro

Die Kontrollen führten im Dezember 2016 zu einer Strafanzeige: Beträge von rund 100.000 Euro soll sich Gebhardt in den zurückliegenden fünf Jahren erschlichen haben, lautet der Vorwurf.

Die Summe soll sogar noch höher sein, wobei die weiteren Fälle bereits verjährt sind. Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Kramer wollte das nicht kommentieren. Auch zum Abschluss des Verfahrens wagte er keine Prognose. „Die Akten liegen zur Bearbeitung noch bei der Polizei“, zitierte er die für den Fall zuständige Staatsanwältin.

200 Wahlscheine geprüft

Noch nicht abgeschlossen ist auch ein weiteres brisantes Ermittlungsverfahren gegen Holger Gebhardt. Die Staatsanwaltschaft hatte sich nach langem Zögern im Frühjahr doch entschlossen, das auffällige Briefwahlergebnis bei der Landratswahl 2012 aufzuarbeiten.

„Inzwischen sind 200 Wahlscheine geprüft worden“, erklärt Kramer auf Anfrage. Bei der Auswertung von Schriftproben arbeite man eng mit den Experten des Landeskriminalamtes zusammen.

Die Stichwahl im Dezember 2012 hatte damals CDU-Kandidat Carsten Wulfänger mit 69 Stimmen gegen SPD-Bewerber Lars Schirmer gewonnen. Beide hatten dabei ein deutlich höheres Briefwahlergebnis erzielt als bei der Hauptwahl drei Wochen zuvor. Während Schirmer jedoch insgesamt an Stimmen zulegte, verlor Wulfänger ein Fünftel.

Doch zu Details will sich der Sprecher nicht äußern. Nur mit einer Aussage legt er sich fest: „Dieses Verfahren wird 2018 abgeschlossen.“