Mehr als 100 Christen erleben am Ostersonntag in St. Stephan die Osternacht mit Taufe, Feuer und Spaziergang

Wenn im dunklen Tangermünde die Kirchentür knarrt

Von Anke Hoffmeister

Ostern - das bedeutet für einige Menschen nicht nur arbeitsfreie Tage, Ruhe und langes Ausschlafen. Am Sonntagmorgen führte das Fest mehr als 100 Christen in die St. Stephanskirche zur Osternacht.

Tangermünde l Es ist wohl eine der kältesten Osternächte der vergangenen zehn Jahre. Sonntagmorgen, die Glocke von St. Stephan hat soeben 5 Uhr geschlagen. Die Türen des Gotteshauses sind ausnahmsweise schon geöffnet - zur Osternacht. Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Tangermünder. Jung und Alt sind unterwegs. Viele von ihnen gehen schnellen Schrittes durch die noch schlafende Stadt zur Kirche. Einige haben Decken dabei. Mütze, Schal und Handschuhe sowie die dicken Winterstiefel dürfen nicht fehlen. Wieder und wieder schieben die Osternachtbesucher die knarrende Tür am Hauptportal auf.

Spärliches Licht am Eingang empfängt die Besucher. Hier gibt es Liedzettel, Osterkerze und den passenden Tropfschutz aus Plastik dazu mit dem Hinweis: "Bitte die Kerze erst in der Taufkapelle anzünden."

5.30 Uhr erlischt das elektrische Licht. Stockdunkel ist es in der großen Kirche, begleitet von absoluter Stille. "Warum sind wir heute so früh in die Kirche gekommen?", fragt Maike Knirsch in das Dunkel hinein. Pfarrer Jürgen Weinert knipst sein kleines elektrisches Licht an und berichtet von der Auferstehung Jesu in jener Nacht. Mit einem Streichholz zündet er die Osterkerze an.

Die Gemeinde folgt dem Pfarrer dann in die Taufkapelle. Die große Osterkerze bekommt direkt neben dem Taufbecken ihren Platz. Am Osterlicht werden jetzt die vielen kleinen Osterkerzen entzündet. Das Dunkel der Taufkapelle weicht dem warmen Kerzenlicht.

"Ich möchte, dass Gott mein Leben begleitet, mir Kraft gibt."

Konfirmand Johann Schüler

In dieser Atmosphäre empfangen in diesem Jahr vier junge Menschen ihre Taufe - Johanna Sorge, Johann Schüler, Nina Rethfeldt und Anne Gerbel. Weshalb sie diesen Schritt gehen, teilen sie der Gemeinde vor der Taufe mit. "Ich möchte, dass Gott mein Leben begleitet, mir Kraft gibt", sagt Johann Schüler. "Teil der Gemeinde" möchte Nina Rethfeldt werden. Beide feiern in wenigen Woche ihre Konfirmation. "Ich arbeite in einem evangelischen Kindergarten", beginnt Anne Gerbel ihre Begründung. Ein leises, abwertend klingendes Raunen ist zu hören. "Ich lasse mich taufen, weil ich teilhaben möchte am Glauben der Kinder", setzt die 24-Jährige ihre Begründung vor. Die Rauner sind ein wenig umgestimmt. Es folgt ein leises "Na, okay".

Dem Pfarrer und der Osterkerze folgend versammelt sich die Gemeinde nach der Taufe im Hohen Chor und empfängt hier Brot und Wein (in diesem Fall Traubensaft). Die Kantorei begleitet die Osternacht.

Nach gut anderthalb Stunden ist alles vorüber. Der Tag ist wenige Stunden nach der Zeitumstellung angebrochen - allerdings ohne einen prachtvollen Sonnenaufgang. Dafür gibt es ein prächtiges, laut zischendes und knisterndes Osterfeuer auf dem Pfarrhof. Es spendet wohlige Wärme nach der Zeit im Gotteshaus. "Wir haben aktuell 1,6 Grad Celsius in der Kirche", hatte Pfarrer Weinert der Gemeinde kurze Zeit vorher verkündet und sie zum Osterfeuer nach draußen eingeladen.

Ein wenig aufgewärmt, setzt ein Teil der Gemeinde den Morgen mit einem Osterspaziergang zur Elbe fort und trifft sich danach zum Osterfrühstück in der Landeskirchlichen Gemeinschaft.