Schutz vor Wildunfällen

Zum Schutz vor Wildunfällen gibt es zahlreiche Maßnahmen:

• Wildwarnreflektoren sind optische, rot oder blau reflektierende Geräte, die Signale zum Abschrecken des Wildes aussenden. Dabei wird das Scheinwerferlicht in das umliegende Gelände umgeleitet.

• Wildschutzzäune sollen Straßen vom umliegenden Gelände trennen. • Duftbarrieren senden mit chemischen Stoffen olfaktorische Signale, die die Tiere davon abhalten sollen, die markierte Grenze zu übertreten. Sie können sich über viele Kilometer erstrecken.

• Wildwarn-App Wuidi soll vor Wildwechseln warnen und hilft bei der Unfallabwicklung.

• Querungshilfen funktionieren wie Brücken und sollen die Tiere über die Fahrbahn hinweg führen.

Stendal/Uenglingen l Langsam wird es dämmrig. Die Felder und Bäume am Straßenrand werden erst blau, dann grau bis irgendwann alles in Dunkelheit getaucht ist. Doch gerade diese Zeit ist es, in der die meisten Wildunfälle passieren. „Alle zweieinhalb Minuten kollidiert ein Kraftfahrzeug in Deutschland mit einem Wildtier“, sagt Siegfried Holzinger, Sprecher der Jägerschaft Stendal. Laut Unfallstatistik des Polizeireviers Stendal waren Wildunfälle 2019 die Hauptursache, warum es knallte – von insgesamt 4144 Unfällen waren 1662 mit Wild.

Gerade im Herbst und im Winter treten gehäuft Wildunfälle auf. „Die Felder sind abgearbeitet, es gibt keine natürliche Deckung mehr und die sucht das Wild dann eben. Dabei werden sie schnell aufgeschreckt und laufen über die Straßen“, erklärt Holzinger. Meistens träten die Unfälle morgens und abends auf, wenn das Wild zur Äsung, also zur Nahrungsgewinnung, unterwegs ist.

Zäune, Duftbarrieren und Wildwarnreflektoren

Oftmals werde darüber gesprochen, wie man das Wild davon abhalten kann, auf die Straßen zu laufen. Die Jägerschaft Stendal hält eine andere Herangehensweise für sinnvoller: „Der Ansatz muss immer beim Menschen liegen, anstatt auf eine Verhaltensänderung des Tieres zu hoffen“, sagt Holzinger. Dazu gibt es bereits einige Ansätze, etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen und Wildwarnschilder. „Aber die nimmt der Kraftfahrer doch schon gar nicht mehr wahr“, sagt der Jäger.

Die Maßnahmen die ergriffen werden, um den Verkehr zu sichern, sind vielfältig: Wildschutzreflektoren, Zäune und kilometerlange Duftbarrieren sind nur einige davon. „Die Zäune sollten statt Wildschutzzäune eher Verkehrsschutzzäune heißen“, brummt der Jäger. „Die Erfolge bei den ganzen Maßnahmen sind sehr bescheiden. Die Zäune können von Schwarzwild etwa leicht überwunden werden.“

Für diese Schutzvorrichtungen sind die Jägerschaften zuständig, auch finanziell. „Kommunen oder Gemeinden haben damit nichts zu tun“, sagt Holzinger. „Interessant wäre, was sich die Baulastträger der Straße überlegen. Denen fällt vermutlich noch weniger ein als uns.“

Neue Hilfsmittel effektiver

Nach und nach kommen jedoch neue Hilfsmittel, die vielversprechend scheinen, zum Einsatz. „Querungshilfen dringen langsam ins Bewusstsein ein. Die scheinen gut zu funktionieren. Außerdem wird in Bayern eine App für das Handy getestet, wo in Echtzeit Warnungen für Wildwechsel angezeigt werden, ein Wildunfallservice angeboten wird und Kontakte von Ansprechpartnern vor Ort, etwa den Pächtern, aufgeführt sind“, schildert der 84-Jährige. Die App warnt Autofahrer akustisch, wenn sie durch ein Gefahrengebiet fahren.

Dabei sind besonders die Kontakte zu den örtlichen Jägerschaften wichtig. Denn sie müssen die Kadaver an der Unfallstelle am Ende beseitigen oder noch lebende Tiere von ihrem Leid erlösen. „Meistens werden wir von der Polizei kontaktiert, aber wir können auch direkt angerufen werden. Als die Jagdsteuer abgeschafft wurde, wurde festgelegt, dass die Jägerschaften statt der Gemeinden oder Kommunen für die Beräumung der Kadaver zuständig sind“, meint Holzinger. Ein Problem dabei: „Wenn niemand anruft, können wir auch nichts wegräumen.“ Deswegen sieht man an manchen Strecken tagelang die verwesenden Tierleichen liegen – es wurde schlicht nicht gemeldet.

Dunkelziffer durch Wilddieberei

Dazu passt, dass längst nicht alle Unfälle gemeldet werden. „Es gibt eine Dunkelziffer bei den Unfällen. Das sehen wir immer dann, wenn wir Unfallspuren vorfinden, aber keine Meldung bekommen haben. Dabei wird das überfahrene Wild auch ab und zu in den Kofferraum gepackt“, sagt Holzinger. „Das ist übrigens Wilddieberei und strafbar.“

Doch ab wann muss ein Wildunfall gemeldet werden – bei einem Hasen, einem Fuchs oder doch erst bei einem Reh? „Das ist ganz einfach: Sobald es einen Schaden am Auto gibt. Dabei ist es egal, wie groß das Tier war, da reicht auch ein Hase“, klärt Holzinger auf. Dabei geht es vor allem um Versicherungsfragen. Denn ohne eine Bescheinigung der Polizei oder der Jägerschaft, kommt die Versicherung nicht für den Wildschaden auf.

Zahl der Wildunfälle nimmt zu

Doch egal wie viel dafür getan wird, damit Wildunfälle vermieden werden – manche Kollisionen lassen sich nicht vermeiden. Doch das Risiko lässt sich minimieren: „Man sollte eine überhöhte Geschwindigkeit vermeiden“, meint der Sprecher der Jägerschaft. „Wenn ich langsamer unterwegs bin, sehe ich Wild auf der Straße früher, kann besser bremsen, abblenden und hupen.“ Was man auf keinen Fall machen sollte: Aufblenden, beschleunigen und vor allem nicht versuchen auszuweichen. „Im Zweifel geht die Gesundheit der Menschen in dem Auto vor. Da muss man auf das Wild draufhalten, auch wenn es dadurch stirbt. Ausweichversuche können leicht am Baum enden.“

Die Unfälle mit Wild nahmen in den vergangenen Jahren zu. Das zeigen die Zahlen der Unfallstatistik der Polizei Stendal. So gab es im Vergleich zu 2018 im Jahr 2019 rund 18 Prozent mehr der Unfälle zu vermelden. „Jagdkritiker schieben die Zunahme von Wildunfällen gerne darauf, dass wir Jäger zu wenig abschießen würden. Das stimmt aber nicht. Man muss ja etwa bedenken, dass sich die Zahl der Kraftfahrzeuge auf den Straßen in den letzten 40 Jahren mehr als verdoppelt hat“, sagt Holzinger dazu.