Wolfsterritorien im Landkreis Stendal 2019/20

Altmärkische Höhe:

• drei Wölfe

• zwei Adulte, ein Welpe

• keine Nutztierrisse

Colbitz-Letzlinger Heide:

• aktuell ein Wolf, zu Beginn zwei

• Rüde wurde illegal erschossen

• keine Welpen seit 2013/14

• keine Nutztierrisse

Garthow:

• zehn Wölfe

• zwei Adulte, acht Welpen

• Sieben Nutztierrisse, die dem Rudel zugeordnet werden konnten. (C1)

Havelberg:

• sechs Wölfe

• zwei Adulte, vier Welpen

• Ein Welpe verstarb an einer Räudeinfektion.

• fünf Nutztierrisse mit Wolf als Verursacher (C1)

Klietz:

• aktuell drei Wölfe, zu Beginn vier

• zwei Adulte, zwei subadulte

• ein Tier verstarb

• keine Welpen

• ein Nutztierriss (C1), bei zwei weiteren Rissen konnte der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden (C3)

Tangerhütte:

• fünf Wölfe

• zwei Adulte, drei Welpen

• Ein Nutztierriss, bei dem der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnte. (C3)

Quelle (2): WZI

Stendal l Im Landkreis Stendal leben zurzeit mindestens 28 Wölfe, 16 davon neugeborene Welpen. Dies ergibt sich aus dem Wolfsmonitoring Bericht des Landes Sachsen-Anhalt für das Jahr 2019/20. Die Wölfe verteilen sich auf sechs Territorien, die teilweise über die Kreisgrenzen hinaus reichen: Klietz, Havelberg, Tangerhütte, die Colbitz-Letzlinger Heide, Garthow und Altmärkische Höhe. Nach den aktuellen Zahlen wurde 2019/20 vier Welpen mehr geboren als im Vorjahr. Das scheint nicht viel, doch es gibt eine markante Veränderung: Wurden 2018/19 nur in zwei Territorien Welpen geboren waren es im vergangenen Monitoringjahr doppelt so viele.

Monitoring durch Kameras

Das Monitoring im Kreis wird hauptsächlich durch die Suche nach genetischen Spuren der einzelnen Tiere sowie über Fotonachweise von Wildkameras betrieben. „Generell ist es im Monitoring eine Herausforderung, eine möglichst genaue Anzahl der Individuen pro Territorium anzugeben. Wölfe können in der Regel nicht durch morphologische Merkmale individuell unterschieden werden“, sagt Ines Wahl. Sie ist zuständig für die Pressearbeit beim Landesamt für Umweltschutz, wozu das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) gehört. Durch die Schwierigkeiten beim Monitoring seien die angegebenen Zahlen stets als Mindestzahlen zu verstehen.

Wildkameras häufig zerstört und geklaut

Wie viele Wildkameras es für das Monitoring im Kreis gibt, ist nicht bekannt. Denn neben den landeseigenen Kameras sind laut Wahl auch Kameras von Privatpersonen im Einsatz, die ihre Sichtungen an das WZI weitergegeben. Zudem wolle man die Suche nach den Kameras nicht durch Nennung von Orten und Zahlen bestärken, denn im Landkreis Stendal sind bereits mehrfach Kameras gestohlen oder von Privatpersonen zerstört worden, etwa im Territorium Altmärkische Höhe.

Um beim Schutz von Nutztieren zu helfen, bietet das WZI Tierhaltern im Land eine kostenlose Herdenschutzberatung an. „Dabei werden vor Ort die individuellen Gegebenheiten besprochen und mögliche Anpassungen der Zäune erörtert“, so Wahl. Doch wie betroffen sind Nutztiere von Wolfsangriffen im Kreis Stendal? „Im Kalenderjahr 2020 gab es im Landkreis Stendal nach bisherigem Bearbeitungsstand zwei Übergriffe auf Kälber, bei denen Wölfe als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnten und einen Übergriff auf Schafe, bei dem Wölfe genetisch bestätigt wurden. Zwei Fälle sind noch in Bearbeitung.“

Illegale Wolfstötungen

Ein ganz anderes Problem sind getötete Wölfe. In ganz Sachsen-Anhalt wurden zwischen 1990 und 2020 acht Wölfe illegal erschossen. Zwei davon zwischen 2009 und 2020 im Landkreis Stendal, der Letzte im vergangenen Jahr in der Colbitz-Letzlinger Heide. Laut dem Monitoring Bericht sind illegale Wolfstötungen in Sachsen-Anhalt ein größeres Problem als in anderen Bundesländern. Warum das so ist, „dafür gibt es bisher keine Erklärung“, sagt Ines Wahl.

Insgesamt wurden seit 2009 sieben tote Wölfe im Landkreis Stendal gefunden. Davon „wurden neben den beiden illegalen Abschüssen drei bei Verkehrsunfällen getötet. Ein weiteres Tier starb durch eine Infektion, für das siebte Tier konnte die Todesursache nicht mehr ermittelt werden.“

Wildkatze vertreibt Wolf

Im Landkreis Stendal wurden im vergangenen Monitoringjahr drei Besonderheiten dokumentiert. In der Colbitz-Letzlinger Heide wurde eine Aufnahme davon gemacht, wie eine Wildkatze ihre Jungen erfolgreich vor einem Wolf beschützt. Diese Aufnahme ist einmalig, „zumindest ist dem WZI und den Wildkatzenbearbeitern in Sachsen-Anhalt eine solch umfangreiche und zeitlich anspruchsvolle Interaktion erstmalig übermittelt worden.“ In demselben Territorium wurden zudem Wölfe eines Rudels aus Haldensleben gesichtet. „Eine etwas kuriose Videoaufnahme des Rudels Haldensleben im Dezember 2019 erfolgte zum Beispiel über die Überwachungskameras des Salus-Fachklinikums Uchtspringe. Hier hatte sich ein Welpe durch ‚falsches Abbiegen‘ auf das umzäunte Gelände verirrt, während das restliche Rudel am Außenzaun vorbeilief. Nach längerem ‚Hin und her‘ hat der Welpe dann das Gelände wieder verlassen“, heißt es im Monitoring Bericht.

Ferner konnte erstmals das Territorium Altmärkische Höhe mit dem Status „Rudel“ belegt werden. Seit 2014/15 konnte nicht belegt werden, ob und wie viele Wölfe dort leben. Da in diesem Jahr neben zwei Alttieren mindestens ein weiblicher Welpe gesichtet wurde, konnte zudem der Status für das Monitoringjahr 2018/19 rückwirkend von „Unklar“ auf „Paarstatus“ geändert werden.