Stendal l Den Gedanken hatte Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), schon vor sechs, sieben Jahren. Größere Wohnungen sollten mit Senioren-Wohngemeinschaften belegt werden, möglichst ein Pflegedienst rund um die Uhr bereitstehen. Doch damals kam die Idee noch nicht an. „Ich glaube, die Zeit war wohl noch nicht reif dafür“, sagte Jircik im Gespräch mit der Volksstimme. Nun unternahm die SWG einen neuen Anlauf. An der Karl-Liebknecht-Straße entstanden zehn Apartments, die ersten beiden Wohngemeinschaften sind eingezogen. Der Bevölkerungsschnitt habe sich noch einmal zu Gunsten der Älteren verschoben, zudem seien die Kosten in den Seniorenwohnheimen gestiegen. Da werde nach anderen Lösungen gesucht.

Erster Mieter zog bereits ein

Aus zwei Vier-Raum-Wohnungen entstehen fünf Zimmer für die Bewohner, außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum, eine zentrale Küche und zwei Bäder. „Die Zimmer sind unterschiedlich groß, die Miete beträgt zwischen 330 und 388 Euro“, wurde Jircik konkret. In dem Preis sind Wärme, Wasser, Strom und Internet enthalten. Die Pflegekosten müssten extra getragen werden.

Die SWG ist eine Partnerschaft mit dem Roland-Pflegedienst eingegangen, der auch an der Karl-Liebknecht-Straße ansässig ist. „Selbstverständlich ist es aber keine Pflicht, genau diesen Pflegedienst in Anspruch zu nehmen“, sagte er. Die räumliche Nähe und die Bereitschaft rund um die Uhr würden aber dafür sprechen. Auch Fritz Hoppe entschied sich dafür. Er war vor sechs Wochen der erste Mieter in einer Wohngemeinschaft in der vierten Etage, fühlt sich dort sehr wohl.

Bei einem Tag der offenen Tür stellte die SWG das Konzept vor, und sehr viele interessierte Besucher kamen. Zu ihnen gehörte Anna Wiesemann, die gleich nebenan wohnt. „Ich musste mir doch mal anschauen, was hier in den vergangenen Monaten entstanden ist“, erklärte sie. Selbst einmal in eine Senioren-Wohngemeinschaft einzuziehen, das könnte sie sich schon vorstellen, aber jetzt noch nicht. „Ich hatte gerade erst die Maler in der Wohnung“, meinte die rüstige Seniorin schmunzelnd.

Individualität soll erhalten bleiben

Sollte sie sich einmal für den Umzug entscheiden, dann wird sie ihr Zimmer auch individuell einrichten dürfen. „Die Menschen hier kommen teilweise aus einem eigenen Haus, da kann man ihnen nicht die Individualität von einem Tag auf den anderen nehmen“, sagte Jircik. Das wichtigste Ziel sei eine möglichst lange Selbstständigkeit.

Den Alltag nach eigenen Vorstellungen gestalten und gleichzeitig die individuelle Betreuung bekommen, die notwendig ist – das ist die Idee, die hinter den Wohngemeinschaften steckt. Und auch Jircik selbst kann sich durchaus vorstellen, in eine Senioren-WG zu ziehen, jedenfalls irgendwann einmal.