Goldbeck l Ein großes Treffen ehemaliger Goldbecker Zuckerwerker hat am Sonnabend in der Zuckerhalle stattgefunden. Auf den Tag genau 128 Jahre nach der Grundsteinlegung war man zum ersten Zuckerfest zusammengekommen. Die Idee dazu war 2016 entstanden, und der Goldbecker Gemeinderat hatte sich als Organisator vor den Karren gespannt. „Wir hatten in den Medien dazu aufgerufen und per Mundpropaganda eingeladen“, sagte Ilona Jansen, zuletzt ökonomische Leiterin des Betriebes, der Volksstimme. „Alle, die sich noch mit ihrem ehemaligen Betrieb, der ja der größte Arbeitgeber hier war, verbunden fühlen und sich wiedersehen wollten – nach dem Motto ,Zucker klebt‘ –, hatten zugesagt. Immerhin zirka 130 Leute.“ Aber es waren noch etliche mehr gekommen.

Konkurrenz war übermächtig

Sie saßen an langen Tafeln im ehemaligen Speisesaal. Die Frauen der Ortsgruppe der Volkssolidarität um Hannelotte Belseck hatten für ein Kuchenbüfett gesorgt, so dass später einem gemütlichen Kaffeetrinken nichts im Wege stand. Bürgermeister Torsten Dobberkau machte auf zwei Ausstellungen aufmerksam: die Entwicklung der Zuckerfabrik von der Grundsteinlegung als Aktiengesellschaft, deren Protokollkopie auslag, bis zum plötzlichen Aus nach der Kampagne 1991/1992, bei dem der letzte Werkdirektor Peter Krause damals gegenüber der Belegschaft unter anderem feststellen musste: „Unser Betrieb hätte trotz zum Teil modernerer Ausrüstung keine Chance, gegen die übermächtige Konkurrenz im Inland und im EG-Raum zu bestehen und mit Gewinn zu arbeiten.“

Die zweite Ausstellung, geliehen von der Nordzucker AG Klein Wanzleben, betraf die Geschichte des Zuckerrübenanbaus und die Gewinnung von Rübenzucker. Größeres Interesse aber wurde der aus Dokumenten, Bildern und Presseartikeln zusammengestellte Sammlung über den Betrieb entgegengebracht. Hannelore Pichelmann, zuletzt Laborleiterin in ihrer 21-jährigen Betriebszugehörigkeit, und Wilhelm Klingbiel, 40 Jahre Zuckerwerker und Siedemeister, konnten sich anhand der Bilder und Urkunden an viele Ereignisse erinnern. Und zum Zuckerfest meinte Klingbiel: „Schön, dass wir uns alle mal wiedertreffen, wir hatten uns ja lange nicht gesehen. Vielleicht bleibt dieses Fest nicht das einzige.“

Bilder

Investitionen waren geplant

Bürgermeister Torsten Dobberkau erwähnte in seiner Rede Kindheits- und Jugenderinnerungen an die Fabrik, in der er auch kurze Zeit tätig war. Friedrich Nehls, während der letzten 13 Jahre des Betriebes dessen Technischer Leiter, gab einen Überblick über die Betriebsgeschichte. „Vieles war modernisiert, dann abgerissen und verschrottet worden“, berichtete er. Es wären für den Zeitraum 1989 bis 1995 größere Investitionen geplant gewesen, unter anderem eine Siloanlage für losen Weißzucker, um hier den noch recht hohen Arbeitszeitaufwand zu senken. Anschließend ließ Nehls die Gebäude und Anlagen vor den Augen seiner Zuhörer wieder auferstehen – vom Werktor bis zur Zuckerhalle.

Standort für Veranstaltungen

Für deren Instandsetzung hatten viele Goldbecker Vorarbeit beim Aufräumen geleistet. Nun soll es weitergehen. Fördermittel unter anderem über das Programm „Land-auf-Schwung“ wurden bewilligt oder sind beantragt. Derzeit stehen 250 000 Euro zur Verfügung, um Dach und Fenster zu sanieren sowie Toiletten und Elektroanlagen einzubauen. Man könne nach Fertigstellung vielfältige Veranstaltungen von Dorffesten bis Sportlerball durchführen und die Idee eines Indoor-Spielplatzes realisieren.